Diagnose Speiseröhrenkrebs: „Die Symptome blieben komplett aus“
Ösophaguskarzinom

Diagnose Speiseröhrenkrebs: „Die Symptome blieben komplett aus“

Leipzig

Nikotinkonsum, Alkoholmissbrauch oder Übergewicht können mögliche Ursachen für Speiseröhrenkrebs sein. Nichts dergleichen kann Arnd Kluge von sich sagen. Auch die gängigen Erkennungsmerkmale der Krankheit blieben bei ihm aus. Und dennoch erkrankte der heute 68-Jährige von einem Jahr an einem Ösophaguskarzinom.

Glückliche Umstände, eine schnelle Behandlung im Krebszentrum des Helios Park-Klinikums Leipzig und seine robuste Lebensweise bescherten Arnd Kluge ein gutes Ende dieser ungewollten Odyssee.

Manchmal, sagt Arnd Kluge, fühle er sich wie in einem falschen Film. Er weiß, dass er mit den Folgen einer schweren Krebserkrankung zu kämpfen hat. Und dennoch spürt er sie und mögliche Auswirkungen nicht. Als der aufgeweckte Senior vor etwa einem Jahr über unangenehme Halsschmerzen klagte, die ihn seit drei Wochen belästigten, machte sich Kluge kaum ernste Gedanken. Als gelernter Fleischer, der den Großteil seines Berufslebens als selbständiger Hausschlachter, vornehmlich in der kalten Jahreszeit, zugange war, verfügte er über eine robuste Konstitution. „Husten, Schnupfen, Heiserkeit – derlei Symptome kannte ich nicht. Da ich ständig an der frischen Luft arbeitete, konnte mir keine Erkältung oder Grippe etwas anhaben“, bekundet er stolz. Dass es ihn nun wohl doch einmal erwischt hatte, beunruhigte ihn nicht wirklich.

Eine Magenspiegelung bringt die Schock-Diagnose

Die Teddybärensammlung von Familie Kluge
Seit vielen Jahren sammelt Christine Kluge Teddybären. An der mittlerweile großen Sammlung kann sich auch Arnd Kluge erfreuen. Foto: Sven Gückel

Gleichwohl wollte Arnd Kluge, der mit seiner Familie in Albersdorf bei Markranstädt lebt, Gewissheit und suchte medizinischen Rat bei einem HNO-Arzt. Diesem berichtete er dabei mehr zufällig, dass sein Zwillingsbruder Siegfried erst vor wenigen Jahren an Speiseröhrenkrebs starb. Mit dem Wissensstand von heute eine wichtige Anmerkung. Denn derart alarmiert, überwies die Medizinerin ihren Patienten ins Helios Klinikum Schkeuditz, um dort eine Magenspiegelung vornehmen zu lassen.

Ungewöhnliches Würgen beim Schlucken von Speisen, schmerzhafte Krämpfe der Speiseröhre, Sodbrennen und häufiges Aufstoßen, Gewichtsverlust sowie Heiserkeit gelten in der Regel als Erkennungsboten von Speiseröhrenkrebs. Arnd Kluge hat sie nie zu spüren bekommen. Umso erschütternder war für ihn und seine Frau Christine die Diagnose im Anschluss der Magenspiegelung. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, bekennt er noch immer erschrocken.

Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

Arnd Kluge über die Diagnose Speiseröhrenkrebs

Die Behandlung erfolgte in kürzester Zeit

Das schnelle Handeln, dass die Ärzte umgehend an den Tag legten, war ein Glücksfall für den späteren Heilungsprozess. Schon eine Woche nach der Magenspiegelung bekam Arnd Kluge einen Zugang für die geplante Chemo und die zwischenzeitlich künstliche Ernährung gelegt. Dem folgte kurze Zeit darauf die erste von vier Chemotherapien. Diese, sagt Kluge rückblickend, habe er ohne Probleme verkraftet. Seinem Selbstvertrauen vor der im November 2020 anstehenden OP im Helios Park-Klinikum Leipzig konnte das nur guttun.

Im Verlauf des minimal-invasiven Eingriffs, den das Ösophagusteams von Prof. Dr. Michael Bartels, dem Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, vornahm, wurden Arnd Kluge ein Großteil der Speiseröhre sowie des Magens (die sogenannte kleine Kurvatur) entfernt. Den vorhandenen Rest, die große Kurvatur, formten die Spezialisten zu einem Schlauchmagen und verbanden ihn direkt mit dem verbliebenen Teil der Speiseröhre. Großen Anteil am erfolgreichen Gelingen hatte dabei Oberärztin Lydia Hergett.

Angesichts aller Umstände habe ich verdammt großes Glück gehabt. Für ein wirksames Eingreifen war es noch nicht zu spät, zudem wusste ich die richtigen Ärzte neben mir.

Arnd Kluge

„Verdammt großes Glück”

In der Küche mit Familie Kluge
Seit des medizinischen Eingriffs achten Arnd Kluge und dessen Frau Christine noch mehr auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Foto: Sven Gückel

„Angesichts aller Umstände habe ich verdammt großes Glück gehabt. Für ein wirksames Eingreifen war es noch nicht zu spät, zudem wusste ich die richtigen Ärzte neben mir”, zeigt Kluge sich dankbar. Gerade einmal zwei Tage brauchte Arnd Kluge, um sich von den ersten Folgen des operativen Eingriffs zu erholen. Fortan nutzte er jede Gelegenheit, um seinen Körper wieder in Schwung zu bringen. Auch geistig. „Ach, Herr Kluge liest mal wieder“, staunte auch Prof. Bartels schmunzelnd, wenn er seinen Patienten in ein Buch versunken antraf. Einzig der Besucherstopp, den die Coronapandemie bis heute dem Klinikbetrieb aufzwingt, sorgte für Missmut. „Doch das Pflegepersonal hatte ein großes Herz und so konnten meine Genesungswünsche trotzdem zu ihm gelangen“, freut sich Christine Kluge noch immer. Damit ihr Mann die Erlebnisse dieser turbulenten Wochen und Monate, aber auch die durchlebten Gefühle seiner Familie noch einmal richtig erfassen und verarbeiten kann, hat sie während der gesamten Behandlung Tagebuch geführt. Als Zeugnis für die Ewigkeit.

Vier weitere Chemotherapien gilt es nun noch zu absolvieren. Aber auch diese Hürde nimmt Arnd Kluge gelassen. Weiß er doch, dass der schwerste Teil des Weges bereits absolviert ist. „Wir stehen das gemeinsam durch“, gibt ihm seine Frau die nötige Rückendeckung.

krebszelle

Speiseröhrenkrebs: Seltene Krebserkrankung

Der Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) ist in Deutschland eine eher seltene Tumorerkrankung. Pro Jahr erkranken etwa 6.100 Männer und 1.800 Frauen daran. Unsere Experten im Krebsnetzwerk des Helios Park-Klinikums Leipzig beraten und behandeln Sie bei Verdacht und Diagnose Speiseröhrenkrebs.