Einmal Luftholen bitte, aber richtig!
Expertengespräch zum Atmen

Einmal Luftholen bitte, aber richtig!

Leipzig

Auch wenn der Leipziger Auwald mit einer Fläche von 2.100 Hektar nur einen kleinen Teil der Stadt (29.760 ha) ausmacht, so genießt er dennoch bei den Einwohnern einen hohen Stellenwert. Er ist Leipzigs grüne Lunge. Aufgrund seines Artenreichtums sowie seiner vielfältigen Struktur ist er Bestandteil des europäischen NATURA 2000 Schutzgebietssystems. Für Leipzig ist der Auwald ebenso bedeutsam wie die Lunge, die in jedem von uns ihren Dienst versieht.

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick – Im Tale grünet Hoffnungsglück.“ Treffender als es Goethe eingangs seines Osterspaziergangs formulierte, lässt sich das Frühlingserwachen kaum beschreiben. Auch im Leipziger Auwald vollzieht sich gegenwärtig dieses Erweckungserlebnis. Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, Bäume bilden ein Blätterdach und sorgen so für frischen Sauerstoff, auf den unsere Lungen begehrlich warten.

Atmen mit Reserven

Bis zu zwölf Mal in der Minute atmet ein Mensch bei normaler Belastung. Den Rhythmus hierfür gibt das autonome Nervensystem vor. Wie beim Herzschlag regelt diesen Vorgang ein automatischer Prozess. Der Mensch atmet also, ohne aktiv darauf Einfluss nehmen zu müssen. Im Unterschied zum Herz ist das direkte Eingreifen aber jederzeit möglich – indem man die Luft anhält oder bewusst schneller oder langsamer atmet.

Unsere Atmung passt sich stets den Bedürfnissen an,

erklärt Dr. Matthias Vogtmann, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Kardiologie im Helios Park-Klinikum Leipzig.

Mit jedem Atemzug werden, in Abhängigkeit von Körpergröße, Gewicht und Geschlechts der betreffenden Person, circa 500 Milliliter Umgebungsluft in die Lunge gezogen. „In normalen Ruhephasen wird das vorhandene Lungenvolumen allerdings kaum mehr als zehn Prozent in Anspruch genommen. Selbst bei voller Belastung verbleibt noch eine Atemreserve von 20 Prozent”, betont der Mediziner.

Atmung ist also etwas Faszinierendes. „Entscheidend dafür, wie viel ein Mensch atmet, ist der Kohlendioxidgehalt in seinem Blut. Ist dieser Wert hoch, atmet man viel, ist er gering, fällt auch die Aktivität des Atmens”, erläutert er. Jedoch, ergänzt Vogtmann, sei für das Leistungsvermögen des gesunden Menschen nicht die Lungenkapazität begrenzend, wie vielfach gedacht wird, sondern dafür sind Herz und Kreislauf die ausschlaggebenden Faktoren.

Lungenerkrankungen auf dem Vormarsch

Angesichts der Bedeutung der Lunge für den Erhalt des Lebens machen sich Pneumologen wie Dr. Vogtmann berechtigt Sorgen. Sie blicken dabei auf die stete Zunahme von Lungenkrankheiten. „In den vergangenen Jahren”, erläutert er, „verzeichnete vor allem die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) einen besonders dramatischen Anstieg.“ Expert:innen gehen inzwischen davon aus, dass von den über 40-Jährigen in Deutschland etwa zehn bis zwölf Prozent betroffen sind. Noch düsterer sind allerdings die Prognosen, wonach im Jahr 2050 mit bis zu acht Millionen COPD-Patient:innen gerechnet wird. COPD resultiert aus einer Verengung der Atemwege, deren Hauptursache das Rauchen ist. Rippenfellerkrankungen, Tumore, interstitielle Lungenerkrankungen, akut verschlechtertes Asthma, Atemwegsinfektionen wie bakterielle Lungenentzündung oder Virusinfektionen wie auch Covid-19 gehören ebenso zu den Gründen einer stationären Aufnahme im Leipziger Park-Klinikum wie vereinzelte Fälle einer Tuberkulose-Erkrankung. Doch auch diese ereilt durchschnittlich noch ca. 20 Einwohner:innen Leipzigs im Jahr.

Tief Luft holen

„Die Lunge ist dennoch ein ziemlich resistentes Organ, das sich allerdings nicht trainieren lässt”, ergänzt Matthias Vogtmann. Wer seiner Lunge etwas Gutes tun oder ihre Leistungsfähigkeit erhöhen möchte, hat einige Möglichkeiten an der Hand. Ein kräftiger Brustkorb beispielsweise verbessert die Atmung, während eine freie Nase dafür sorgt, dass Luft ungehindert aufgewärmt und gereinigt werden kann. Sporttreiben hingegen steigert nicht die Aufnahmekapazität des Lungengewebes, kräftigt aber die Atemmuskulatur und führt zur Belüftung des Lungen bis in den letzten Winkel.

Prinzipiell gilt aber immer: Frische Luft ist gut für unsere Atemwege. Sie steigert Gesundheit und Wohlbefinden,

betont Dr. Matthias Vogtmann.

Nicht immer sollte es der Auwald sein

Ein Spaziergang, eine Radtour oder Joggen durch den grünen Ring Leipzigs können somit nie verkehrt sein. Auch wenn der Auwald, aus medizinischer Sicht, nicht für alle Menschen zwingend die erste Wahl ist. Als Restgebiet einer Sumpflandschaft, auf die Leipzig vor mehr als 1.000 Jahren errichtet wurde, weist er eine hohe Konzentration an Pollen und Feuchtigkeit auf, die für bestimmte Menschen mit einem chronischen Lungenleiden problematisch sein können.

Und wer den Gang vor die Haustür trotzdem scheut, sollte zumindest einen Hinweis des Journalisten Wolfgang Reus beherzigen: „Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihre Gedanken ab und zu spazieren gehen, denn hin und wieder brauchen auch die einmal frische Luft.“

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