MDR-Reportage über Zwangseinweisungen in die Psychiatrie

MDR-Reportage über Zwangseinweisungen in die Psychiatrie

Leipzig

Das Zentrum für Seelische Gesundheit am Helios Park-Klinikum Leipzig wirkte maßgeblich bei der MDR-Reportage „Zwangseinweisungen in die Psychiatrie – Fürsorge oder Freiheitsberaubung?“ mit. Psychiatrie-Chefärztin Prof. Dr. Katarina Stengler erklärt, warum das Thema gesellschaftlich relevant ist und warum psychiatrische Einrichtungen den Dialog mit der Öffentlichkeit nicht scheuen dürfen.

Prof. Dr. Katarina Stengler ist Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Helios Park-Klinikum Leipzig
Prof. Dr. Katarina Stengler ist Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Helios Park-Klinikum Leipzig

Eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Einrichtung ist ein Schritt, der auf Seiten der Betroffenen mit viel Unsicherheit und Angst verbunden ist. Auf Seiten der Klinik ist sie das letzte Mittel der Wahl, um Patienten vor sich selbst und auch vor Mitmenschen zu schützen. „Die Entscheidung zur Zwangseinweisung wird nie willkürlich getroffen, sondern muss richterlich genehmigt und medizinisch begründet sein“, betont Prof. Dr. Katarina Stengler, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Helios Park-Klinikum Leipzig. Die Psychiaterin hat dem Dreh mit dem MDR zugestimmt, weil sie weiß, wie wichtig ein konstruktiver und offener Umgang mit diesem durchaus kontrovers diskutierten Thema ist. „Eine Einweisung gegen den Willen des Patienten ist nicht leicht zu verarbeiten – weder vom denjenigen selbst, noch vom Umfeld des Patienten. Oft wollen Betroffenen und Angehörige eine schwere psychische Erkrankung nicht wahrhaben“, so die Expertin.

Gerade deshalb sei es wichtig, frühzeitig auf Menschen mit psychischen Leiden einzuwirken und Ihnen Hilfe anzubieten, auch wenn Katarina Stengler weiß, dass es im Versorgungsnetz in Leipzig gerade für Krisensituationen und niedrigschwellige Bedarfe noch Lücken gibt. „Der ambulante und stationäre Bereich kann derzeit nicht überall und immer all diejenigen behandeln, die auf akute psychische Unterstützung angewiesen sind. Dafür reicht die Kapazität schlicht nicht aus. Wir arbeiten an übergreifenden Lösungen, um mehr Menschen erreichen zu können.“ Hierzu zählen viele gemeinsame Aktivitäten mit vielen Akteuren in der Stadt, aber auch z. B. das stationsäquivalente psychiatrische Angebot des Helios Park-Klinikums Leipzig, mit dem Patienten in ihren eigenen vier Wänden behandelt werden können.

Unser Ziel ist es nicht, den Patienten wegzusperren, sondern ihm die Behandlung zu geben, die er in dem Fall akut benötigt.

Prof. Dr. Katarina Stengler, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

„Im Falle einer Eigen- oder Fremdgefährdung kann eine Zwangsbehandlung eingeleitet werden – auch gegen den Willen des Patienten. „Hierbei wird immer und in jedem Fall individuell abgewogen, was wichtiger ist: das Recht auf Freiheit oder der Schutz des Patientenlebens“, so die Chefärztin. „Unser Ziel ist es nicht, den Patienten wegzusperren, sondern ihm die Behandlung zu geben, die er in dem Fall akut benötigt. Dabei sind wir immer im engen Austausch mit den Angehörigen.“

Sensibilität schaffen und offen miteinander reden: Das ist das Ziel, das auch das Zentrum für Seelische Gesundheit verfolgt. „Wir freuen uns über den regen Austausch zu diesem Thema, eben weil wir wissen, dass viele dem sehr skeptisch gegenüberstehen. Daher ist es umso mehr unsere Aufgabe als psychiatrische Einrichtung darüber aufzuklären und das Gespräch zu suchen“, steht für Prof. Katarina Stengler fest.

Über die MDR-Dokumentation

Das MDR-Format „Nah dran“ beleuchtet in der Dokumentation „Zwangseinweisung in die Psychiatrie ... Fürsorge oder Freiheitsberaubung?“ das Thema aus Sicht zweier Betroffener und aus Sicht der Klinik. Den kompletten Beitrag können Sie sich in der MDR Mediathek ansehen.

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Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)

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