Darauf müssen Herztransplantierte in Corona-Zeiten achten

Darauf müssen Herztransplantierte in Corona-Zeiten achten

Leipzig

Wer ein Spenderorgan besitzt, zählt zur Hochrisikogruppe. Nicht umsonst müssen diejenigen die Hygieneregeln streng einhalten. Was das bedeutet wissen die HTX-Koordinatorin des Herzzentrums Leipzig Elke Scholz-Zeh und der 2020 transplantierte Sven Fischer.

Der Verhaltenskodex, dem sich Herztransplantierte unterordnen müssen, ist streng. Er besagt unter anderem, was und in welcher Menge die Patienten essen und trinken dürfen, gibt ihnen allgemeine Diätempfehlungen vor, regelt Fragen der Hygiene im häuslichen Umfeld, animiert sie zum Sporttreiben und empfiehlt den Betroffenen, allzu engen Kontakt zu Haustieren oder die Anschaffung von Zimmerpflanzen zu vermeiden.

Besonders in den ersten Monaten nach der Herztransplantation sind die Patienten besonders gefährdet.

Elke Scholz-Zeh, HTX-Koordinatorin am Herzzentrum Leipzig

Ein hoher Preis, der es Wert ist

Das zweite Leben, das Herztransplantierten geschenkt wurde, verlangt demnach einen hohen Preis. Den zu zahlen es aber wert ist. Zumal die Forderungen, so schwer sie mitunter auch sein mögen, für jeden einzelnen realisierbar sind. Ganz anders verhält sich der Umgang mit Covid-19, da es hier noch viele Unbekannten gibt. Sicher ist allerdings: „Besonders in den ersten Monaten nach der Herztransplantation sind die Patienten besonders gefährdet“, verdeutlicht Elke Scholz-Zeh, HTX-Koordinatorin und Ansprechpartnerin für Patienten mit Herztransplantation beziehungsweise Transplantationsbedarf im Herzzentrum Leipzig. Das nach der Operation geschwächte Immunsystem gelte es daher besonders vor einem Angriff von außen zu schützen. Was genau das Coronavirus mit Menschen macht, die ein Spenderorgan erhalten haben, wisse man bislang noch nicht vollständig. „Wie bei vielen Dingen, die Covid-19 anbelangt, unterliegen wir auch hier einem Lernprozess. Aber wir machen große Fortschritte und haben bislang jeden einzelnen Fall mit Bravour gemeistert“, fügt die Koordinatorin für Herztransplantationen an.

Händedesinfektion und Mund-Nasen-Schutz

Die Hauptlast jedoch obliegt weiter bei den Patienten. Sie sind es, die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen müssen. Sven Fischer aus Auerbach im Vogtland hat diese Maxime verinnerlicht. „Das Tragen einer Mund-Nase-Maske gehörte für Herztransplantierte schon vor Corona zum Alltag. Jetzt aber kommt es darauf an, sich vor weiteren Infektionsquellen zu schützen“, betont der 40-Jährige. Mehr denn je desinfiziert Sven Fischer deshalb nach jedem Schritt, den er aus seiner Wohnung macht, die Hände. Ein kurzer Gang in den Keller seines Mehrparteienhauses? Hände desinfizieren! Ein Griff an die Zapfsäule der Tankstelle? Nur mit Handschuhen!

Sven Fischer weiß, was er seinem Körper jetzt schuldet. An seinem 19. Geburtstag durchlitt er einen Herzinfarkt, dessen Auswirkungen 2003 in einer Herzinsuffizienz mündeten. Zwei Jahre später stand er erstmalig auf der Spenderliste für ein neues Herz. „Mit viel Sport und Bewegung konnte ich den Gesundheitszustand aber stabilisieren“, erzählt er rückblickend.

Im Supermarkt bin ich sieben Uhr morgens immer einer der Ersten.

Sven Fischer erhielt 2020 ein neues Herz

Menschen meiden und Bewegung

Aktives Bewegen gehört deshalb bis heute zu seinem wöchentlichen Aufbauprogramm. Drei- bis viermal pro Woche unternimmt er lange Spaziergänge, vorzugweise im Wald. „Viel frische Luft und kaum Menschen”, begründet er die Wahl der Örtlichkeit. Mittlerweile, bekundet Sven Fischer, der am 29. Oktober 2020 ein neues Herz bekam, stolz, könne er einen ruhigen und regelmäßigen Puls aufweisen. Um sich möglichst wenig Gefahr durch Mitmenschen auszuliefern, verlegt er alle notwenigen Tätigkeiten außer Haus auf die frühen Morgenstunden. „Im Supermarkt bin ich sieben Uhr morgens immer einer der Ersten“, nennt er als Beispiel. Letztendlich, sagt der Vogtländer, diene alles was er tue, nur einem Ziel: Gesund bleiben für ein möglichst langes Leben.

Impfung empfohlen

Viel Bewegung an der frischen Luft, Achtsamkeit und das Einhalten der gebotenen Regeln sind neben den steten medizinischen Kontrollen für Herztransplantierte eine gute Basis, sicher durch die Pandemie zu kommen. Auch einer Impfung gegen Covid-19 steht laut Elke Scholz-Zeh nichts im Wege. „Aufgrund der Schwächung des Immunsystems im Zuge der Transplantation und der damit verbundenen Medikamentengabe kann es vielleicht zu vereinzelten Reaktionen kommen, ähnlich einer Grippeschutzimpfung, aber auch das ist beherrschbar”, sagt sie. Um einen Impftermin, fügt sie an, müsse sich jeder Patient jedoch selbst kümmern. Diesen Dienst kann und darf das Herzzentrum Leipzig nicht übernehmen.

Herztransplantation ist der Goldstandard

Das Herzzentrum Leipzig ist das zweitgrößte Herztransplantationszentrum Europas. Sowohl vor als auch nach der Operation kümmert sich unser erfahrenes Transplantationsteam um unsere Patienten.