Das komplexe System Knie im Blick behalten
Chefarzt Carsten Fischer im Interview

Das komplexe System Knie im Blick behalten

Leipzig

Im Orthopädisch-Traumatologischen Zentrum des Helios Park-Klinikums Leipzig wird der gesamte Stütz- und Bewegungsapparat in den Blick genommen. Carsten Fischer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, ist im Interview der Knie-Vorsorge beim Sport auf der Spur.

Ob beim Fußball, Tennis, Sprinten oder Weitsprung: Unsere Knie werden bei vielen Sportarten belastet. Warum ist die Verletzungsrate beim Knie so hoch?

Zum einen liegt das an der Anatomie des Kniegelenks. Das Knie bewegt sich nicht wie ein Scharnier, sondern in einem Roll-Gleit-Mechanismus, der einerseits durch die Form der Gelenkflächen und andererseits durch einen ausgeklügelten Bandapparat ermöglicht wird. Zum zweiten steht das Knie häufig unter starker Belastung. Schon beim Laufen muss jeweils ein Knie ein Vielfaches des gesamten Körpergewichts tragen, während das gegenseitige Gelenk entlastet ist. Bei schnellen Sportarten potenziert sich diese Belastung nochmals erheblich.

 

Wie entstehen die typischen Knieverletzungen?

Die häufigsten Sportverletzungen am Knie sind Verletzungen der Bänder. Häufig erwischt es das vordere Kreuzband oder das Innenband, meistens durch Verdreh-Mechanismen im Zusammenhang mit dem Wegrutschen des Beins nach außen. Treffen kann das im Grunde jeden, allerdings ist die Reißgrenze der Bänder schneller erreicht, je mehr Last das Knie tragen muss und je größer die einwirkende Kraft ist.

„Je fitter die Stützmuskulatur, desto mehr hält sie aus – und das können Sie trainieren.“

Carsten Fischer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie am Helios Park-Klinikum Leipzig

Muss eine Verletzung am Kreuzband immer operiert werden oder gibt es andere Möglichkeiten?

Prinzipiell ist das immer eine individuelle Entscheidung, die vom Anspruch der oder des Verletzten abhängt und im persönlichen Gespräch mit dem Behandler getroffen werden sollte. Kreuzband-Verletzungen sollten bei sportlich aktiven Leuten dann operiert werden, wenn eine Instabilität des Kniegelenks besteht. Häufig merken die Patientinnen und Patienten das erst, wenn das Knie nach der Verletzung abgeschwollen ist, das heißt, die Akutphase vorüber ist: Plötzlich knicken sie beim Laufen auf unebeneren Böden weg, etwa im Wald oder auf Kopfsteinpflaster. Aus der Instabilität des Knies resultieren dann abnorme Belastungen des Gelenkknorpels und der Menisken, die irgendwann ihre Funktion als Stoßdämpfer und Verteiler der Gelenkflüssigkeit nicht mehr erfüllen können.

 

Welche Sportarten schonen unsere Knie, welche sind besonders belastend?

Verletzungsträchtige Sportarten sind solche mit einer gewissen Rasanz, vor allem Ballsport- und Wintersportarten. Fahrradfahren ist günstig, weil nicht das volle Körpergewicht auf dem Knie liegt, sondern durch den Sattel abgefangen wird. Zudem sorgt die gleichförmige Bewegung dafür, dass der Knorpelstoffwechsel angeregt wird. Beim Schwimmen muss man zwischen den einzelnen Schwimmarten unterscheiden: Die Beinarbeit beim Kraulen oder Rückenschwimmen ist für die Kniegelenke eher schonend und gut.

 

Wie kann ich meine Knie gezielt trainieren?

In den Bandenden gibt es kleine Nervenkörperchen, die bei Überspannungen Gefahr melden und auf kürzestem Wege die Stützmuskulatur aktivieren, die dann die Lastspitzen abfedert. Je fitter diese Muskulatur ist, desto mehr hält sie aus – und das können Sie trainieren. Wichtig dabei: Sie sollten nicht einseitig trainieren, sondern die Balance zwischen Übungen zu den Beuge- und Streckmuskeln sowie den Innen- und Außendrehermuskeln halten. Wenn es um konkretes Muskeltraining geht, ist eine Anleitung im Fitnessstudio sinnvoll. Aber regelmäßige Bewegungmacht auch schon sehr viel aus.

Stark für Knochen und Gelenke

Gelenkerhaltende Behandlung oder künstlicher Gelenkersatz? Schonende Arthroskopie oder Versteifung? Unsere Experten im Orthopädisch-Traumatologischen Zentrum suchen nach der optimalen Therapie: individuell für Ihr Anliegen.