„Hier geht’s um was Außergewöhnliches“

„Hier geht’s um was Außergewöhnliches“

Glenn Hanspach ist Intensivpflegekraft im Helios Park-Klinikum Leipzig. Während der Pandemie arbeitet er auf der Covid-Intensivstation und bringt mit seinem Leitsatz „Mitfühlen: ja. Mitleiden: nein.“ ein großes Maß an Resilienz mit ins Team.

Glenn Hanspach ist seit neun Jahren am Helios Standort Leipzig tätig. Als er gebeten wird, ab Dezember 2020 auf der Covid-Station mitzuarbeiten, zögert er nicht: „Auf Basis der Freiwilligkeit habe ich zugesagt. Da ging es auch um den sozialen Hintergrund, weil viele eine Familie zu Hause haben. Das ist bei mir nicht der Fall“, erzählt der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger. Bedenken hat er damals nicht – im Gegenteil:

Es war etwas Neues, etwas Beginnendes – hier geht‘s um was. Diese Außergewöhnlichkeit hat man schon bemerkt.

Glenn Hanspach, Intensivpflegekraft im Helios Park-Klinikum Leipzig

An der Aufgabe (zusammen-)wachsen

Die Stationsleitungen und Teams werden aus Mitarbeitenden des Herzzentrums und Park-Klinikums besetzt. Die gemeinsame Arbeit gestaltet sich darum von Grund auf neu. „Wir haben immer geprüft: Was muss getan werden? Was muss besser gemacht werden? Wie sind überhaupt Stimmung und Lage?“ Glenn Hanspach erinnert sich, dass er zu Beginn Vorbehalte untereinander wahrgenommen hat, „aber es ist ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden und dieses Denken wurde abgebaut.“ Denn vielmehr geht es darum, voneinander zu lernen und die bestmögliche Praxis zu entwickeln. „Aus den verschiedenen Arbeitsweisen und Perspektiven habe ich eine größere Bandbreite kennengelernt, wie man an gewisse Dinge herantreten und sie lösen kann.“

Ohne verwurzelte Routinen fällt auch die Reflexion der bestehenden Standards leichter, findet der Pfleger: „Es gibt einen Standard wie auf jeder Station. Das ist auch gut – Routine bringt Sicherheit. Trotzdem sollte man immer nochmal schauen, ‚Ist das sinnvoll? Könnte man da nochmal drüber nachdenken?‘“ So hätten sich die täglichen Abläufe auf den Stationen stetig weiterentwickelt. „Wie kommuniziere ich aus dem Patientenzimmer heraus? Tür aufmachen und erzählen geht nicht. Da haben wir Folien an die Scheiben geklebt, was wir brauchen. Wenn man zu zweit im Zimmer ist, spricht man sich ab. Da müssen nicht immer beide zugleich rein.“

Mitfühlen anstatt mitleiden

Besonders in der intensivmedizinischen Behandlung von Covid-Erkrankten müssen die Pflegekräfte zeitweise hohe Verluste verkraften. „Die Zeit zwischen Aufnahme und Tod war teilweise sehr kurz und dann kam schon der nächste Patient. Da bekommt man einen großen Respekt vor dieser Krankheit“, erzählt Glenn Hanspach nachdenklich. Seine Resilienz trägt ihn durch die Zeit:

In der Schule hieß es immer: Mitfühlen ja, mitleiden nein. Man muss sich da abkoppeln können, sonst kann man den Job nicht machen. Das ist auch besser für die Patient:innen, weil ich frisch wiederkomme und nicht geplagt.

Glenn Hanspach

Diese Grundeinstellung hat er auch ins Team mit eingebracht.

Doch neben den vielen schweren Verläufen erleben die Mitarbeitenden der Covid-Station auch positive Geschichten – auf diese fokussiert sich Hanspach. „Es gab zum Glück auch genug Fälle, in denen wir sagen konnten: ‚Dem geht‘s besser, man hat geholfen und jetzt kann er wieder gehen‘. Und das ist ja eigentlich Krankenpflege.“ Diese Abwechslung von Hoch und Tief, verschiedenen Krankheitsbildern und Menschen ist für Glenn Hanspach der ursprüngliche Gedanke seines Berufs: „Es ist eine vielfältige Arbeit. Die grundsätzlichen Dinge sind geklärt. Aber im Endeffekt ist jeder Tag anders.“