Helfende Hand in dunklen Zeiten
Psychiatrie-Projekt WORK2gether

Helfende Hand in dunklen Zeiten

Leipzig

Ein Todesfall in der Familie oder im engstem Freundeskreis, ein nicht zu bewältigender Schuldenberg oder das Gefühl, von seinen Mitmenschen nicht verstanden zu werden, können Ursachen für eine psychische Erkrankung sein. Umso wichtiger und wertvoller ist gerade für diese Menschen ein sicherer Arbeitsplatz. Ihn zu erlangen oder zu erhalten ist Bestandteil des innovativen Projektes WORK2gether zur Unterstützung von Arbeit und Beschäftigung für psychisch erkrankte Menschen, welches von einem Behandlungsteam aus fachtherapeutischen und ärztlichen Mitarbeitern am Helios Park-Klinikum Leipzig auf den Weg gebracht wurde.

Junge und ältere Menschen, Studenten, Berufstätige, Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Alleinerziehende … Die Liste derer, die an der Praxistür von Mathias Alberti anklopfen, ist schier endlos. „Jeden“, sagt der Sozialtherapeut und Projektleiter am Helios Park-Klinikum, „kann eine psychische Erkrankung treffen.” Den Meisten, so seine Einschätzung, merkt man von ihrem persönlichen Unglück nichts an. Oftmals haben sie es gelernt, die Krankheit vor der Außenwelt zu verstecken. Nur wer die Betreffenden wirklich gut kennt, weiß um ihre „andere Seite“. Weiß, warum sie antriebslos zur Uni oder zur Arbeit kommen, warum sie bei Konflikten schnell aufbrausend sind oder morgens einfach im Bett liegen bleiben.

Bessere Genesung

Mathias Alberti, Helios Park-Klinikum Leipzig
Mathias Alberti weiß, dass eine psychische Erkrankung jeden treffen kann. Meistens sieht man es den Leuten auch nicht an.

Patienten, die sich diesem Schicksal nicht kampflos ergeben möchten, suchen professionelle Hilfe.  Im Helios Park-Klinikum Leipzig ist, ergänzend zur psychotherapeutischen Behandlung und Behandlung mit Medikamenten, die soziale Teilhabe – insbesondere die am Arbeitsleben – ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. „Wer von sich weiß, dass seine soziale Stellung und Absicherung durch einen Job oder berufliche Alternative gewährleistet ist, besitzt deutlich bessere Genesungschancen”, stellt Alberti heraus.

Bei jedem Schritt der Therapie wissen die Patienten eine helfende Hand an ihrer Seite. Das schließt auch die Wiedereingliederung im Job ein. Hilfe und Unterstützung bietet Therapeuten und Patienten dabei ein von Professorin Katarina Stengler und Mathias Alberti entwickeltes Projekt. Die Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie beschreibt WORK2gether als „ein Angebot zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung für Menschen mit psychischer Erkrankung aus dem akuten Behandlungssektor, der Klinik heraus“. Dieser Ansatz ist neuartig.

Wer von sich weiß, dass seine soziale Stellung und Absicherung durch einen Job oder berufliche Alternative gewährleistet ist, besitzt deutlich bessere Genesungschancen.

Mathias Alberti Sozialtherapeut und Projektleiter von WORK2gether am Helios Park-Klinikum Leipzig

Schnelles Agieren

Unmittelbar nachdem die Patienten im Klinikum vorstellig werden, greift auch dieser Aspekt. Je früher, um so effektiver, weiß Projektleiter Alberti aus seiner Praxiserfahrung. Mitunter, sagt er, könne eine Anpassung der Tätigkeit im Unternehmen an den Leistungskorridor des Arbeitnehmers helfen, ein gefährdetes Arbeitsverhältnis zu sichern. Manchmal helfen schon die kleinen Dinge. Etwa, indem ein Weckanruf initiiert wird oder gemeinsame Gespräche mit dem jeweiligen Arbeitgeber des Patienten vereinbart werden. „Diese wissen mitunter nichts von der Erkrankung und können so gemeinsam mit uns nach Lösungswegen suchen”, fügt Alberti an.

Die gegenwärtige Arbeitsmarktsituation mit dem vorherrschenden Fachkräftemangel kommt einer Wiedereingliederung zwangsläufig entgegen. Jedes Unternehmen ist bestrebt, gute Mitarbeiter zu halten. Ihnen hierfür aus einer Lebenskrise zu helfen, ist ein machbarer Schritt.

Wie lange der Genesungsprozess dauert, ist nicht definierbar und in jedem Fall unterschiedlich. „Wir geben Impulse und Denkanstöße, sind aber keine zeitlich befristete Rehabilitationsmaßnahme”, betont der Projektleiter. „Erklärtes Ziel ist es, Patienten, die immer wieder gescheitert sind, Hoffnung zu vermitteln und sie bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive zu unterstützen und die nächsten Schritte zu planen.“

Gutes Netzwerk

Ein Psychiater allein kann das nicht leisten. Aus diesem Grund sind Alberti und seine Kollegen mit den Stationen des Park-Klinikums, betriebsärztlichen Diensten, aber auch dem Jobcenter und der Stadt Leipzig, der Arbeitsagentur, zahlreichen Unternehmen sowie dem Integrationsfachdienst eng vernetzt. Wichtiger Bestandteil des Projekts ist es, im Rahmen des angebotenen Job-Coachings gemeinsam mit den Patienten die berufliche Integration zu planen und Hilfen der am Prozess beteiligten Institutionen zu koordinieren.

Zu den schönsten Momente seines Arbeitsalltages zähle, wenn Patienten zu ihm sagen: „Es hat geklappt. Mir geht es gut, mein Job ist sicher”, sagt Alberti. Ebenso groß dürfte die Freude aber auch bei der Ankündigung gewesen sein, dass dem von Prof. Stengler und ihm entwickelten Projekt WORK2gether von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) auf deren aktuellen Jahreskongress in Berlin der Innovationspreis für Gesundheitsberufe 2019 zuerkannt wurde. Eine Würdigung, so hofft Mathias Alberti, die das Anliegen des Projektes noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rückt.

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Beruf trotz psychischer Erkrankung

WORK2gether ist ein spezielles Angebot zur Förderung von Menschen mit psychischen Erkrankungen, die ihrer Arbeit oder Beschäftigung weiter nachgehen wollen. Der innovative Ansatz wurde von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit dem Preis für Pflege- und Gesundheitsfachberufe in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik 2019 ausgezeichnet.