Darmkrebs: Vorsorge rettet Leben

Noch immer nehmen zu wenige Menschen in Deutschland Vorsorgeuntersuchungen wahr. Krankheiten wie Darmkrebs werden so oftmals zu spät erkannt, wie Dr. Christina Klein und Dr. Christian Prause vom Helios Park-Klinikum Leipzig wissen.

Zugegeben, es gibt angenehmeres, als sich seitwärts liegend ein Endoskop in den Anus einführen zu lassen. Doch allein die Frage „Ist die Überwindung dieses kurzzeitigen Schamgefühls ein längeres Leben wert?“, lässt sich klar und einfach beantworten: JA. Trotzdem liegt die Zahl der Männer, die sich ab dem 50. Lebensjahr regelmäßig einer Darmkrebsvorsorgeuntersuchung stellen, bundesweit bei gerade einmal elf Prozent (Sachsen 11,5 Prozent). Im Gegensatz dazu gehen vier von zehn Frauen (Sachsen 42,7 Prozent) regelmäßig zur Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchung. Brustkrebs gilt bei Frauen als die häufigste Krebsart.

Je früher Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Dr. Christina Klein, Oberärztin und Leiterin des Viszeralonkologischen Zentrums

Darmkrebs kommt nicht über Nacht

„Je früher Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen“, sagt Dr. Christina Klein, Oberärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiterin des Viszeralonkologischen Zentrums im Helios Park-Klinikum Leipzig. Würden Männer ab 50 alle zehn Jahre eine Koloskopie, also die für sie kostenfreie Untersuchung des Dickdarmes und der letzten Zentimeter des Dünndarmes, vornehmen lassen, ließe sich ihr Darmkrebsrisiko um 90 Prozent senken.

„Darmkrebs entsteht nicht plötzlich und unerwartet über Nacht“, ergänzt Dr. Christian Prause. Nach Aussage des Oberarztes der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im Helios Park-Klinikum, sei dies vielmehr ein schleichender Prozess. Ist die Krankheit jedoch einmal ausgebrochen, gibt der Körper klare Signale. Blut im Stuhl, Verstopfung und Durchfall im Wechsel, oder, im fortgeschrittenen Stadium, starke Gewichtsverluste und Appetitlosigkeit.

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Bis 2050, sagen fundierte Studien für Deutschland voraus, liegt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen bei etwa 55.000 Fällen.

Dr. Christian Prause, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin

Es gibt kein „zu jung“ für Darmkrebs

Polypen sind die Vorstufen von Darmkrebs. Werden diese frühzeitig erkannt, etwa in einer Vorsorgeuntersuchung bzw. Darmspiegelung, können sie schonend entfernt und der Patient vollständig geheilt werden.

Frauen, so scheint es, erkennen die Gefahr einer Krebserkrankung besser und tragen dementsprechend Vorsorge. „Sie sind aber auch in das allgemeine Vorsorgeprogramm stärker integriert”, unterstreicht Dr. Klein. Der Weg zum Frauenarzt gehört für sie zum medizinischen Alltag. Das Schamgefühl, das sich auch hier einstellt, stellen sie hinten an.

Natürlich sind auch Frauen nicht vor Darmkrebs gefeit. Eine falsche und unausgewogene Ernährung (Übergewicht), Nikotinkonsum und Bewegungsmangel gelten für beide Geschlechter als mögliche Risikofaktoren für Darmkrebs. Die Heilungschancen richten sich vorwiegend nach dem Zeitraum der Entdeckung. „Je weiter der Krebs gestreut hat, umso geringer werden sie“, betont die Medizinerin.

Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. Betroffen sind daher zumeist Menschen die 70 Jahre und älter sind. Was allerdings nicht ausschließt, dass der Zeitpunkt der Erkrankung wesentlich früher liegt. „Bis 2050, sagen fundierte Studien für Deutschland voraus, liegt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen bei etwa 55 000 Fällen“, erläutert Dr. Prause. Die Prognose besagt aber auch, fährt Prause fort, „dass zunehmend mehr jüngere Menschen zur Gruppe der Darmkrebserkrankten gehören werden“. Als Grund hierfür vermuten Medizinern in erster Linie eine falsche Ernährung. Deren Fundamente bestehen zusehends aus Fast Food und unausgewogenen Nahrungsmitteln. Eine fatale Entwicklung, denn es gibt kein „zu jung“ für Darmkrebs.

Späterkennung von Darmkrebs hat Folgen

Wird Darmkrebs nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, breiten sich die Tumore langsam, aber unaufhaltsam im Körper aus. „Erschwerend für die Behandlung einer Späterkennung kommt womöglich hinzu, dass der Krebs im Laufe der Zeit zumeist an Leber und Lunge Tochtergeschwüre gesetzt hat“, verdeutlicht Dr. Klein. Darmkrebspatienten klagen deshalb mitunter auch über Oberbauchbeschwerden.

Zertifiziertes Darmzentrum

Das Helios Park-Klinikum behandelt pro Jahr durchschnittlich 100 Erstdiagnosen von Darmkrebs. Etwa ebenso viele Operationen werden in diesem Bereich durchgeführt. Patienten, die nach einer vorherigen Koloskopie oder von ihrem Hausarzt bei Erkrankungsverdacht in das Park-Klinikum überwiesen werden, können sich gut versorgt fühlen. Seit 2008 wird das Helios Park-Klinikum Leipzig jährlich als Darmzentrum durch die Deutsche Krebsgesellschaft und den TÜV zertifiziert. Damit stuft es neben anderem die medizinischen Bedingungen vor Ort, vor allem aber die hier geleistete Arbeit als qualitativ hochwertig ein. Zu ihr zählt auch eine wöchentlich stattfindende Tumorkonferenz, der Ärzte aller Krebs behandelnden Fachrichtungen des Klinikums und niedergelassene Ärzte der Region beiwohnen. Ziel dieser Expertenrunde ist es, für jeden Patienten ein optimales Behandlungskonzept zu erstellen.