Wie gesund ist Milch?

Wie gesund ist Milch?

Leipzig

Glückliche Kühe auf saftigen Weiden in alpiner Landschaft. Ihre Milch kann nur gesund sein, oder? Wenn’s immer diese glücklichen Kühe wären und wenn’s beim Milchverzehr nicht auch einiges zu bedenken gäbe. Ja, Milch hat viele Nährstoffe, die wir gebrauchen können. Aber so einfach ist es nicht. Welche Pros und Kontras gibt’s also im Hinblick auf Milch? Und was sind mögliche Alternativen?

Milch ist aus der Ernährung kaum wegzudenken. Entweder als pure Milch im Glas oder verarbeitet als Joghurt, Sahne, Butter, Käse, Schmand, Crème fraîche, Kefir etc. Die Liste der Milchprodukte ist lang. Und ebenso die Liste der gesunden Inhaltsstoffe.

Milch ist schon ein reicher Nährstoffcocktail. So enthält sie unter anderem Stoffe wie Jod, Vitamin B2 oder Kalzium, die wir oft nicht in ausreichender Menge zu uns nehmen. Übermäßiger Milchverzehr birgt allerdings Risiken. Das zeigen neuere Studien.

Franziska Meyer, Ernährungswissenschaftlerin am Helios Park-Klinikum Leipzig

Woraus besteht Milch, welche Nährstoffe sind drin und was können sie?

Zu etwa 87 % besteht Kuhmilch aus Wasser. Hinzu kommen Eiweiße, Laktose (Milchzucker), etwa 400 verschiedene Fettsäuren sowie Vitamine und Mineralstoffe.

Das Milcheiweiß beinhaltet alle essenziellen Aminosäuren, die wichtige Funktionen im Körper übernehmen. Sie dienen als Bausteine für Proteine und sind an diversen Stoffwechselprozessen beteiligt. Der Milchzucker mit seinen Bestandteilen Glukose und Galaktose ist ein Kohlenhydrat und sorgt für den leicht süßlichen Geschmack. Vollmilch hat einen Brennwert von rund 65 kcal pro 100 ml.

Milch bringt viele essenzielle Mineralstoffe mit – etwa Kalzium, Chlorid, Kalium und Phosphor. Kalzium und Phosphor unterstützen beispielsweise den Erhalt von Knochen und Zähnen. Kalzium benötigt aber Vitamin D, damit es seine Wirkung entfalten kann. Davon ist in der Milch allerdings nicht genug drin. Chlorid trägt zur Verdauung bei während Kalium das Nervensystem und einen gesunden Blutdruck unterstützen. Hinzu kommt das lebensnotwendige Spurenelement Jod, das Kühe über ihre Nahrung aufnehmen.

Vitamin B12 unterstützt das Nervensystem, den Stoffwechsel und die Bildung der roten Blutkörperchen, deren Erhalt das Vitamin B2 neben anderen Funktionen dient.

So weit, so gut. Da können wir ja literweise Milch am Tag trinken und sind rundum gesund. Kühe und Umwelt freuen sich ebenfalls. Leider ist es nicht ganz so.

Warum man nicht zu viel oder keine Milch trinken sollte?

Rund 75 % der Weltbevölkerung sind laktoseintolerant. Ihr Körper kann den Milchzucker nicht verarbeiten. In Europa leiden immerhin noch etwa 30 % der Menschen unter Laktoseintoleranz. Die kann sich in Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit und manchem mehr äußern.

Gesättigte Fettsäuren der Milch können Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen und möglicherweise das Schlaganfallrisiko erhöhen. Großer Milchkonsum kann ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko zur Folge haben aber auch ein gesenktes Dickdarmkrebsrisiko. Darum sollten eher Frauen mehr Milch trinken als Männer.

Übrigens sorgt fettarme Milch eher für eine Gewichtszunahme als Vollmilch. Denn sie sättigt weniger und man isst mehr.

Aufgrund der vielen enthaltenen Nährstoffe ist Milch nicht als Durstlöscher und damit als Getränk anzusehen. Es gilt als Lebensmittel mit hohem Nährstoffgehalt.

Wie geht’s der Umwelt und den Kühen?

Bei der Milchproduktion entstehen klimaschädliche Treibhausgase. Studien besagen, dass ein Liter Kuhmilch aus Massentierhaltung so klimaschädlich ist wie das Verbrennen eines Liters Benzin. Und Massentierhaltung gibt’s leider zu häufig. Für die Umwelt ist Weidehaltung besser und für die Kühe ebenfalls. Je artgerechter, desto besser. Für den Milchgenuss sollte man wenigstens Bio-Milch wählen. Dann haben die Kühe wenigstens Auslauf im Freien und einen schonenden Untergrund aus Stroh im Stall.

Welche Milchalternativen gibt’s und sind sie empfehlenswert?

Wem die Umwelt und die Tiere am Herzen liegen, der kann auf zahlreiche Alternativen zurückgreifen: Sojamilch, Reismilch, Hafermilch oder Mandelmilch. Wobei man strenggenommen nicht „Milch“ sagen darf, denn es ist ja keine drin. Und das genau macht den Unterschied, wenn’s um unsere Gesundheit geht. Kuhmilch hat in der Regel eine größere Zahl und größere Mengen an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Bei Pflanzendrinks werden sie mehr oder weniger zugesetzt. Außerdem enthält Milchersatz meist mehr Zucker. Hinzu kommen häufig Aromastoffe, Stabilisatoren und Emulgatoren. Vorher also genau hinschauen!

Ein Kompromiss könnte sein: Wir trinken Milch in Maßen von glücklichen Kühen, die auf saftigen Weiden stehen.

„Wenn man nicht laktoseintolerant ist, sind etwa ein Glas fettarme Milch sowie zwei Scheiben Käse pro Tag ein gutes Maß.

Franziska Meyer

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