Metall schafft neue Bewegungsräume
Gelenk aus dem 3D-Drucker

Metall schafft neue Bewegungsräume

Leipzig

Wenn das herkömmliche Implantat bei der Schulter-OP nicht ausreicht, wird jetzt am Helios Park-Klinikum auf ein neues Verfahren zurückgegriffen. Das Gelenk kommt direkt aus dem 3D-Drucker.

 

Es war noch dunkel, als Florian Sickinger an einem für ihn verhängnisvollen Wintertag das Haus verließ. Der Florist war auf dem Weg zur Arbeit. Wie immer durchquerte er hierfür einen Park in seiner Wahlheimat Wurzen. An diesem Morgen jedoch ist der Weg von Glatteis überzogen. Sickinger strauchelt, stürzt und landet unglücklich auf der linken Schulter.

Vier Jahre später hat Florian Sickinger einen Termin im Helios Park-Klinikum Leipzig. Ihm gegenüber sitzt Dr. Martin Petermann, Oberarzt im Orthopädisch-Traumatologischen Zentrum des Klinikums. Der Mediziner kennt Sickinger und dessen Patientengeschichte. Schließlich war er es, der die notwendige Operation an der lädierten Schulter vornahm und Sickinger so den Weg zurück in ein normales, beschwerdefreies Leben ebnete.

Kaum Knochen im Schultergelenk

Ein Schultergelenk aus dem 3D-Drucker.

Die Voraussetzungen hierfür waren keineswegs gut. Als der Arzt seinen Patienten das erste Mal untersuchte, konnte der seinen linken Arm kaum bewegen. Eine Tasse in den Schrank stellen? Die Hand oberhalb des Kopfes führen? Ausgeschlossen. „Das Schultergelenk wies nur noch wenig vorhandenes Knochenmaterial auf. Um ein künstliches Schultergelenk dauerhaft zu verankern, ist aber genau das erforderlich”, erläutert Dr. Petermann.

Doch Florian Sickinger hatte Glück. Glück, dem richtigen Mann gegenüberzusitzen und in der richtigen Klinik zu sein. Oberarzt Petermann zählt zu den Spezialisten bei der Behandlung lädierter Schulterknochen. Mehrere solcher schweren Schulteroperationen führt er nach eigener Aussage im Jahr durch. Die Ausgangslage ist bei allen nicht gut und erfordert besondere Maßnahmen, zu denen das Klinikum in Leipzig jedoch in der Lage ist.

Können und Technik gefragt

Dr. Martin Petermann zählt zu den Spezialisten bei der Behandlung lädierter Schulterknochen
Dr. Martin Petermann zählt zu den Spezialisten bei der Behandlung lädierter Schulterknochen.

Zum gewünschten Erfolg führt den Patienten eine Kooperation aus fachlichem Können, moderner Technik und Innovation. Bevor auch Florian Sickinger wieder auf ein beschwerdefreies Leben hoffen konnte, wurde seine Schulter einer Computertomografie unterzogen. Die Bilder, die dabei angefertigt wurden, übermittelte Dr. Petermann an die Lima Corporate in Italien. Das Unternehmen, mit dem das Klinikum seit längerem zusammenarbeitet, ist in der Lage, aus den zur Verfügung gestellten Daten mit Hilfe eines 3D-Druckers ein passgenaues Implantat herzustellen. Ingenieure fertigen im ersten Schritt dazu Modelle an und liefern dem Arzt eine detaillierte Beschreibung samt empfohlener Vorgehensweise beim Einbau mit. Sobald Dr. Petermann dieses Material vorliegt, bespricht er den Vorgang noch einmal mit den Ingenieuren. Dazu ist keine Reise an die Riviera nötig, die zweifelsfrei auch Martin Petermann gefallen würde. „Wir finden uns zu einer Videokonferenz zusammen und besprechen alle Fakten. Eine wirklich tolle Sache”, lobt der Arzt das Prozedere und die Zusammenarbeit. Erst wenn der Mediziner sein Okay gibt, beginnt der 3D-Laserdrucker mit der Produktion des Implantats.

Ich verspüre eine ganz andere Lebensqualität.

Florian Sickinger, Schulter-Patient

Neue Lebensqualität

Wenige Tage später schlägt für Patienten wie Florian Sickinger dann die große Stunde. Im Verlaufe einer etwa zweistündigen OP wird das angefertigte Titanstück an den verbliebenen Schulterknochen geschraubt. Daran wiederum wird ein Standardimplantat befestigt.

Heute, mehrere Monate nach seiner Operation, kann Florian Sickinger wieder lachen. „Ich verspüre eine ganz andere Lebensqualität”, sagt er und hebt wie zum Beweis seinen linken Arm. Höher und höher, so lange, bis die die Hand weit über dem Kopf ist. Vollständig am Ziel angekommen sei er aber noch nicht, betont er. Aufgrund der Dauer der Verletzung habe er viel Muskelmasse verloren, die es nun wieder aufzubauen gilt. Doch der Wurzener ist zuversichtlich, dass auch diese letzte Etappe schon bald ein Ende findet.

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