„Das Thema hat mehr Raum bekommen und ist sichtbar geworden.“

„Das Thema hat mehr Raum bekommen und ist sichtbar geworden.“

Andrea Rösler ist seit März 2020 am Helios Standort Leipzig tätig. Als Integrationsmanagerin unterstützt sie die ausländischen Pflegekräfte – die Internationals – auf dem Weg in ein neues Leben. Fachlich geht es dabei um die Anerkennung der Berufsausbildung. Emotional und zwischenmenschlich jedoch geht es um viel mehr – das Zurechtfinden in einem Land, das bald die neue Heimat werden soll.

Etwa ein Jahr dauert der Integrationsprozess. Ein Auf und Ab der Stimmungen, für das Andrea Rösler mit ihren Kolleg:innen und den Internationals Ressourcen, Raum und Aufmerksamkeit erlangt hat.

Andrea Rösler ist Integrationsmanagerin am Helios Stabndort Leipzig
Foto: Christian Hüller

Wie kann Integration im Stationsalltag, besonders jedoch in den Köpfen, etabliert werden? „Ich finde es unwahrscheinlich ungerecht, die Leute damit allein zu lassen“, sagt sie. Und obwohl auch vor einem Jahr schon Integrationsmaßnahmen und Hilfestellungen existierten, blickt Helios heute stolz auf gewachsene Strukturen. „Das Thema hat mehr Raum bekommen und ist sichtbar geworden. Es hat jetzt eine Daseinsberechtigung“, reflektiert die Integrationsmanagerin zufrieden. „Ich spüre dabei wirklich die Rückendeckung der beiden Häuser. Ich habe einen weiten Spielraum, kann viel anbieten, darf zu Weiterbildungen gehen und kann die Leute abholen und Gespräche führen. Mir werden Möglichkeiten und viel Zeit eingeräumt.“ Und diese Ressourcen braucht es auch. Integration ist komplex. Und sie muss von beiden Seiten vorangetrieben werden. Am Ende wollen sich schließlich alle irgendwie abgeholt fühlen: „Hol mal 2000 Leute ab!“, lacht Andrea Rösler. Doch es ist gelungen – oder zumindest auf dem allerbesten Weg. „Integration heißt Veränderung – für alle. Und das ist erstmal unbequem. Manchmal sogar nervig und doof. Das haben sehr, sehr viele hier am Standort verstanden, sind über dieses Unbequeme hinausgewachsen und jetzt haben sie richtig Lust darauf.“

Integration – Wie geht das eigentlich?

Als Integrationsmanagerin begleitet Andrea Rösler die Internationals von Tag 1 an. Vom Recruiting und dem ersten Bewerbungsgespräch über die Einreise, das Onboarding und die Einarbeitung bis hin zum Gefühl des Angekommen- und Angenommenseins. „So nach einem guten Jahr trudeln die meisten bei mir raus und dann tauchen sie auf meinem Schirm nicht mehr auf. Aber ich bleibe immer für alle ansprechbar“, ergänzt sie. Integration – wie wird dieses abstrakte Wort zur gelebten Praxis? Die Antwort findet sich vor allem in Gesprächen: „Sobald unsere neuen Kolleg:innen hier einreisen, bekommen sie schon einen Termin zum Integrationsgespräch von mir. Der ist meistens nach etwa acht Wochen auf Station“, erzählt die ehemalige Deutschlehrerin. „Und das führe ich möglichst mit der Person allein. Wie läuft es auf Station? Wie kommst du mit deinen Kolleg:innen zurecht? Was brauchst du noch in Leipzig? Fast alle haben mal etwas, das bearbeitet werden soll oder das sie einfach nur mal erzählen wollen. Das ist super.“ Nach der anfänglichen Sorge, sie könnte sich übernommen haben, sind diese Gespräche inzwischen fester Bestandteil des Erfolgsrezepts. Nach dem ersten Integrationsgespräch folgen regelmäßig weitere, so zum Beispiel Feedbackrunden mit den Stationsleitungen oder Mentor:innen. Es soll sichergestellt werden, dass Bedürfnisse oder Irritationen beider Seiten engmaschig erkannt und bearbeitet werden können. „Ich habe die Internationals gefragt, was ihnen am Anfang geholfen hat und was sie sich wünschen. Ganz viele sagen: Ich brauche eine:n Ansprechpartner:in vor Ort. Eine Person, die auf meiner Seite ist und nicht urteilt – losgelöst vom Stationsalltag“, beschreibt Andrea Rösler ihre Rolle.

Integration heißt Veränderung – für alle. Und das ist erstmal unbequem.

Andrea Rösler, Integrationsmanagerin

Frischer Input und erfreulicher Austausch

Zur Erweiterung dieser Rolle hat die Integrationsmanagerin vor Kurzem die Qualifizierung zur Kulturbotschafterin abgeschlossen. „Ich habe nach etwa einem Jahr gemerkt, dass ich mehr Handwerkszeug brauche. Theorie zum Thema Integration, neuen Input für Vielfalt und Gesprächsführung und Austausch mit Gleichgesinnten“, beschreibt sie ihr Bedürfnis nach Weiterentwicklung. Neben fachlichem Wissen nimmt Andrea Rösler eine erfreuliche Erkenntnis aus dem Austausch mit: „Ich wurde darin bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dass die Hürden, die wir erleben, ganz normale Hürden sind. Es gibt Details, die wir ergänzen können, aber es gibt nichts Großes, was wir übersehen haben.“

Fortschritt im eigenen Tempo

Die nächste Stellschraube ihrer Mission soll der interkulturelle Führerschein werden. Für die Mentoren und Mentorinnen der Internationals, die das Wissen dann wiederum auf die Stationen und einzelnen Abteilungen bringen können. „Mir hat es geholfen, einen Überblick zu bekommen, was genau denn die Unterschiede zwischen den verschiedenen Herkünften sind und wie wir damit umgehen können“, beschreibt Andrea Rösler. „Unser Low-context-Kulturkreis ist eben ein sachorientierter, direkter Kommunikationstyp und die Leute, die herkommen, sind oft in einem beziehungsorientierten, High-context-Kulturkreis sozialisiert. So – und was heißt das nun?“ Diese und andere Fragen möchte Andrea Rösler nach und nach für alle ihre Kolleg:innen klären. Sie spricht stolz über den Weg, den die Mitarbeitenden am Standort bereits gemeinsam gegangen sind – und plant gleichzeitig die nächsten Schritte. „Ich muss nicht die ganze Welt verbessern, aber ich freue mich über jeden einzelnen, der eine kleine Stellschraube ändert.“

Zeit gemeinsam verbringen, miteinander ins Gespräch kommen – den anderen kennenlernen. Dann bauen sich ganz viele Dinge von ganz alleine ab.

Andrea Rösler über die Bedeutung von Integration

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Melden Sie sich gern bei Andrea Rösler, wenn Sie ausländischen Kolleginnen und Kollegen die Integration in Leipzig erleichtern möchten.