Die Spritze gegen die Pandemie

Die Spritze gegen die Pandemie

Kronach

Am 11. Januar 2021 fand die die erste große Corona-Impfung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Helios Frankenwaldklinik Kronach statt. Über 90 von ihnen erhielten dabei die begehrte Dosis. Wie sehen ihre ersten Eindrücke aus?

"Ich freue mich, so früh dabei zu sein!", kommentiert eine Krankenschwester und zeigt zufrieden das kleine Pflaster auf ihrem linken Oberarm. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Abteilungen des Kronacher Krankenhauses sitzt sie im Klassenzimmer der Berufsfachschule für Pflege, locker verteilt auf Pulte, die an jugendliche Schulerlebnisse erinnern. Es ist der Montag nach dem Dreikönigstag. Vor dem Fenster grüßt die winterlich verschneite Stadt und auf dem Fensterbrett glitzert der letzte, noch nicht abgenommene Weihnachtsschmuck. Sonst stehen hier um diese Jahreszeit nach den Ferien wieder Lektionen für angehende Pflegefachkräfte auf dem Stundenplan, doch hat das Corona-Virus dafür gesorgt, dass vorerst an Präsenzunterricht nicht zu denken ist. Nun ist das Klassenzimmer der Beobachtungsbereich der ersten großen Impfaktion gegen das Virus in der Helios Frankenwaldklinik Kronach. Eine Viertelstunde lang müssen alle Geimpften hier darauf achten, ob sie die Spritze gut vertragen.

 

Über 90 Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, medizinische Fachangestellte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Funktionsdienste und Angehörige weiterer Berufsgruppen haben sich vorab freiwillig gemeldet, heute ihre Corona-Impfung zu erhalten. Viele kommen eigens zu ihrem Termin in die Klinik, andere lassen sich kurz in ihrem Bereich vertreten. Seit den Morgenstunden ist die mobile Impftruppe des Gesundheitsamts Kronach vor Ort, registriert die Teilnehmer*innen, misst Körpertemperatur und Blutsauerstoffsättigung, fragt bekannte Allergien etc. ab, klärt über die Impfung auf und setzt die begehrte Spritze, die den Sieg über das Virus bringen soll. Die eigentliche Impfung ist schnell erledigt, nur wenige Minuten heißt es, die Zähne zusammenzubeißen und den Arm lockerzulassen, dann ist bereits der Nächste an der Reihe. Die Handgriffe sitzen, offene Fragen bleiben nicht lange unbeantwortet.

 

"Wir wollen, dass es irgendwann mal besser wird, dass Corona möglichst schnell vorbei ist!", erklären gleich mehrere Anwesende ihre Motivation, unter den ersten zu sein, die sich impfen lassen. Neben ihrer eigenen Gesundheit geht es geht ihnen auch um die ihrer Kolleginnen und Kollegen: Manch einer, der Corona durchgemacht hat, hat immer noch mit dessen Folgen zu kämpfen. Und auch wenn die akuten Krankheitsausfälle wieder zurückgehen, macht jeder einzelne die tägliche Dienstplanung aufwendig und anstrengend. Auf der anderen Seite gilt eine große Sorge den Angehörigen daheim, von denen viele aufgrund von Vorerkrankungen oder ihres Alters zur Risikogruppe gehören: "Ich will meine Eltern nicht anstecken," berichtet eine Kollegin aus der Intensivpflege, "und möglichst bald wieder ohne Maske arbeiten!", fügt sie in hoffnungsvollem Ton hinzu.

 

Bis es soweit ist, wird es allerdings noch etwas dauern: Zusammen mit einer ersten Impfung im kommunalen Impfzentrum kurz vor Jahreswechsel, zu der auch schon einige Klinikangehörige kommen konnten, ist nun zwar bereits der Grundstock gelegt für die Immunisierung von knapp einem Fünftel der Belegschaft. Um den Schutz zu komplettieren, braucht es allerdings noch eine zweite Dosis in 21 Tagen und danach eine weitere Woche Wartezeit. Mehrere Impftermine werden also noch folgen. Auch wird sich erst zeigen, wie gut die Impfung nicht nur die eigene Erkrankung verhindert, sondern ebenfalls davor schützt, dass man selbst zum Überträger wird. Deswegen heißt es vorerst weiterhin, die bekannten AHA-Regeln und das Hygienekonzept einzuhalten. So sollen Krankheitsübertragungen vermieden werden, bis die Fallzahlen insgesamt zurückgehen und wieder Normalität Einzug hält.

 

Und wie sieht es mit der Impfung selbst aus? Haben die Frischgeimpften Sorgen, dass diese ihnen schaden könnte? "Ich habe mehr Angst vor der Krankheit selbst als vor möglichen Nebenwirkungen", erläutert eine Mitarbeiterin und fügt lächelnd hinzu: "Mein Sohn hat mich angetrieben!". Mehr Informationen im Vorfeld gewünscht hätte sich ein junger Krankenpfleger, dann wäre ihm die Entscheidung leichter gefallen. Zum Glück habe sich eine Ärztin des Hauses kurz Zeit für ein klärendes Gespräch nehmen können. "Großen Dank dafür!", lässt er ausrichten. Für eine gerade zur Tür des Wartezimmers hereinkommende Kollegin war die Entscheidung indes sehr einfach: "Ich habe mich schon gegen alles Mögliche impfen lassen!", bringt sie es auf den Punkt. Solidarität und Eigenschutz seien jetzt gleichermaßen wichtig.

 

Ein schneller Blick auf die Klassenuhr verrät zwei Anwesenden, dass ihre Viertelstunde Wartezeit vorüber ist. Abgesehen von einem leichten Ziehen an der Einstichstelle sind sie wohlauf. Für die beiden Mitarbeiterinnen der Frankenwaldklinik geht es nun wieder zurück in den Alltag. Draußen nehmen die Helfer der Impftruppe noch immer weitere Impfwillige auf, gerade sind mehrere Ärzte der Anästhesie an der Reihe. Im Gehen setzt eine Kollegin der geriatrischen Station das passende Schlusswort für diesen Tag: "Es ist ein gutes Gefühl, aktiv etwas tun zu können, damit es besser wird!"

Stefan Studtrucker

Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefan Studtrucker

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