„Wir alle haben unglaubliche Arbeit geleistet“

„Wir alle haben unglaubliche Arbeit geleistet“

Christian Wersich ist seit 2005 im Herzzentrum als Pflegekraft tätig. Nach fünf Jahren auf der chirurgischen Intensivstation wechselte er 2010 ins EPU-Labor der Rhythmologie. Als Praxisanleiter engagiert er sich außerdem für die hochwertige Ausbildung des Nachwuchses.

Von November 2020 bis März 2021 war Christian Wersich durchgehend Teil der Covid-ITS: Eine „harte Nuss“ und „bereichernde Erfahrung“, findet er.

Es gibt immer wieder mal Tage, an denen man denkt: Oh Gott, warum machst du das eigentlich? Aber ich muss sagen, ich mache meinen Beruf einfach gern.

Christian Wersig, Pflegefachkraft im EPU-Labor der Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig

„Wir entwickeln uns ja auch ständig weiter. Wir haben unsere Fortbildungen und inzwischen die Möglichkeit, noch zu studieren – nicht nur Fachweiterbildung und dann ist Feierabend!“ Der Intensivpfleger erzählt außerdem, dass er die Abwechslung genießt. Zwischen den einzelnen Stationen und Fachrichtungen wechseln zu können, eröffnet eine große Freiheit. Nachdem ihm fünf Jahre auf der chirurgischen ITS in den Knochen stecken, wechselt er 2010 in die Rhythmologie: „Ich fand die EPU interessant. Auch wegen der Arbeitszeiten, wir arbeiten hier nicht im Drei-Schicht-System. Ich war früher schon oft ganz schön kaputt von der Arbeit“, erklärt Christian Wersich. „Hier sind wir im Zwei-Schicht-System: Montag bis Freitag ganz normaler Dienst und an den Wochenenden Rufbereitschaft. Denn mal ganz ehrlich – man wird nicht jünger.“

Das EPU-Labor

Mit Hilfe der elektrophysiologischen Untersuchung, kurz EPU, werden Herzrhythmusstörungen behandelt. „Mittels Katheterablation gehen wir in das Herz und suchen die Rhythmusstörung. Die EPU ist ein neues, junges Fachgebiet: sehr innovativ, viel Forschung, mega interessant“, schwärmt der Pfleger.

Die Menschen, die hierherkommen haben einen enormen Leidensdruck und teilweise panische Angst. Wenn wir unsere Patientinnen und Patienten entlassen, haben wir ihnen wirklich geholfen. Das ist gut für den Kopf,

fügt Pflegekraft Christian Wersich hinzu.

Wiedersehen auf der Covid-ITS

Bevor im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie in Deutschland ankommt, laufen die Planungen im Herzzentrum und Helios Park-Klinikum Leipzig auf Hochtouren. In der ersten Zeit sind viele Kolleginnen und Kollegen zurückhaltend in ihrer Bereitschaft, auf einer Covid-Station zu arbeiten. „Wir sind gefragt worden, ob wir das möchten. Niemand war geimpft, niemand wusste, wie aggressiv es ist. Ich bin ganz ehrlich, wirklich gewollt habe ich es nicht, habe mich dann aber trotzdem dafür entschieden. So ging es vielen, weil einfach die Angst mittickerte“, gibt der erfahrende Gesundheits- und Krankenpfleger zu. Während der ersten Welle durchläuft Christian Wersich ein Vorbereitungsprozedere. Gemeinsam mit der Hygieneabteilung leitet er Kurse zum richtigen Anziehen vor dem Einschleusen. Außerdem hat er einen Monat Einarbeitung auf seiner ehemaligen Station, der chirurgischen ITS. „Ich war erstaunt, dass vieles noch flott von der Hand ging. Nur die Technik war neu. Da mussten wir erstmal fit gemacht werden.“   

Als die Bundesregierung elektive, also planbare, Eingriffe einschränkt, steht in Bereichen wie dem EPU-Labor viel Personal zur Verfügung. Christian Wersich arbeitet von November 2020 bis März 2021 durchgehend auf einer Covid-ITS. Aus der anfänglichen Scheu wächst schnell Sicherheit, Routine und vor allem ein starkes Miteinander: „Wir waren schlussendlich ein sehr gut eingespieltes Team. Teilweise waren 50 Leute im Dienst. Das war ein Gewusel!“, beschreibt der Covid-Pfleger den Alltag. „Ich habe mich sehr gefreut, ehemalige Kolleginnen und Kollegen wiederzutreffen. Und ich habe unwahrscheinlich viele Leute kennengelernt. Das hat super funktioniert und auch Spaß gemacht.“ Neben der gut strukturierten Organisation schätzt er auch die Entscheidungsfreiheiten: „Dort dürfen wir vieles selbst entscheiden und wurden auch mal nach unserer Meinung gefragt. Das fand ich ganz toll.“

Worte des Appells und des Dankes

Doch die Zeit hinterlässt Spuren. „Drei Monate am Stück: Das ist wirklich eine harte Nuss. Man nimmt schon viel mit nach Hause – das ist nicht ganz so leicht“, sagt Christian Wersich nachdenklich. Um die Mitarbeitenden auf den Covid-Stationen zu entlasten, wird mit den fallenden Zahlen im Sommer 2021 im Wechselbetrieb gearbeitet. „Wir switchen jetzt ein bisschen hin und her. Dass man halt nicht so lange am Stück auf dieser Station ist.“ Die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitssektors zeigen in den vergangenen Monaten bedingungsloses Engagement, während große Teile der Bevölkerung Unverständnis zeigen. „Ich würde mir wünschen, dass es die Leute ernster nehmen würden. Man sieht in den sozialen Medien, was teilweise für Sachen geschrieben werden – an den Haaren herbeigezogen“, ärgert sich Christian Wersich, „wir leben in Deutschland und haben trotz der ganzen Covid-Geschichte ein ordentliches Gesundheitssystem. Mundschutz und ein bisschen Abstand und wir hätten das Ganze vielleicht schon lange hinter uns gebracht.“ Für das Kollegium, das im letzten Jahr so nah zusammengewachsen ist, findet er dankende Wort: „Von den Pflegekräften über die Kolleginnen und Kollegen aus dem OP bis zur Anästhesie, die medizinischen Fachangestellten, auch die Ärtz:innen, Schicht- und Stationsleitungen, die das alles koordiniert haben – alle haben eine unglaubliche Arbeit geleistet! Das möchte ich unbedingt loswerden.“