Einblicke auf die Covid-ITS: „Wo kann man sich so offen für die Gesellschaft engagieren wie hier?“

Einblicke auf die Covid-ITS: „Wo kann man sich so offen für die Gesellschaft engagieren wie hier?“

Florian Stadler ist seit 2003 am Helios Standort Leipzig als Gesundheits- und Krankenpfleger tätig. Seine fachliche Erfahrung von zwölf Jahren Notaufnahme im Helios Park-Klinikum und vier Jahren auf der chirurgischen Intensivstation des Herzzentrums bringt er nun in die intensivmedizinische Behandlung von Covid-Erkrankten ein. Ein kritischer Blick auf das, was ist und das, was noch kommt.

Als Florian Stadler im Frühjahr 2020 seinen Dienst auf einer Covid-Station antritt, tut er es aus Überzeugung: „Für mich ist es einfach wichtig, etwas für die Gesellschaft zu tun – und wo, wenn nicht in einer Pandemie, kann man sich so offen für die Gesellschaft engagieren?“ Die Arbeit in herausfordernden Umständen ist er gewohnt. Sowohl seine jahrelange Berufserfahrung der Notaufnahme als auch der chirurgischen Intensivstation haben Florian Stadler vorbereitet.

„Mich hat die Pflege in Extremsituationen schon immer fasziniert. Ich bin es gewöhnt, schwierige Situationen in Teamarbeit zu lösen.“

Florian Stadler, Gesundheits- und Krankenpfleger Herzzentrum Leipzig

Teamarbeit – ein Wort, dessen Bedeutung in der Krise zum Anker vieler Mitarbeitenden wird. „Dadurch, dass wir uns gegenseitig hochhelfen, aufbauen und eine gemeinsame Wellenlänge haben, erleben wir viele schöne Momente miteinander“, beschreibt der Gesundheits- und Krankenpfleger die Zusammengehörigkeit im Kollegium. Die meisten haben sich freiwillig für die Tätigkeit auf den Covid-Stationen bereit erklärt. Florian Stadler vermutet, dass diese Tatsache einen Großteil der Verbundenheit untereinander ausmacht: „Wir fangen uns gegenseitig auf.“

Jeder Schritt muss vorausgedacht sein

Die Umstände der derzeitigen Arbeit machen ein funktionierendes Miteinander unabwägbar. Florian Stadler findet, der Stressfaktor sei vergleichbar zu normalen Stationen, doch die physische Komponente rage enorm heraus: „Die körperliche Belastung ist um einiges höher – die Schutzausrüstung, das Tragen der Masken, teilweise ist es durch die vielen Geräte extrem warm in den Zimmern. Man ist ziemlich platt, wenn man aus dem Dienst kommt.“ Außerdem ist die Arbeit für den Kopf sehr herausfordernd, jeder Schritt muss vorausgedacht werden. „Wenn ich irgendeine Kleinigkeit vergesse, kann ich nicht einfach schnell aus dem Zimmer gehen und sie holen.“

Das Schwierigste ist für viele Mitarbeitende auf den Covid-Stationen jedoch die Hilflosigkeit. „Standardtherapien, die wir sonst problemlos anwenden können, wirken anders, teilweise gar nicht“, erzählt Florian Stadler betrübt. Oft könne man die Erkrankten auf der Covid-Intensivstation nur noch aus dem Leben begleiten: „Der Tod gehört in unserem Beruf dazu. Aber in dieser Masse, wie es momentan leider ist, belastet es sehr.“ Zur psychischen Verarbeitung des Erlebten steht den Teams professionelle Unterstützung bei. Wer diese wahrnehmen möchte, kann Supervisionen und Einzelgespräche mit Kolleginnen und Kollegen des Zentrums für Seelische Gesundheit am Helios Park-Klinikum Leipzig führen. Im beruflichen Alltag hilft der Austausch mit den anderen Pflegekräften.

Impfung gibt Sicherheit

Klinikalltag

Während das medizinische Personal jede mögliche Energie mobilisiert, werden Stimmen der Kritik immer lauter. Obwohl der Intensivpfleger Verständnis für die Menschen hat, die gerade um ihre Existenz bangen, trifft ihn die gesellschaftliche Situation sehr. „Ich finde es schlimm, dass es so viele Menschen gibt, die die Situation leugnen oder einfach runterreden. Leute, die sich hinstellen und behaupten, das wäre ja alles gar nicht so und die Zahlen würden nicht stimmen“, sagt Florian Stadler ärgerlich, „ich muss das lesen, gehe danach auf Station und sehe, wie die Menschen wirklich kämpfen und wie wir kämpfen. Das tut einfach weh.“ Seelisch fange seine Familie viel ab, erzählt er. Und durch die Impfungen haben die Mitarbeitenden einen wichtigen Schutz bekommen – die Maßnahmen werden auf den Stationen jedoch uneingeschränkt

Akzeptanz des Pflegeberufes soll steigen

Klinikalltag Klinikgesicht Florian Stadler

Für die Zukunft freut sich Florian Stadler auf die kleinen Dinge – wenn seine Tochter wieder täglich in die Schule gehen darf oder man sich auf ein Bierchen am Abend treffen kann. „Eigentlich Dinge, die uns ziemlich banal erscheinen, die man aber trotzdem braucht. Ich freue mich darauf, wenn diese Momente wieder mehr werden.“ Außerdem hofft er, dass die Akzeptanz seines Berufes in der gesellschaftlichen und politischen Wahrnehmung an Priorität gewinnt. „Diese Arbeit ist hochprofessionell und wichtig. Wir mussten alle viel leisten, um dahin zu kommen, wo wir sind.“