Sommerrückblick: Arbeiten auf der COVID-19-Station

Sommerrückblick: Arbeiten auf der COVID-19-Station

Leipzig

Die Corona-Situation in Deutschland wirkt beinahe entspannt, während weltweit die Infektionszahlen auf einem neuem Rekordhoch sind. Wir blicken noch einmal in den Mai 2020 zurück. Da haben wir mit den Oberärztinnen Privat-Dozentin Dr. Janine Pöss und Dr. Ulrike Strenge auf der COVID-19-Station gesprochen – die momentan ruht. Ein Einblick in eine Zeit, die fern scheint und doch wiederkommen kann.

Jeder Tag wartet mit unberechenbaren Herausforderungen. Die Situation ist neu, ebenso das Team. Standardisierte Handlungsabläufe helfen, müssen aber dennoch überdacht und angepasst werden. Egal wohin der Weg dabei führt, er dient nur einem Ziel: Leben retten. Doch der Kampf gegen einen gewaltigen, noch unbekannten Gegner erfordert neben Kraft und Mut auch die Einsicht, ihn mitunter zu verlieren. Aufgeben kommt für Privat-Dozentin Dr. Janine Pöss und Dr. Ulrike Strenge aber nicht infrage. Eine Kardiologin und eine Anästhesistin, beide mit Erfahrung in der Intensivmedizin, bilden das Leitungsduo der COVID-19-Station des Herzzentrums und des Helios Park-Klinikums Leipzig. Es ist die erste gemeinsame Station beider Kliniken am Standort. Eine Premiere, die den Fokus der Öffentlichkeit auf sich lenkt.

Anders als im täglichen Klinikalltag versuchen wir etwa den Kontakt zum Patienten zu gering wie möglich zu halten. Stattdessen werden Maßnahmen gebündelt, wobei auch Ärzte pflegerische Arbeiten übernehmen. Jeder Handlungsschritt ist wohl überlegt. Denn neben dem Patientenwohl gilt es hier auch die Gesundheit der Ärzte und Pflegekräfte zu erhalten.

Dr. Ulrike Strenge, Fachärztin an der Klinik Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Helios Park-Klinikum Leipzig

Leitende Ärztin war selbst infiziert

Janine Pöss, Herzzentrum Leipzig
Dr. Janine Pöss war selbst an COVID-19 erkrankt. Für die Kardiologin ein Grund mehr, anderen Infizierten zu helfen.

An fachlichem und technischen Know-how die Station zu betreiben, mangelt es nie. Einzig der Faktor Zeit erwies sich als Hürde. Geeignetes Personal musste schnell gefunden, das Equipment zusammengetragen werden. Zwei Tage, mehr Spielraum blieb den Verantwortlichen von der Ideenfindung bis zur Umsetzung nicht. „Diese Spanne lag zwischen der Entscheidung des Aufbaus der Station und dem Eintreffen der italienischen Patienten, die das Klinikum aus humanitären Gründen aufnehmen und behandeln wollte“, blickt Janine Pöss zurück. Keiner im neu gebildeten Team der Station weiß besser als sie, was es heißt, an COVID-19 erkrankt zu sein. Drei Wochen zuvor litt Pöss selbst unter dem neuartigen Virus. Den Erreger brachte sie vom Skiurlaub in Tirol mit. Noch nie in ihrem Leben habe sie sich bei einem viralen Infekt so krank gefühlt, berichtet die Oberärztin vom Herzzentrum. Selbst heute spüre sie noch bei starker körperlicher Belastung vereinzelt die Nachwehen davon.

Als eine der ersten Sachsen, die von COVID-19 genesen und somit vermeintlich immun gegen die Krankheit sind, war Pöss zusätzlich qualifiziert auf der neuen Station zu arbeiten. Ihr zur Seite steht Dr. Ulrike Strenge. „Ich wurde gefragt und habe nach kurzer Überlegung zugestimmt“, begründet sie ihr Mitwirken in der Führungsriege. Acht Assistenzärzte sowie mehre erfahrene und innovative Pflegekräfte vervollständigten das Team, das seit mehreren Wochen zusammenarbeitet. Ihre Erfahrungen als Intensivmedizinerinnen seien hilfreich, lassen sich jedoch nicht wie eine Schablone anwenden, betonen beide. „Anders als im täglichen Klinikalltag versuchen wir etwa den Kontakt zum Patienten zu gering wie möglich zu halten. Stattdessen werden Maßnahmen gebündelt, wobei auch Ärzte pflegerische Arbeiten übernehmen. Jeder Handlungsschritt ist wohl überlegt. Denn neben dem Patientenwohl gilt es hier auch die Gesundheit der Ärzte und Pflegekräfte zu erhalten“, erläutert Strenge.

Die gegenseitige Kontrolle beim Ein- und Auskleiden mit der Schutzausrüstung zählt ebenso dazu wie die Erkenntnis, dass alle Arbeitsgänge auf dieser Isolierstation deutlich länger dauern als auf einer normalen Intensivstation. Allein für das Drehen eines Patienten werden wegen der technischen Anbindungen bis zu sechs Mitwirkende benötigt.

Privat-Dozentin Dr. Janine Pöss, Oberärztin der Universitätsklinik für Kardiologie – Helios Stiftungsprofessur am Herzzentrum Leipzig

Zwischen Schutzausrüstung und Angst

COVID-19-Schutzausrüstung
Auf der COVID-19-Station ist der Eigenschutz besonders wichtig. Priv.-Doz. Dr. Janine Pöss (links) und Dr. Urlike Strenge helfen sich gegenseitig beim An- und Auskleiden der Schutzausrüstung.

Vor allem die ersten Tage, sagt Janine Pöss, seien für alle ein enormer Lernprozess gewesen. „Die gegenseitige Kontrolle beim Ein- und Auskleiden mit der Schutzausrüstung zählt ebenso dazu wie die Erkenntnis, dass alle Arbeitsgänge auf dieser Isolierstation deutlich länger dauern als auf einer normalen Intensivstation. Allein für das Drehen eines Patienten werden wegen der technischen Anbindungen bis zu sechs Mitwirkende benötigt“, fügt sie an. Die nicht atmungsaktive Schutzkleidung fordern dem Personal zusätzlich Kraft ab. Erschwerend kamen anfänglich Lieferengpässe bei Schutzkleidung und wichtigen Medikamenten hinzu. Die zu beschaffen, sei aufwendig und schwer gewesen. Auch die Angst aller, sich eventuell selbst anzustecken, musste erst überwunden werden.

Rückschläge werden im Team verarbeitet

Ulrike Strenge, Helios Park-Klinikum Leipzig
Nicht jeder Patient überlebt eine COVID-19-Erkrankung. Eine Erfahrung, die im Team verarbeitet wird.

Umso mehr sind das Team und die Klinikleitung stolz auf die Arbeit. Mit voller Härte habe jedoch der Tod der beiden italienischen Patienten alle Mitstreiter des Teams getroffen, sagt Strenge. Die Emotionen, die damit verbunden seien, hätten alle Beteiligten unterschätzt, ergänzt ihre Kollegin. „Der Druck, die beiden Männer wieder gesund zu entlassen, war natürlich enorm groß. Zumal beide Patienten nicht einmal Gelegenheit hatten, sich von ihren Familien zu verabschieden“, bedauert Janine Pöss. Umso mehr setzte man nun alles daran, die beiden verbliebenen deutschen Patienten zu retten. Es ist eine spürbare dynamische Entwicklung, welche die COVID-19-Station des Herzzentrums und des Helios Park-Klinikums Leipzig bis heute genommen hat. „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit hat sich aber auf jeden Fall bewährt. Ich denke, dass der Klinikstandort von der Gesamterfahrung zweifelsfrei profitieren wird. Egal wie sich die Situation hinsichtlich des Verlaufes der Krankheit in Deutschland entwickelt, für Kommendes sei man bestens gerüstet und vorbereitet“, betont Ulrike Strenge.

Mittlerweile hat die Klinik entschieden, dass die COVID-19 Station des Helios Standortes Leipzig auf Abruf stillgelegt wird, um sie bei Bedarf sofort wieder reaktivieren zu können.

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