Corona-Virus

Ab sofort ist das Tragen einer Schutzmaske in der Klinik Pflicht. Wenn Sie sich aufgrund von akuten Herzbeschwerden bei uns vorstellen möchten und gleichzeitig unter grippeähnlichen Symptomen (Husten, Halskratzen, Fieber) leiden, setzen Sie sich bitte vorab telefonisch mit uns in Verbindung. Aktuell finden keine Veranstaltungen statt.

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Herztransplantierte in Corona-Zeiten: Vieles ist anders und doch normal

Herztransplantierte in Corona-Zeiten: Vieles ist anders und doch normal

Leipzig

Zwölf Monate lebt Jörg Pügner bereits im einem fremden Herz in der Brust. Das neue Organ sorgt nicht nur für den geregelten Blutkreislauf im Körper des Zwickauers, vielmehr schenkt es ihm eine völlig veränderte Lebensqualität. Die zu erhalten, erfordert von Pügner allerdings strikte Verhaltens- und Hygieneregeln. Vieles von dem deckt sich auch mit den aktuellen Coronamaßgaben.

Ein Herzinfarkt stellte für Jörg Pügner 2009 das Leben auf den Kopf. Zumal die folgende Bypass-OP nicht den gewünschten Erfolg brachte, sondern sich daraus eine Herzschwäche entwickelte. „Zu guter Letzt konnte ich keine fünf Meter am Stück ohne Pause laufen, schaffte gerade einmal drei Treppenstufen am Stück oder musste wegen einsetzender Luftnot im sitzen schlafen”, blickt der 53-Jährige zurück. Zehn Jahre seines Lebens sollte er der Krankheit opfern. Mit Lebensqualität, so der gelernte Bergmann, hatte das nichts mehr zu tun. Die Freude am Dasein minderten zudem regelmäßige Ohnmachtsanfälle, aufgrund derer er sich sogar Brüche zuzog.

Zu guter Letzt konnte ich keine fünf Meter am Stück ohne Pause laufen.

Jörg Pügner, Herztransplantations-Patient

Ausgelacht für Mund-Nasen-Schutz? Jetzt nicht mehr

Jörg Pügner bekam im Herzzentrum Leipzig ein neues Herz
Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzen gehört für Jörg Pügner zur Normalität – auch vor Corona.

Diese Qual änderte sich ab dem 7. April 2019. Nach sieben Monaten, die Jörg Pügner auf ein Spenderherz wartend im Herzzentrum Leipzig verbrachte, bekam er endlich das sehnsüchtig erhoffte Organ transplantiert. Ein fremdes Organ, dessen war er sich von Beginn an bewusst, versucht der eigene Körper immer wieder abzustoßen. Die regelmäßige Einnahme von Tabletten gehört für Transplantierte deshalb gleichsam zum Tagesalltag wie das Tragen einer Mund-Nase-Maske. „Noch vor einigen Monaten gab es Menschen, die deshalb über mich lachten. So schnell kann das Blatt sich wenden“, bekennt Jörg Pügner mit verschmitzten Augenzwinkern. Womit sich Teile der Bevölkerung angesichts der Corona-Pandemie noch immer schwertun, ist für ihn längst zur Gewohnheit geworden. Auch das Meiden größerer Menschenansammlungen oder der Verzicht auf Händeschütteln und Umarmung kosten ihn längst keine Überwindung mehr.

Jede Verunreinigung könnte zu Komplikationen führen. Das gilt auch für Nüsse, Mandeln und ähnliches, wo sich winzige Pilzsporen ablagern könnten.

Jörg Pügner, Herztransplantations-Patient

Man lernt, mit Verzicht zu leben

Um ein zufriedenes und glückliches Dasein zu führen, muss Jörg Pügner jedoch auf weit mehr verzichten. Salami, Knacker und Hackepeter finden sich seit der Transplantation nicht mehr auf seinem Speiseplan. Obst und Gemüse darf er nur dann zu sich nehmen, wenn es sich schälen lässt. „Jede Verunreinigung könnte zu Komplikationen führen. Das gilt auch für Nüsse, Mandeln und ähnliches, wo sich winzige Pilzsporen ablagern könnten”, verdeutlicht er. Auf Erdbeeren und andere Gaumenfreuden verzichten zu müssen, sei jedoch halb so schlimm. „Angesichts eines im Vergleich zu vorher angenehmen Lebens, nehme ich das gern in Kauf”, bekennt der Sachse. Jedes Risiko gilt es zu vermeiden. Denn während andere beim Verzehr belasteter Lebensmittelmittel nur mit einer Magenverstimmung kämpfen müssten, wartet auf Organtransplantierte die Intensivstation. Selbst Zimmerpflanzen (wegen möglicher Sporen und Keime) sowie Haustiere kommen für ihn nicht mehr in Betracht. Einschnitte, an die sich letztlich auch seine Ehefrau gewöhnen musste. „In Summe betrachtet, klingt das alles viel. Und trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass ich ein ganz normales Leben führe”, sagt Jörg Pügner überzeugt.

Vieles von dem, was an Verhaltensregeln im Zuge der Coronakrise von uns allen verlangt wird, ist für Transplantierte längst Normalität.

Elke Scholz-Zeh, Koordinatorin für Herztransplantationen im Herzzentrum Leipzig

Aktuelle Verhaltensregeln sind für Transplantierte Normalität

„Vieles von dem, was an Verhaltensregeln im Zuge der Coronakrise von uns allen verlangt wird, ist für Transplantierte längst Normalität”, ergänzt Elke Scholz-Zeh, Koordinatorin für Herztransplantationen im Herzzentrum Leipzig und Vereinsvorsitzende des HLTX e.V., dem Verein für Herz-Lungen-Transplantation in Leipzig. Dass diese Patienten sich angesichts Corona nun vermehrt Sorgen machen müssten, kann sie entkräften. „Bei entsprechender Vorsicht und Einhaltung der Hygieneregeln gibt es nur wenige Unterschiede zur Normalbevölkerung. Zudem müssen sich Transplantierte regelmäßig einem Arzt vorstellen, was ihnen zusätzliche Sicherheit gibt“, sagt sie.

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