Mehr als das Auge zu fassen vermag
Studien treiben Fortschritt in der Herz-Bildgebung

Mehr als das Auge zu fassen vermag

Leipzig

Herzkatheteruntersuchungen zählen im Deutschland zu den häufigsten stationären Behandlungen. Mehr als 1,2 Millionen Menschen unterziehen sich pro Jahr einer solchen Prozedur. Nach einer örtlichen Betäubung wird den Patienten ein Katheter meist über die Leiste oder an der Ellenbeuge eingeführt, mit dessen Hilfe schon wenige Augenblicke später der Zustand der Herzkranzgefäße untersucht werden kann. Insgesamt dauert die Untersuchung nur wenige Minuten, das Ergebnis liegt unmittelbar vor.

Die von der Europäischen Union geförderte Studie „Discharge“, zu der auch die Universitätsklinik für Kardiologie – Helios Stiftungsprofessur sowie die Radiologische Abteilung am Herzzentrum Leipzig maßgeblich beigetragen haben, belegt eindrucksvoll, dass eine Untersuchung der Herzkranzgefäße mittels Computertomografie (CT) gegenüber der traditionellen Herzkatheteruntersuchung nicht unterlegen ist. Sie zeigt sogar Vorteile auf, etwa eine niedrigere Komplikationsrate. „Diese Studie wird maßgeblich dazu beitragen, die Rolle der invasiven Diagnostik der koronaren Herzerkrankung weiter zurückzudrängen“, so Prof. Dr. Matthias Gutberlet, Chefarzt der Abteilung für Radiologie im Herzzentrum Leipzig und Professor für Kardiologische Bildgebung in der Radiologie an der Universität Leipzig.

Künstliche Intelligenz erleichtert Arbeiten

In einer anderen aktuellen Studie des Herzzentrums zum CT der Herzkranzgefäße konnte die diagnostische Genauigkeit unter Einsatz von mittels künstlicher Intelligenz generierter Software noch weiter verbessert werden. „Die Methode der CT-FFR erzeugt, ohne in den Körper einzudringen, farbliche Bilder über den Blutfluss in den Herzkranzgefäßen und erleichtert dadurch die Beurteilung, ob dieser behandelt werden muss oder nicht. Das ist mit dem bloßen Auge nicht zu erfassen”, erläutert Prof. Gutberlet.

An 460 Patienten, etwa der Hälfte aller pro Jahr im Herzzentrum vor einem kathetergestützten Klappenersatz zusätzlich an den Herzkranzgefäßen untersuchten Personen, habe man das Verfahren inzwischen getestet. Mit überzeugenden Resultaten. Eine zusätzliche Kontrastmittelgabe durch die Herzkatheteruntersuchung wird damit vermieden. Die jodhaltige Flüssigkeit birgt stets Gefahren einer eventuellen Schädigung der Nieren.

 

„Diese Studie wird maßgeblich dazu beitragen, die Rolle der invasiven Diagnostik der koronaren Herzerkrankung weiter zurückzudrängen“

Prof. Dr. Matthias Gutberlet, Chefarzt der Abteilung für Radiologie am Herzzentrum Leipzig.

Vollständig ersetzen kann die Computertomografie die bewährte Herzkatheteruntersuchung noch nicht. „Allerdings lässt sich mit der CT-Methode bereits bei 40 bis 60 Prozent der untersuchten Fälle eine zusätzliche diagnostische Herzkatheteruntersuchung vermeiden“, so Prof. Gutberlet abschließend.

Radiologie mit Durchblick

CT, MRT, Röntgen: Die Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie legt einen besonderen Schwerpunkt auf die nicht-invasive Diagnostik kardiovaskulärer Erkrankungen.