Schrittmacher oder Defibrillator? Eine Studie soll Antworten geben

Schrittmacher oder Defibrillator? Eine Studie soll Antworten geben

Leipzig

Schrittmacher und Defibrillatoren sind bekannte Techniken zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Doch welches Gerät ist eigentlich besser geeignet für den Patienten? Das untersuchen Mediziner des Herzzentrums Leipzig in der RESET-CRT-Studie.

Selten verläuft ein neuer Weg geradlinig. Vielmehr tut sich schon bald eine Kreuzung auf, an der eine Entscheidungen gefordert ist. Dabei die richtige Wahl zu treffen, erfordert gleichermaßen Umsicht und Weitsicht. Ähnlich verhält es sich in der Medizin. Neue Behandlungsmethoden oder Medikamente sind nicht zwangsläufig ein Erfolgsgarant – es sei denn, man ist ständig nach ihrer Verbesserung oder Optimierung bestrebt.

Schrittmacher und Defibrillator im Vergleich

Prof. Gerhard Hindricks, Reset-CRT-Studie
Schrittmacher oder Defibrillator? Welches Gerät besser für den Patienten geignet ist, untersucht die RESET-CRT-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Hindricks. Foto: Stefan Möslein

„Doch Forschung strebt und ringt, ermüdend nie, nach dem Gesetz, dem Grund, Warum und Wie“, wird Goethe zitiert. An seiner Bedeutung hat der Ausspruch bis heute nichts verloren. „Wir forschen ständig“, betont deshalb auch Priv.-Doz. Dr. Nikolaos Dagres, Oberarzt der Abteilung für Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig. Eines der aktuellen Forschungsprojekte, RESET-CRT, so der Mediziner, finde einmal mehr weltweite Beachtung. Mit diesem, durch den G-BA geförderten und industrieunabhängigen Projekt, versuchen die Leipziger Ärzte zu ergründen, welches Gerät für Patienten mit Herzinsuffizienz das für sie bessere ist. „Zur Auswahl stehen der biventrikuläre Schrittmacher und der biventrikuläre Defibrillator“, erläutert Dr. Dagres. Beide Modelle haben die vorrangige Aufgabe, ein unkoordiniertes Zusammenziehen des linken Herzmuskels und damit eine verminderte Pumpleistung zu verbessern und eine normale Kontraktion herzustellen. Um das zu erreichen, stimuliert das Gerät die Herzkammer und sorgt so für einen gleichmäßigen Pumpvorgang. Dank dieser technischen Unterstützung gehen die Krankenhausaufenthalte herzinsuffizienter Patienten, aber auch die Quote damit verbundener Todesfälle nachweislich zurück.

Erkenntnisse werden kardiologische Leitlinien beeinflussen

Der Unterschied zwischen beiden Schrittmachervarianten besteht darin, dass eines der Geräte darüber hinaus bei Einsetzen lebensbedrohlicher Rhythmusstörungen das Herz mit einem Schock stimuliert. Allerdings, verdeutlicht Dr. Dagres, bestehe dabei auch das Risiko, dass die Auslösung dieses Schocks gar nicht notwendig sei und stattdessen eine unerwünschte Belastung des Körpers hervorruft. Doch welchem Patienten soll man welches Gerät implantieren? Diese Frage wissen weltweit Herzspezialisten gegenwärtig nicht eindeutig zu beantworten. Umso interessierter warten sie auf das Ergebnis, zu dem das Herzzentrum in seiner vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses finanzierten randomisierten Studie kommt. „Unsere Arbeit wird somit maßgeblichen Einfluss auf die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie haben, an der sich die Kardiologen bei der Ausübung ihrer Arbeit orientieren“, betont Nikolaos Dagres.

Unsere Arbeit wird somit maßgeblichen Einfluss auf die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie haben, an der sich die Kardiologen bei der Ausübung ihrer Arbeit orientieren.

Priv.-Doz. Dr. Nikolaos Dagres, Oberarzt der Abteilung für Rhythmologie

Klinikübergreifende Zusammenarbeit

An der praktischen Umsetzung des Vorhabens wirken Patienten mit, denen nach dem Zufallssystem ein biventrikulärer Schrittmacher oder ein biventrikulärer Defibrillator implantiert wurden. Zuvor hatten sie ihre Bereitschaft an der Mitwirkung der Studie erteilt. Die dabei gesammelten Daten werden durch die 101 kardiologischen Zentren, an denen die Eingriffe vorgenommen wurden, zur Auswertung nach Leipzig übermittelt. „Aktuell“, sagt Dr. Dagres, der Studienleiter Prof. Dr. Gerhard Hindricks, dem Ärztlichen Direktor und Leitenden Arzt der Abteilung Rhythmologie im Herzzentrum Leipzig als Stellvertreter zur Seite steht, „sind über 500 Patienten in das Projekt involviert.“ Den prozentual größten Anteil deckt das Herzzentrum Leipzig ab. Um ein konkretes Studienergebnis erzielen zu können, braucht es aber 1.800 Patienten, verdeutlicht Dagres. „Aus diesem Grund wird es noch weitere zwei bis drei Jahre dauern, bevor wir ein abschließendes Resümee ziehen können.“

Ohne Partner geht es nicht

Dann aber werden Kardiologen weltweit eine Entscheidungsstütze zur Auswahl des richtigen Schrittmachers haben, die ihrer Arbeit und dem Wohl der Patienten eine solide Basis gibt. Ihren Anteil daran haben zugleich die Universität Lübeck und die Barmer Krankenkasse, die dem Herzzentrum Leipzig anonymisierte Versorgungsdaten von Patienten zur Verfügung stellen beziehungsweise bei deren Auswertung helfen. Der Leuchtturm, als der das Herzzentrum Leipzig sowohl in seiner Patientenarbeit als auch in der Forschung weltweit anerkennend gesehen wird, hat auch während der Coronakrise nichts an seiner Strahlkraft verloren. An ihm, so zeigt auch die neueste Studie, wird man sich weiter orientieren dürfen.

Forschung und Lehre

Die Forschung ist eine wichtige Säule des Herzzentrums. Unser Ziel ist es, für Patientinnen und Patienten bessere und schonendere Behandlungsmethoden zu entwickeln und die Lebensqualität somit nachweislich zu verbessern.