Den Grundstein legte die Natur

Den Grundstein legte die Natur

Leipzig

Lachen macht gesund. Wenn es doch nur so einfach wäre, wie es die Chinesen in diesem Sprichwort definieren. Wenngleich eine fröhliche Seele auch so mancher Sorgen entledigt scheint, bedarf es doch weit mehr als eines zufriedenen Gesichts, um munter und fit durchs Leben zu schreiten. Anlässlich des Weltgesundheitstages berichtet Priv.-Doz. Dr. Ulrich Halm, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im Helios Park-Klinikum Leipzig, wie es aus seiner Sicht um die globale Gesundheit bezüglich Krebserkrankungen steht.

Das Paket, das Mutter Natur den Menschen geschnürt hat, enthält viele schöne Dinge. Doch nicht ausschließlich. Denn zu dem, was sie uns von Geburt an mit auf den Weg gibt, gehören auch Hürden und Herausforderungen. Auch Krankheiten zählen zweifelsfrei dazu. Eine gesunde Lebensweise und ein hohes Maß an medizinischer Vorsorge und Dienstleistung können vieles davon zwar abfangen, rundum gefeit ist der Mensch deshalb aber vor Krankheiten nicht.

Eine Krankheit der zweiten Lebenshälfte

Krebs begleitet die Menschheit seit tausenden Jahren. Ihn hat es schon immer gegeben. Man kann sagen, diese Krankheit liegt in der Natur unserer Biologie,

erläutert Priv.-Doz. Dr. Ulrich Halm.

Dennoch unterliegt auch diese Geißel ständiger Veränderung. Während einerseits die moderne Medizinwissenschaft im Kampf gegen die Krankheit an Boden gewinnt, gibt es andererseits weiterhin große Herausforderungen. „Die Bildung von Krebszellen verstärkt sich in vielen Fällen mit dem Alter der Patient:innen. Krebs ist eine Krankheit, die vermehrt in der zweiten Lebenshälfte zum Tragen kommt. Je älter die Menschen werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Tumoren”, verdeutlicht der Mediziner.

Wohlstandskrankheiten

Einer Veränderung unterzogen haben sich im Verlaufe der Jahrhunderte auch die Risikofaktoren, die zur Bildung bösartiger Tumore führen können. Herausragend zu nennen sind dabei der Nikotinkonsum, der in den vergangenen einhundert Jahren deutlich zugenommen hat und eine der Ursachen für Lungen, Speiseröhren- oder Harnblasenkrebs ist, oder die typische Ernährung der westlichen Industrieländer, die nicht selten den Grundstein für Übergewicht und Darmkrebs legt. Beides sind wie das übermäßige Sonnenbaden, eine der Hauptursachen von Hautkrebs, zweifelsfrei Wohlstandskrankheiten.

In Ländern, in denen es weniger Wohlstandskrankheiten gibt, weiß Dr. Halm zu berichten, treten auch hierdurch verursachte Krebserkrankungen insgesamt seltener auf. Allerdings hat die Wissenschaft festgestellt, dass Menschen, die von dort etwa nach Europa oder Nordamerika auswandern und damit die westliche Lebensweise und Ernährung übernehmen, ein ähnlich hohes Risiko für diese Krebserkrankungen entwickeln.

Bessere Chancen dank eines hoch entwickelten Gesundheitssystems

“Der Wille, gesund zu werden, ist stärker als der Wille, gesund zu bleiben“, bringt es der Schweizer Politologe und Gesundheitsökonom Dr. Gerhard Kocher auf den Punkt. Wohl dem, der deshalb auf ein gut funktionierendes und hoch entwickeltes Gesundheitssystem wie das deutsche zurückgreifen kann. Dazu gehört gleichsam das Vorsorgekonzept, das hierzulande allen Menschen zur Verfügung steht - jedoch noch längst nicht wie gewünscht in Anspruch genommen wird. „Vielen Menschen in der Welt geht es diesbezüglich deutlich schlechter“, stellt Dr. Halm heraus. Ihr Zugang zur Medizin sei deutlich schlechter als hierzulande. Was teilweise durch eine andere Wahrnehmung der Menschen bezüglich der eigenen Gesundheit noch erschwert werde. Tumorpatient:innen seien nach Aussage Dr. Halms davon besonders betroffen. Nicht selten, sagt er, finde man sich mit seinem Schicksal ab, solange, bis eine Behandlung kaum noch Erfolgschancen verspricht.

Wohlstand trägt Krankheiten des Westens im Gepäck

Der Kampf gegen die Krankheit Krebs müsse daher global und auf allen Ebenen gleichsam stark angegangen werden. Schädliche Lebensweisen wie das Rauchen gelte es möglichst zu reduzieren und die Inanspruchnahme preiswerter und realisierbarer Vorsorge- und Früherkennungsprogramme weltweit zu installieren. Mit Sorge betrachten Mediziner:innen und Wissenschaftler:innen, dass einsetzender Wohlstand in Dritt- und Schwellenländern zwar zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Menschen und der Gesundheitsfürsorge insgesamt führt, im gleichen Tempo aber in diesen Ländern auch die Krankheiten „des Westens” auf dem Vormarsch sind. Vor allem die Dickleibigkeit, eine der Ursachen für Leberkrebs, sowie Tabak- und Alkoholmissbrauch bringen die Alarmglocken zum Läuten.

Viel Potential nach oben

Die beste Behandlung von Krebs ist und bleibt, ihn zu vermeiden,

sagt Dr. Ulrich Halm.

Unabhängig davon müsse die Onkologie aber weltweit einen festeren Stellenwert erhalten. Dank moderner Krebsbehandlungsmethoden ließe sich inzwischen viel erreichen, allerdings sind die Kosten dafür enorm. Die stärkere Nutzung von Vorsorgemaßnahmen könnte helfen, vieles abzufedern, ja sogar Langzeitschäden zu vermeiden.

Selbst in Deutschland ist die onkologische Versorgung der Menschen sehr heterogen. „In Kliniken und Praxen, welche als zertifizierte Krebszentren arbeiten, ist sie umfassender und qualitativ signifikant besser”, betont Dr. Halm. Was in erster Linie den strengen Qualitätsvorgaben und der Zahl der zu behandelnden Fälle geschuldet ist. Krankenhäuser, in denen die Behandlung von Krebs auf Einzelfällen basiert, können im Ergebnis längst nicht die hohe Qualität aufweisen wie Krebszentren.

Es gibt weltweit also noch viel zu tun in punkto Krebsvorsorge und -behandlung. Und dennoch gilt auch in Zukunft für Jedermann: Man muss die Kraft aufbringen, sein eigenes Leben zu leben und erkennen, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss.