„Ich betrat die Intensivstation und wusste: Hier gehöre ich hin!“

„Ich betrat die Intensivstation und wusste: Hier gehöre ich hin!“

Nadine Groß arbeitet seit 14 Jahren als Intensivpflegekraft auf der Kinder-ITS des Herzzentrums. 2003 gründet sie gemeinsam mit einigen Pflegekräften und engagierten Eltern den Verein Kinderherzkammer. Dieser hilft bei Stationsaufenthalten mit Kleinigkeiten für die Seele, vernetzt Eltern von herzkranken Kindern und initiiert jedes Jahr ein großes Sommerfest. Nadine Groß brennt für ihren Beruf – wie sie dabei gesund bleibt und was sie jeden Tag motiviert, erzählt sie hier.

„Ich habe im ersten Lehrjahr auf einer normalen Bettenstation hier im Herzzentrum angefangen. Ein Oberarzt nahm mich mit zu einem Herzkatheter und das Kind musste dann auf ITS. Die Tür ging auf und diese ganzen Geräte überrollten mich erstmal. Man sieht viel Technik und wenig Kind. Aber es hat mich unglaublich beeindruckt, was alles möglich ist. Die Schwestern reagierten so schnell und pfiffig, um das Kind zu versorgen und anzuschließen. Und so wie ich die Intensivstation betreten hatte, wusste ich, wo ich hingehöre.“

Stärke beweisen

Wer Nadine Groß über ihren Beruf als Intensivpflegekraft sprechen hört, spürt ihre unbändige Überzeugung für ihr tägliches Schaffen. Lange wollte sie Hebamme werden, fast wäre sie nach der Schule zur Polizei gegangen – am Ende entschied sie sich für die Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Heute betreut sie Kinder, die mit angeborenen Herzfehlern auf die Welt kommen. „Und ganz nebenbei betreuen wir zusätzlich dann noch Eltern. Wir sind nicht nur die Pflegenden am Bett“, erklärt Nadine Groß. Die intensivmedizinische Betreuung unserer Kleinsten und ihrer besorgten Angehörigen ist physisch und psychisch eine große Herausforderung. „Man muss sich sicher sein, dass man diesen Beruf wirklich will. Man muss ganz viel Stärke und Selbstbewusstsein beweisen, um bei uns Fuß zu fassen“, versucht Nadine Groß diese Herausforderung in Worte zu fassen. „Du hast einen Haufen Verantwortung und dessen musst du dir einfach bewusst sein. Keine Ahnung, wie viele Dienste ich verbracht habe, ohne auf Toilette oder etwas essen zu gehen. Also attraktiv im herkömmlichen Sinne ist es nicht wirklich.“

Man muss sich sicher sein, dass man diesen Beruf wirklich will. Man muss ganz viel Stärke und Selbstbewusstsein beweisen, um bei uns Fuß zu fassen.

Nadine Groß, Intensivpflegekraft auf der Kinder-ITS

Kraftschöpfen lernen

Die ersten Jahre der Begeisterung hinterlassen ihre Spuren: „Nach vier Jahren war ich fast kaputt. Man nimmt ja doch vieles mit nach Hause. Dafür sind wir einfach Menschen“, erinnert sich Nadine Groß nachdenklich, „dann bekam ich mein Kind und die Gewichtung verschob sich etwas. Ich konnte sehen, wie viel Glück es ist, ein gesundes Kind zu haben und umso mehr möchte ich dafür kämpfen, die Kinder wieder mit nach Hause zu geben.“ Heute kann die Intensivpflegerin die Arbeit besser loslassen und ihre Freizeit unbeschwert verbringen. Dabei hilft ihr vor allem das wertschätzende Kollegium auf ihrer Station. „Ich liebe unser Team. Es gibt Höhen und Tiefen und gerade zu Corona-Zeiten sind wir alle angespannt. Aber ich glaube, es gibt fast nirgendwo anders so einen Zusammenhalt“, schwärmt Nadine Groß über ihre Kolleginnen und Kollegen. „Wenn es bei uns brennt – und bei uns brennt‘s öfter – müssen wir uns aufeinander verlassen können. Hier ist mein zweites Zuhause.“

Das Herzensprojekt

Klinikgesicht: Nadine Groß

2003 initiiert die Intensivpflegekraft gemeinsam mit einigen Kolleginnen und einem Elternpaar, das sein Kind verloren hatte, den Verein Kinderherzkammer. Dieser zählt mittlerweile fast 500 Mitglieder und finanziert sich zum Großteil durch Spenden. „Die Eltern und Kinder sind mit ihrem Herzen allein unter sich. Jedes hundertste Kind kommt mit einem Herzfehler auf die Welt. Wir müssen für sie laut werden und uns stark machen“, sagt sie überzeugt. „Wir kümmern uns um alles, was auf Station fehlt. Ob ein kleines Mobile, ein Wärmekissen oder der Erste-Hilfe-Kurs. Der Spielplatz draußen war auch unsere Initiative“, beschreibt Nadine Groß das Schaffen des Herzensprojekts. Im Rahmen der Kinderherzkammer wird jedes Jahr ein Kindersommerfest organisiert. „Die Kinder kommen um die Ecke und wissen alle, wer du bist. Aber du weißt nicht wer die sind, weil sie gewachsen sind und so groß geworden – sie sehen so anders aus als im Bett“, erzählt die Vereinsinitiatorin gerührt. „Und die Eltern erkennt man dann. Das tut so gut im Herzen. Der Moment, indem man sich erinnert, was da alles gelaufen ist und wie kritisch manche Dienste waren. Und dann siehst du sie auf der Hüpfburg toben und Eis essen. Und daneben einfach nur glücklich dankbare Eltern. Das macht mich einfach so glücklich und gibt mir so viel Kraft!“

Die Eltern und Kinder sind mit ihrem Herzen allein unter sich. Jedes hundertste Kind kommt mit einem Herzfehler auf die Welt. Wir müssen für sie laut werden und uns stark machen.

Nadine Groß, Intensivpflegekraft auf der Kinder-ITS

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