„Der Nächste bitte zum Videogespräch!“
Telesprechstunde im Herzzentrum

„Der Nächste bitte zum Videogespräch!“

Leipzig

Arztbesuche sind wichtig und teils lebensnotwendig, doch sie können auch zeitraubend sein. Vor allem dann, wenn für die anstehende Untersuchung oder das Arztgespräch hunderte Kilometer zurückgelegt werden müssen. Im Herzzentrum Leipzig beschreitet man aus diesen Gründen neue Wege. Sofern möglich, findet die Kommunikation zwischen Arzt und Patient per Videogespräch statt.

Patientenwohl steht für jeden Mediziner an erster Stelle. Das Fachwissen der Ärzte, unterstützt durch hochwertige Technik, bildet das Grundgerüst einer guten Behandlung. Zudem werden Angebot und Funktionalität der Medikamente permanent größer und besser. Die stetig ansteigende Lebenserwartung der Menschen, zumindest in den westlichen Ländern, ist ein klares Indiz für diese Punkte. Was den Menschen jedoch nicht geschenkt werden kann, ist Zeit. Arztbesuche können mitunter sehr langwierig sein. Vor allem wenn die Praxis des Mediziners weit entfernt vom Heimatort des Patienten liegt.

Keine Diagnostik

Seit gut 18 Monaten bietet das Herzzentrum Leipzig daher einzelnen Patienten erfolgreich Telesprechstunden an. „Durchschnittlich führen wir bis zu 70 Gespräche pro Monat“, sagt Dr. Susanne Löbe, Funktionsoberärztin in der Abteilung für Rhythmologie. Im Speziellen sind es Patienten, die nach einer erfolgreichen Ablationsbehandlung bei Vorhofflimmern regelmäßige Nachuntersuchungen absolvieren müssen. „Der Anfahrtsweg zu uns beträgt für einzelne Patienten bis zu 500 Kilometer. Diese können nun gespart werden“, betont Löbe. Sofern keine Diagnostik ansteht und der Patient nicht über Luftnot, Herzrhythmusstörungen oder andere Beschwerden klagt, treffen sich Arzt und Patient stattdessen beim Videogespräch. Eigens hierfür wurde im Herzzentrum ein spezieller Raum eingerichtet, der sicherstellt, dass außer dem Arzt keine weitere Person zugegen ist. Die verwendete Videosoftware wurde von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zugelassen, Videoaufzeichnungen der Gespräche sind aus Datenschutzgründen nicht erlaubt. Was für den Mediziner von Relevanz ist, wird nach wie vor klassisch in der Patientenakte vermerkt.

Der Anfahrtsweg zu uns beträgt für einzelne Patienten bis zu 500 Kilometer. Diese können nun gespart werden.

Dr. Susanne Löbe, Funktionsoberärztin in der Abteilung für Rhythmologie

Hausarzt hilft

„Sollte für das Patientengespräch etwa ein EKG nötig sein, kann dies zuvor vom Hausarzt angefertigt werden”, erläutert Dr. Löbe. Die Ärztin ist aktuell eine von sieben Medizinern des Herzzentrum Leipzig, die für Onlinesprechstunden geschult wurde und sie regelmäßig durchführt. Nach ihren Erfahrungen befragt, überwiegen größtenteils die positiven Aspekte. „Es ist eine Angebotserweiterung für unsere Patienten, die diese gern annehmen“, berichtet sie. Anfänglich habe es hin und wieder Probleme mit der Internetverbindung gegeben. Was vor allem bei Gesprächen mit Patienten aus dem ländlichen Raum zutraf. Doch mittlerweile, sagt sie, habe sich die Situation deutlich verbessert.

Nicht jeder darf

Videosprechstunde im Herzzentrum Leipzig
Die Videosprechstunde läuft über eine sichere Software, die für Patienten einfach zu handhaben ist.

Infrage kommt diese moderne Form des Arztgespräches aber nur für Patienten, die im Herzzentrum bereits vorstellig waren. „Das Gespräch setzt voraus, dass Arzt und Patient sich kennen, die Krankengeschichte bereits thematisiert wurde. Eine Diagnostik bei Beschwerden lasse sich online natürlich nicht durchführen“, betont Löbe. Allerdings bleibt die Entwicklung auch hier nicht stehen. Mittlerweile gibt es technische Hilfen, unter anderem Uhren, dank derer sich diagnostische Daten ermitteln lassen. In naher Zukunft könnte es also möglich sein, dass der Arzt auch auf diese zugreifen kann.

Gut beraten

Etwa 20 Prozent der Patienten einer Onlinesprechstunde werden nach einem Videogespräch noch einmal ins Herzzentrum einbestellt. Alle anderen können weiterhin im heimischen Umfeld bleiben und sich dennoch gut beraten und behandelt fühlen. „Auch wenn die Patienten bei uns nicht direkt vorstellig sind, bleiben wir dennoch in engem Kontakt mit ihnen. Zudem profitiert das Zeitmanagement des Klinikums von dieser Behandlungsform, was nachweisbar effektiver wird. Es ist daher eine echte Win-Win-Situation für beide Seiten”, so das Resümee der Rhythmologin.

Kinderherzzentrum zieht nach

Noch ist die Onlinesprechstunde auf die Rhythmologie des Herzzentrums begrenzt. Für jedes Krankheitsbild, betont Löbe, lasse sich das Konzept nicht anwenden. Von den positiven Erfahrungen können aber schon bald Patienten der Kinderkardiologie des Herzzentrums profitieren. Für sie soll absehbar ein gleichwertiges Portal geschaffen werden.