„Erfahrung macht schlau“ – Vom Arbeiten im Reich der Anderen

„Erfahrung macht schlau“ – Vom Arbeiten im Reich der Anderen

Janine Hoyas ist Sozialarbeiterin im Helios Park-Klinikum Leipzig. Als das stationsäquivalente Behandlungskonzept STäB vor zweieinhalb Jahren am Leipziger Standort aufgenommen wird, ist sie von Beginn an dabei. Anfänglich zehn Stunden, inzwischen Vollzeit fährt sie als Teil des multiprofessionellen Teams zu psychiatrisch erkrankten Patient:innen nach Hause. Die Sozialarbeiterin betont stolz: „STäB ist wirklich mein Traumjob!“ Wer Janine Hoyas über ihren Beruf reden hört, glaubt das nur allzu gern.

„Ich habe erst Erziehungswissenschaften studiert, aber wollte nicht in den pädagogisch-kindlichen Bereich, sondern mit Erwachsenen und Jugendlichen arbeiten“, erinnert sich Janine Hoyas an die Wurzeln ihrer Berufswahl, „darum habe ich im Anschluss Soziale Arbeit studiert.“ Den gewissen Anspruch, den sie sich von ihrer zukünftigen Tätigkeit damals wünscht, findet sie als Sozialarbeiterin im Park-Klinikum. Heute arbeitet sie im Rahmen der stationsäquivalenten Behandlung STäB mit psychiatrisch erkrankten Erwachsenen.

 

STäB – Ein Konzept genau zur richtigen Zeit

„Das Behandlungskonzept besteht aus einem multiprofessionellen Team. Ärzt:innen, Pflegekräfte, eine Ergotherapeutin und ich als Sozialarbeiterin fahren zu den Patient:innen nach Hause. Täglich. Auch am Wochenende“, erklärt Janine Hoyas STäB, „es richtet sich an Patient:innen, die sonst eine stationäre Einweisung bräuchten.“ Dass die Menschen zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können, sei für ihre Genesung oftmals zuträglich. „Gerade in einer Zeit, in der es für viele Patient:innen sehr herausfordernd ist. Viele haben unter der Isolation gelitten – da können wir eine Brücke bauen.“ Das Konzept schließt alle Altersklassen vom adoleszenten bis zum gerontopsychiatrischen Bereich ein. Voraussetzungen, um in die STäB zu gelangen, sind eine akute Indikation – wie Schizophrenie oder Depressionen –; die Bereitschaft, im betreffenden Zeitraum auf weitere ambulante Behandlungen – also andere Arztbesuche oder Physiotherapie, zu verzichten; sowie das Einverständnis der anderen im Haushalt lebenden Menschen. Besonders der letzte Punkt gehört zu den großen Vorteilen in der STäB: Eltern und Kinder müssen während der Behandlung nicht getrennt werden und der Kontakt zu den Angehörigen kann unmittelbarer, organischer stattfinden. „Das große Ganze ist ja immer im System zu betrachten.“

 

 

Einzeln unterwegs, gemeinsam stark

Klinikgesicht Janine Hoyas

Für Janine Hoyas geht das Konzept in vielerlei Hinsicht über das übliche Tätigkeitsspektrum der Sozialen Arbeit hinaus: „Der wohl größte Unterschied zur stationären sozial-dienstlichen Arbeit ist, dass wir viel mehr therapeutisch arbeiten, weil wir mit den Patient:innen auch über die Beziehungsebene agieren“, erklärt sie. Dazu gehören zum Beispiel Skillstrainings und Stabilisierungsmethoden, aber auch Expositions- und Konfrontationstrainings. Damit alle beteiligten Professionen einheitlich an den Zielen der Patient:innen arbeiten können, finden zweimal pro Woche Fallbesprechungen im Team statt. Diese Teamarbeit liegt Janine Hoyas besonders am Herzen: „Wir sind ein unheimlich tolles Team. Ich finde das ist ganz, ganz wichtig“, schwärmt sie über das Kollegium, „wir sind ein Team auf Augenhöhe. Jede:r hat das Recht, Sachen anzusprechen und niemand scheut sich. Es ist ein Miteinander und kein Gegeneinander – einfach etwas Besonderes.“

Wir sind ein Team auf Augenhöhe. Jede:r hat das Recht, Sachen anzusprechen und niemand scheut sich. Es ist ein Miteinander und kein Gegeneinander – einfach etwas Besonderes.

Janine Hoyas, Sozialarbeiterin am Helios Park-Klinikum und Teammitglied des stationsäquivalentem Behandlungskonzepts STäB

Gefestigten Schrittes in die Zukunft

Klinikgesicht Janine Hoyas

Das Interesse für das menschliche Leben und Erleben begleitet Janine Hoyas schon lang. Ihre Begeisterung für die Psychiatrie glüht auf, als sie im Alter von 16 Jahren ein psychiatrisches Praktikum absolviert. Nach ihren Studienabschlüssen folgt die Weiterbildung zur Traumapädagogin. Sie spricht vom nötigen Fingerspitzengefühl im Umgang mit traumatisierten Menschen, vom ungebrochenen Interesse an menschlichen Mechanismen und von den Erfolgsmomenten, wenn es einem Menschen merklich besser geht – und man möchte Janine Hoyas glauben: „STäB ist wirklich mein Traumjob.“ Aus der Sozialarbeiterin sprechen eine innere Motivation und ehrliches Bewusstsein für die Möglichkeiten ihrer Stelle: „Das Zuhause ist der sichere Ort für die meisten Patient:innen. Wir betreten das Allerheiligste. Wir sind wirklich dankbar, dass sie uns in ihr Reich lassen.“ Janine Hoyas sieht sich noch lange in der STäB arbeiten. Ein Traum für die Zukunft ist die Weiterbildung zur Kunsttherapeutin: „Viele Menschen haben Schwierigkeiten, Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. Kunst ist ein guter Weg.“