LIPSY – Neue Chancen zur beruflichen Teilhabe

LIPSY – Neue Chancen zur beruflichen Teilhabe

Das Modellprojekt LIPSY – Leipzig, Individual Placement and Support bietet Menschen mit psychischen Erkrankungen einen Weg in den Beruf und ins Arbeitsleben.

Die Chance auf ein Berufsleben

Gefördert durch Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Das Modellprojekt LIPSY richtet sich an Bezieher von Leistungen nach dem SGB II, die psychisch belastet sind. Diese bekommen von ihren Arbeitsvermittlern im Jobcenter Leipzig eine freiwillige Teilnahme am Modellprojekt angeboten. Nach einem standardisierten psychologischen Screening der Teilnehmenden durch Psychologinnen und Psychologen des Helios Park-Klinikums Leipzig, erfolgt direkt in den Räumlichkeiten des Jobcenters Leipzig eine psychologische Diagnostik und anschließendes gezieltes Lotsen, entsprechend der festgestellten Erkrankung und der sozialen Lebenssituation, in das medizinische bzw. psychosoziale Versorgungssystem. Parallel dazu erhalten 60 Teilnehmende, die eine multimodale Behandlung in der Psychiatrischen Institutsambulanz des Park-Klinikums in Anspruch nehmen, bereits während des Genesungsprozesses ein gezieltes Jobcoaching. Sie werden bei der Arbeitsaufnahme unterstützt und mit dem Ziel einen Arbeitsplatz möglichst langfristig zu erhalten nach der Methode IPS – Individual Placement and Support gecoacht.

Was ist LIPSY?

LIPSY ist ein Modellprojekt im Rahmen des Programms „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ (§ 11 SGB IX) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Das Helios Park-Klinikum Leipzig ist Mitinitiator des Projekts und Verbundpartner des Jobcenter Leipzigs. Wir arbeiten wissenschaftlich mit dem Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig zusammen.

Die Einschätzung der allgemeinen Stimmungslage anhand eines Gemütsbarometers ist ein Teil des eigens für das Projekt entwickelten Screeningbogens. Manchmal leiden Menschen nicht unter spezifischen Symptomen wie Ängsten oder Schlafstörungen und trotzdem ist das allgemeine psychische Wohlbefinden beeinträchtigt. Dieser Umstand kann mit dem Gemütsbarometer erfasst werden.

Ein weiterer Teil des Screeningbogens beinhaltet 13 Fragen, welche sich auf die häufigsten psychischen Erkrankungen beziehen. Sie fragen z. B. nach depressiver Verstimmung, Ängsten, Zwängen und Stresssymptomen, wie Reizbarkeit und Konflikten mit Anderen. Die Bejahung dieser Fragen kann zumindest ein Hinweis für das Vorliegen einer psychischen Erkrankung sein. Der Selbsttest und die Inanspruchnahme des darauffolgenden psychologischen Assessments sind freiwillig. Wenn Kunden des Jobcenters Leipzig das Bedürfnis nach Hilfe und psychologischer Unterstützung haben, können Sie jederzeit auch ohne den Fragebogen Kontakt zu den Psychologinnen und Psychologen des Projekts aufnehmen.

Im Gespräch zwischen den Kundinnen bzw. Kunden und den Psychologinnen bzw. Psychologen sollen die Art und die Schwere einer möglichen psychischen Erkrankung diagnostiziert werden. Dies erfolgt anhand einer ausführlichen Anamneseerhebung und unter Einsatz von psychodiagnostischen Testverfahren.

Durch die Erhebung der Anamnese in Kombination mit den ausgewählten Testverfahren kann eine nicht nur vorübergehende Beeinträchtigung durch die Psychologin bzw. den Psychologen festgestellt werden. Damit können fundierte Aussagen über die gesundheitliche Einschränkung, Schwere der Erkrankung sowie den voraussichtlichen Teilhabebedarf getroffen werden.

Zum Abschluss des psychologischen Assessments erhalten die Teilnehmenden des Projekts die Auswertung der Ergebnisse. Die Teilnehmenden werden zu ihrer Diagnose beraten und erhalten Behandlungsempfehlungen. Je nach Schwere der Erkrankung kann die Psychologin bzw. der Psychologe Vermittlungsangebote des psychosozialen Versorgungsnetzwerks der Stadt Leipzig machen – bei schwereren Erkrankungen kann eine Aufnahme in eine Psychiatrische Institutsambulanz erfolgen.

Je nach Bedarf können die Psychologinnen und Psychologen mit den Teilnehmenden weitere Haltekontakte vereinbaren, um mögliche Wartezeiten zu überbrücken (z. B. psychoedukative oder präventive Gruppenangebote, Einzelgespräche).

 

Das Coaching im Modellprojekt LIPSY orientiert sich maßgeblich an dem Konzept des Individual Placement and Support (IPS), welches die individuelle, beschäftigungsbezogene und zeitlich unbefristete Unterstützung psychisch erkrankter Menschen beinhaltet.

Die 8 Kernprinzipien von IPS:

  • Copmpetitiv Employment: Die Arbeitsintegration erfolgt auf dem 1. Arbeitsmarkt. Die Teilnehmenden erhalten das gleiche Gehalt wie Mitarbeitende mit ähnlichen Tätigkeitsprofilen.
  • Integrated Services: IPS-Coaches sind Teil des Behandlungsteams. Die IPS-Coaches nehmen im Idealfall wöchentlich aktiv an Teambesprechungen teil.
  • Zero-Exclusion: Die Teilnahme am Programm ist allen Interessierten möglich.
  • Rapid Job Search: Die erste persönliche Kontaktaufnahme zum Arbeitgebenden erfolgt bestenfalls in weniger als 30 Tagen.
  • Worker Preferences: Entwicklung eines individuellen Plans zur Stellensuche, welcher die Präferenzen, Stärken und Einschränkungen berücksichtigt und sich an den Vorstellungen der Teilnehmenden orientiert.
  • Benefits Planning: Teilnehmende erhalten Beratung zur Einkommenssicherung und ggf. zu Ansprüchen auf Sozialleistungen, mit denen ggf. das Erwerbseinkommen aufgestockt werden kann.
  • Systematic Job Development: Regelmäßiger, qualitativ hochwertiger Kontakt mit Arbeitgebenden.
  • Time-Unlimited Supports: IPS ist zeitlich unbefristet. Die Teilnehmenden erhalten eine intensive Betreuung, die an den individuellen Bedarf angepasst ist.

Projektleitung

Prof. Dr. med. Katarina Stengler

Direktorin des Zentrums für Seelische Gesundheit, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Prof. Dr. med. Katarina Stengler

E-Mail

Telefon

0341 864-1261
Projektkoordination

Dipl.-Soz./-päd Mathias Alberti

Projektkoordinator Modellprojekt LIPSY

E-Mail

Telefon

(0341) 864-253511