Iss alles auf! Gute Idee?

Iss alles auf! Gute Idee?

Leipzig

Wir kennen den Spruch „Iss deinen Teller leer, dann wird das Wetter schön!“ Er soll Kinder zum reichlichen Essen animieren. Und hier gibt’s ein doppeltes Missverständnis. Zum einen wurde der Spruch falsch überliefert, zum anderen kann die frühe Aufforderung zum Aufessen negative Effekte haben. Wir machen reinen Tisch mit beidem.

Seit wann macht ein leer gegessener Teller das Wetter schön?

Selbstverständlich gibt’s keinen Zusammenhang zwischen artigem Aufessen und heiterem Himmel. Trotzdem hält sich der Spruch seit wenigstens anderthalb Jahrhunderten. Im Deutschen Sprichwörter-Lexikon (erster Band: 1870) ist die Redewendung „’S gibt gut Wetter, ’s ist alles aufgegessen.“ verzeichnet. Höchstwahrscheinlich geht der Spruch auf das niederdeutsche „Wenn du dien Teller leer ittst, dann gifft dat morgen goodes wedder“ zurück. Und hier meint „goodes wedder“ kein gutes Wetter, sondern „Gutes wieder“. Isst man heute alles auf, gibt’s morgen also etwas Frisches. Das macht schon mehr Sinn. Aber ist es gesund, immer alles aufzuessen oder Kinder dazu aufzufordern? Was passiert dann genau?

Unser Essverhalten wird in der Kindheit geprägt. Und manchmal ist die Prägung eine ungesunde. Je stärker sie ist, desto schwerer fällt es später, das Verhalten zu ändern.

Franziska Meyer, Ernährungswissenschaftlerin am Helios Park-Klinikum Leipzig

Was spricht gegen konsequentes Aufessen in jungen Jahren?

  1. Oft hört man von Abneigungen gegen gewisse Speisen, die in der Kindheit quasi aufgezwungen wurden. Schade, wenn man dann ein Leben lang z.B. kein Gemüse mag. Denn das wäre gesund.
     
  2. Es wird über das natürliche Sättigungsgefühl hinaus gegessen. Folgen können sein:
    - Völlegefühle
    - Kinder lernen, von Anfang an zu viel zu essen, was auf lange Sicht das Risiko für Übergewicht in sich birgt (in einer Studie der Universität Minnesota bestätigt).
    - Die Freude am Essen geht verloren.
    - Man verlernt, auf sein gesundes Körpergefühl zu achten.
     
  3. Wird man in der Kindheit ständig zum Aufessen gedrängt, kann sich eine negative Einstellung zum Essen allgemein entwickeln. Auf lange Sicht manifestiert sich so möglicherweise eine akute Essstörung wie die Magersucht.

Unterm Strich kann sich also ein gestörtes Verhältnis zum Essen entwickeln – in alle Richtungen.

Was tun, wenn’s reicht?

Nicht selten landen Nahrungsreste im Müll – gerade in Zeiten unserer Wegwerfgesellschaft. Und das ist keine gute Idee. Als gäbe es alles im Überfluss und Nahrung hätte keinen besonders hohen Wert. Was wir also nicht aufessen, landet bitte besser im Kühlschrank als in der Tonne.

Tipp:

Bis auf Pilze, Spinat, Sellerie und Rote Beete, in denen beim erneuten Aufwärmen gesundheitsschädliche Stoffe gebildet werden, kann jedes Lebensmittel (im Kühlschrank gelagert und ggf. gut durcherhitzt) unbedenklich auch noch am Folgetag verzehrt werden. Oder wie wäre es, daraus neue Gerichte zu zaubern? Suppe aus Gemüseresten, Eintöpfe, bunte Gemüsepfanne und vieles mehr lassen sich aus Resten zubereiten. Das kann sogar noch Spaß machen und die Kreativität beflügeln.

„Wir sollten den Teller nur so voll machen, wie wir ihn auch leer essen können. Und wenn wir nicht gesättigt sind, nehmen wir halt einen Nachschlag. Das ist besser, als den anfänglich großen Hunger zu überschätzen.

Franziska Meyer

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