Der richtige Umgang mit Wunden: Reicht da noch ein Pflaster?

Der richtige Umgang mit Wunden: Reicht da noch ein Pflaster?

Leipzig

Etwa 12.000 Menschen sterben jedes Jahr durch Unfälle im Haushalt. Ein Vielfaches höher ist allerdings die Zahl derer, die sich bei Handwerks-, Küchen- oder Gartenarbeiten verletzt. Mitunter reicht schon ein Pflaster, um den „Schaden“ zu beheben. Doch manchmal kommt die Hausapotheke an ihre Grenzen und ein Arzt ist dringend von Nöten, wie Wundmanagerin Heidi Streller vom Herzzentrum und Helios Park-Klinikum Leipzig weiß.

Ein unachtsamer Moment oder ein Quäntchen zu viel Mut und Selbstüberschätzung genügen und schon ist sie da, die Verletzung in Form von Schnitten oder Kratzern. Sofern ein kleines Pflaster ausreicht die Blutung zu stillen oder Hautschürfung abzudecken, ist alles in Ordnung. In dem Fall sprechen Mediziner von der sogenannten primären Wundheilung. „Die liegt vor, wenn etwa glatte Wundränder oder oberflächliche, nicht zu tiefe Schnittverletzungen die Folge des Malheurs sind“, erläutert Heidi Streller, Wundmanagerin am Herzzentrum und Helios Park-Klinikum Leipzig. Schwieriger wird es erst, fügt sie an, wenn sich aufgrund der Verletzung eine größere medizinische Versorgung notwendig macht.

Doch auch der Biss einer Katze birgt hohe Risiken. Allerdings nehmen ihn viele weniger ernst.

Heidi Streller ist Wundmanagerin am Herzzentrum und Helios Park-Klinikum Leipzig

Eis und schnelle Beine

Vor allem bei Bisswunden, betont sie, sollte grundsätzlich ein Arzt aufgesucht werden. Die eines Hundes, sagt Heidi Streller, wisse jeder einzuordnen. „Doch auch der Biss einer Katze birgt hohe Risiken. Allerdings nehmen ihn viele weniger ernst. Der gefährlichste Biss ist aber immer noch der eines Menschen”, stellt sie heraus. Doch auch bei, zumeist stark blutenden, Platzwunden am Kopf, Verbrennungen oder stark zerklüfteten Wundrändern, wie sie durch elektrische Handwerksgeräte zugeführt werden können, ist umgehend ein Arzt zu konsultieren. Gänzlich unnütz ist in dem Fall die Hausapotheke nicht. „Um die Blutung zu stillen, gilt es sie mit einer sterilen Kompresse abzudecken. Das Material, das für solch einen Druckverband nötig ist, findet sich in jedem Verbandskasten“, ergänzt Heidi Streller. Sofern der Extremfall eintritt und durch den Unfall Gliedmaßen abgetrennt wurden, sollte man Ruhe und Umsicht bewahren. „Das abgetrennte Körperteil gehört umgehend in einen sauberen Beutel, der wiederum in einen mit Eis bestückten Beutel gelegt wird. Je gründlicher das passiert und je schneller der Verunfallte zum Arzt geht, umso größer ist die Chance, die betreffenden Gliedmaßen wieder anzunähen und ihre Funktionstüchtigkeit herzustellen”, mahnt die Wundmanagerin zur Eile.

Wundversorgung ist erlernbar

Im Verlaufe ihrer Arbeit hat Heidi Streller bereits viele Wunden gesehen. Von dem Wissen, das sie sich während ihrer Ausbildung und durch das praktische Erleben erworben hat, profitieren längst auch andere medizin des Helios Park-Klinikums und Herzzentrums Leipzig. „Wir beraten mit dem Arzt die beste Wundversorgung für den Patienten und schulen darüber hinaus die Pflegefachkräfte in der Wundversorgung“, sagt sie. Im Klinikbetrieb agiert das Wundmanagement zugleich als Schnittstelle zwischen Arzt und Patient und ist dafür verantwortlich, dass die Wunden optimal versorgt werden. Zugleich ist es ihre Aufgabe, das Sortiment an Verbandsmaterial im Blick zu behalten und Patienten oder deren Angehörige zu schulen, damit diese sich im häuslichen Umfeld weitestgehend selbst versorgen können, umreißt Heidi Streller ihr berufliches Aufgabenfeld.

Nicht selten akzeptieren die Betreffenden ihr Leiden oder sind der Auffassung, da ließe sich nichts machen. Doch das ist falsch – jede Wunde ist heilbar.

Falsche Einschätzung

Immer öfter bekommen die Wundmanagerinnen jedoch auch Wunden zu sehen, die längst einem Arzt hätten vorgestellt werden müssen. Vielfach handelt es sich dabei um chronische Wunden, wie sie etwa bei Diabetikern auftreten können. „Nicht selten akzeptieren die Betreffenden ihr Leiden oder sind der Auffassung, da ließe sich nichts machen. Doch das ist falsch – jede Wunde ist heilbar”, verdeutlicht Heidi Streller. Zudem rät sie jedem, dessen Wunde nach acht Wochen noch nicht verheilt ist, diese einem medizinischen Experten vorzustellen. Langes Zögern und eine daraus resultierende Falschbehandlung komplizieren den möglichen Heilungsprozess nur unnötig.

Vorsicht beim Sonnenbaden

Nicht zu spaßen sei nach Aussage der Wundmanagerin mit einem starken Sonnenbrand. Schon jetzt, da die Temperaturen wieder zu kleidungsarmer Arbeit im Garten einladen, bestehe die Gefahr, dass Teile der Haut durch zu viel Sonne in Mitleidenschaft gezogen werden. Spätfolgen wie Hautkrebs sind dann nicht ausgeschlossen. Doch auch zeitnah schränkt der Sonnenbrand die Funktionalität der Haut, des mit etwa zwei Quadratmeter größten Organs erwachsener Menschen, stark ein. Bei Kindern sei die Gefährdung sogar noch größer, mahnt Heidi Streller. Das Ausmaß der Schäden lässt sich anhand der sogenannten Neuneregel leicht selbst einschätzen. „Sie gilt ab Verbrennungen zweiten Grades für den gesamten Körper: Rücken, Brust und Bauch sind jeweils 18 Prozent, jeder Arm, jedes Bein und Kopf sind neun Prozent, der Genitalbereich ein Prozent. Bei Verbrennungen von zehn Prozent sollten erwachsene Patienten dringend in ein Brandverletztenzentrum verlegt werden.”