Ein Sturz mit Folgen und Happy End
Altersmedizin

Ein Sturz mit Folgen und Happy End

Leipzig

Heide Renner drohte, ein Pflegefall zu werden. Ein Sturz mit folgenschwerer Wirkung machte der Sachsen-Anhalterin zu schaffen. Nach einer OP wurde ihr Zustand schlechter. Helfen konnte erst der ganzheitliche Blick der Geriater des Helios Park-Klinikums Leipzig.

Allzu oft sind es die kleinen, unscheinbaren Dinge, die eine große Wirkung hervorrufen. Den leichten Sturz, der Heide Renners Alltag kreuzte, hatte die 82-Jährige schon fast wieder vergessen. Ihr Körper konnte den Fall aber nicht wie gewünscht verdrängen. Stattdessen brachte der zugezogene Beckenbruch einen medizinischen Leidensweg ins Rollen. Im Leipziger Helios Park-Klinikum konnte das Leiden schließlich beendet werden.

Der Weg dorthin war für die vormals rüstige Seniorin allerdings beschwerlich lang. Ein operativer Eingriff im heimatnahen Krankenhaus samt anschließendem Kuraufenthalt brachten nicht die erhoffte Heilung. „Mein Allgemeinzustand wurde zusehends schlechter, körperlich baute ich stetig ab. Ich war ans Bett gefesselt, konnte mein rechtes Bein nicht mehr heben”, erinnert sie sich. Die sie bis dahin behandelnden Ärzte machten der Rentnerin wenig Hoffnung auf Besserung. Es schien, als müsste sich Heide Renner ihrem Schicksal fügen.

Mein Allgemeinzustand wurde zusehends schlechter, körperlich baute ich stetig ab. Ich war ans Bett gefesselt, konnte mein rechtes Bein nicht mehr heben.

Seniorin Heide Renner über ihren persönlichen Leidensweg

Ganzheitlicher Ansatz hilft

Hinnehmbar war diese Situation jedoch nicht. Auch der Familie der Patientin widerstrebte der Zustand. Daher suchte man gemeinsam nach einer zweiten ärztlichen Meinung. Fündig wurden Heide Renner und deren Angehörige im Helios Park-Klinikum Leipzig. Vom Erfolg der ganzheitlichen Behandlung älterer Menschen überzeugt, setzt man hier auf die Vorzüge der Geriatrie. „Sie ist ein Spezialgebiet der Medizin, das sich der medizinischen Behandlung älterer Menschen mit anderen Ansätzen nähert. Für das Alter typische Funktionsstörungen, körperlicher oder intellektueller Abbau sowie Immobilität finden im Versorgungskonzept ein stärkeres Gewicht“, erläutert Anna-Maria Keilitz, Leitende Oberärztin der Klinik für Geriatrie. Sie nahm sich der Patientin an und unterzog sie als erstes einer umfassenden Bildgebung.

Dabei wurde festgestellt, dass das Becken der Seniorin völlig instabil, von der Wirbelsäule abgehangen war. „Unter diesen Umständen war ihr Zustand verständlich”, resümiert Anna-Maria Keilitz. Zudem spiegelten die Bilder eine Ansammlung von Eiter in einer abgeschlossenen Gewebshöhle (Abszess) wieder, wodurch die erhöhte Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis) bestand. Tiefergehende Untersuchungen ermittelten, dass Heide Renners Blut eine ausgeprägte Infektion aufwies, verursacht durch die Ansammlung von Bakterien. „Um die sichere OP-Fähigkeit der Patientin herzustellen, müssten wir zuerst einmal die Sepsis beseitigen. Alles andere hätte die weitere Lebenserwartung der Patientin erheblich minimiert“, betont Keilitz.

Unterschiedliche Stressbewältigung

Der Kern der Geriatrie ist ihr ganzheitlich Denken. Physiotherapie, therapeutische Pflege, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie finden einen gleichfalls starken Einfluss in das jeweilige Behandlungsmuster wie die Arbeit der Chirurgie, Onkologie oder Expert:innen der Herzmedizin, hier im engen Zusammenspiel mit dem benachbarten Herzzentrum. „Bevor ein älterer Patient in den OP-Saal kommt, gilt es für uns immer zu klären, ob er für diesen Eingriff auch stabil genug ist“, verdeutlicht die Ärztin. Den Stress, den der Körper durch den Eingriff erfährt, steckt ein jüngerer Mensch leichter weg als ein älterer. Beide Patientengruppen lassen sich somit nicht auf die gleiche Methode behandeln, ganz gleich, ob sich diese in der Vergangenheit bewährte. Im Falle von Heide Renner kam zudem noch eine Herzschwäche ins Spiel, die es vor der eigentlichen Operation ebenfalls zu betrachten galt.

Bevor ein älterer Patient in den OP-Saal kommt, gilt es für uns immer zu klären, ob er für diesen Eingriff auch stabil genug ist,

erklärt Geriaterin Anna-Maria Keilitz den ganzheitlichen Ansatz der Altersmedizin.

Schritt für Schritt besser

Die später erfolgte Wirbelsäulen-OP, bei der Rückgrat und Becken mit Hilfe von Schrauben wieder verbunden wurden, verlief dieses Mal erfolgreich. „Ohne die Hilfe des multiprofessionellen Teams der Geriatrie wäre ich jetzt vielleicht ein Pflegefall. So aber bin ich wieder mobil, so gut das für eine 82-Jährige eben geht”, freut sich Heide Renner. Konnte sie vor ihrer Aufnahme in das Park-Klinikum keinen Schritt mehr gehen, waren es vier Wochen später, am Tag der Entlassung, bereits 40 Meter. Schritt für Schritt nahm die Distanz zu. Heute geht Heide Renner wie selbstverständlich einkaufen oder erledigt andere Wege, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Körperlich ging es der Rentnerin schon bald wieder gut. Allerdings hatte während dieser Zeit auch ihre Seele starke Schmerzen zu meistern. Heide Renners Mann lag im Sterben. Um dem Paar noch ein paar gemeinsame Stunden zu schenken, verlegte man die Patientin zusammen mit ihrem Gatten in die Kurzzeitpflege. Sie ermöglichte ihnen Momente des Abschiednehmens. Ein weiterer Weg medizinisch, würdevollen Handelns, zu dem die Geriatrie in der Lage ist.

Ein Zentrum für das Alter

In unserem Zentrum für Altersmedizin sind wir spezialisiert auf die Behandlung betagter Patienten, die mehrere Krankheitsbilder gleichzeitig aufzeigen. Hier werden Seniorinnen und Senioren ganzheitlich betreut – vom Körper bis zum Geist. Mehr erfahren