(Kein) Kreuz mit dem Kreuz
Tipps zum Tag der Rückengesundheit

(Kein) Kreuz mit dem Kreuz

Kronach

Rückenschmerzen sind einer Studie der Krankenkasse DAK zufolge die zweithäufigste Einzeldiagnose für Krankschreibungen. Hochgerechnet auf die erwerbstätige Bevölkerung führt dies jährlich zu rund 35 Millionen Ausfalltagen im Job. Die Ursachen gehen meist von der Wirbelsäule aus. Manchmal ist eine Operation unumgänglich, löst aber nicht zwangsläufig alle Probleme, sagt Dr. Sagar Singh, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie der Helios Frankenwaldklinik Kronach anlässlich des Tags der Rückengesundheit.

„Im Laufe unseres Lebens bekommen wir Fältchen oder graue Haare. Genauso verschleißen auch unser Bewegungsapparat und die Wirbelsäule“, sagt Dr. Singh. „Begünstigen können dies genetische Gründe, aber auch bestimmte Lebensweisen. Viele spüren schon als junge Menschen ihr Kreuz mit dem Kreuz.“ Andere hätten Glück und blieben bis ins hohe Lebensalter verschont, weiß Dr. Singh.

Typische Symptome für Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule können Rückenschmerzen sein, die häufig in die Pobacken oder Leiste ausstrahlen können. Ebenso eine verminderte Beweglichkeit aber auch ausstrahlende Schmerzen, Missempfindungen oder gar Kraftminderungen bis hin zu Lähmungen in den Beinen sind mögliche Symptome. Ursächlich sind in den meisten Fällen ein Bandscheibenvorfall oder eine Einengung des Wirbelkanals – eine so genannte Spinalkanalstenose.

Während beim Bandscheibenvorfall oft berechtige Hoffnung auf eine spontane Besserung der Beschwerden besteht, ist dies bei einer Einengung des Wirbelkanals häufig nicht so ohne weiteres der Fall. Denn die Einengung entsteht durch Knochenveränderungen, die zu einem Verschleiß der kleinen Gelenke am Wirbelkanal führen. Es entstehen knöcherne Neubildungen, die in den Wirbelkanal hineinragen und diesen verengen. Die dort verlaufenden Nerven drücken sich dann durch feste, unflexible Strukturen, was Schmerzen auslöst. 

Ein Bandscheibenvorfall hingegen kann mit etwas Glück austrocknen. Denn der Kern der Bandscheibe besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Bei einigen Patienten trocknet er mit der Zeit aus und schrumpft. Dadurch nimmt der Druck auf den eingeklemmten Nerv ab und die Schmerzen lassen nach. 

Die zuvor durch die verrutschte Bandscheibe eingeklemmten Nerven erhalten wieder mehr Freiheit, und der Schmerz lässt nach. Betroffene, deren Rückenschmerzen auch in die Beine ausstrahlen können, erreichen meist Besserung, wenn sie Schmerzmitteln einnehmen und sich einige Tage Ruhe gönnen. Wichtig ist eine anschließende Bewegungstherapie und Krankengymnastik zur Stabilisierung. 

Patienten mit starken Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder gar Lähmungen, die im Extremfall sogar mit Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang einhergehen, sollten einen Arzt aufsuchen, um der Ursache nachzugehen. In bestimmten Fällen kann eine Operation effektiv und sinnvoll sein, allerdings behebt sie nicht alle Arten von Beschwerden. Hier ist die fachmännische und gute Beratung durch einen Experten gefragt. Grundsätzlich gilt, dass eine gut trainierte Rückenmuskulatur die Wirbelsäule stabilisiert, so dass man trotz Spinalkanalstenose beschwerdefrei sein kann. Patienten mit schlecht ausgebildeten Rückenmuskeln entwickeln dagegen häufiger typische Stenose-Symptome. Wie bei vielen lebensbedingten Verschleißerscheinungen kann also jeder durch ein aktiv gestaltetes Leben mit viel Bewegung, Sport an der frischen Luft und einer ausgewogenen Ernährung seine Wirbelsäule schützen.

Stefan Studtrucker

Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefan Studtrucker

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