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Gynäkologische Onkologie: Im Ernstfall zwei Leben retten

Gynäkologische Onkologie: Im Ernstfall zwei Leben retten

Krefeld

Innovative, multimodale Krebstherapien erhalten Leben und Kinderwunsch

Die Gynäkologie behandelt Erkrankungen der weiblichen Sexual- und Fortpflanzungsorgane – und umfasst auch die Geburtshilfe. Die Onkologie befasst sich mit der Krebstherapie. In der gynäkologischen Onkologie treffen beide Aspekte oft schicksalhaft aufeinander: Die meisten Patientinnen befinden sich bereits in der zweiten Lebenshälfte, doch gerade wenn junge Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken, steht nicht nur ihr eigenes Leben auf dem Spiel: Die Diagnose bedeutet nicht selten den Abschied vom innig gehegten Kinderwunsch oder gar vom noch ungeborenen Leben. Leben zu erhalten – und zwar in zweifacher Hinsicht –, ist hingegen das, was  Prof. Dr. Michael Friedrich, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Helios Klinikum, jeden Tag antreibt. Mit großem Fachwissen und Einfühlungsvermögen, modernster Technik und einem umfassenden Expertenteam stellt er sich der Herausforderung.

 

Schonender Eingriff im Frühstadium

Mit dem Da Vinci Xi steht Prof. Michael Friedrich (r.) und Oberarzt Dr. Jörg Stunneck die derzeit modernste Technik zur Verfügung.

Gebärmutterhöhlen-, Gebärmutterhals- und Eierstockskrebs: Rund 30.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an diesen Krebsarten. Eigentlich sind sie gut behandelbar, wie Friedrich bestätigt: „Im Frühstadium, wenn der Krebs noch lokal begrenzt ist, setzen wir minimalinvasive Methoden wie die Operation mit dem DaVinci-System ein, die besonders schonend sind und eine optimale Heilung begünstigen. Ein besonderer Vorteil des DaVinci ist neben der hohen Präzision und Beweglichkeit der Instrumente die starke Vergrößerung des beengten Operationsfelds durch die spezielle Optik. Sie vereinfacht auch die Identifikation der sogenannten Wächterlymphknoten, deren Entfernung einen wesentlichen Faktor in der Therapie des Gebärmutterhöhlenkrebses darstellt.“

Späte Diagnose – trotz Vorsorge

In der Realität wird vor allem der Eierstockskrebs jedoch oft erst spät erkannt. „Er ist tückisch, weil er lange symptomlos bleibt. Häufig hilft dann nur noch die komplette Entfernung der Gebärmutter, der Eierstöcke, der Lymphknoten sowie bereits befallener Organe. Gebärmutterhalskrebs hingegen wird durch die jährliche Vorsorge eigentlich frühzeitig erkannt, doch nicht alle Frauen nehmen sie in Anspruch. Wenn sie dann mit Beschwerden zum Arzt gehen, liegt nicht selten schon ein fortgeschrittenes Stadium vor“, erklärt der gebürtige Saarländer.  „Bei diesen Operationen, die wir in der Regel mit einem klassischen Bauchschnitt durchführen, kommt es auf die genaue Analyse des Tumorgewebes an“, geht Friedrich ins Detail. „Der Pathologe bestimmt anhand molekularbiologischer Marker Eigenschaften und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors. So lässt sich eine passgenaue, individuelle Therapie definieren, die nicht nur die Chirurgie, sondern auch innovative zielgerichtete Therapien, Chemo- oder Strahlentherapie umfassen kann.“ Zusätzlich steht dem Chefarzt der Frauenheilkunde in der Behandlung von Eierstockkrebs mit dem HIPEC-Verfahren eine chemotherapeutische Spülung der Bauchhöhle zur Verfügung, mit der nicht sichtbare Tumorzellen abgetötet und so der weiteren Verbreitung der Krankheit entgegengewirkt werden kann.

Kinderwunsch und Gebärmutter erhalten

In der Regel treten die genannten Krebsarten ab dem 60. Lebensjahr auf, doch es gibt Ausnahmen, etwa bei entsprechender genetischer Vorprägung. Diese Fälle sind besonders einschneidend, weil sie nicht selten mit einem noch unerfüllten Kinderwunsch kollidieren – oder gar während einer Schwangerschaft auftreten. Dann sind Expertise und Erfahrung eines spezialisierten Teams sowie ein multimodales Behandlungsspektrum besonders gefragt: Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, engagiert sich Friedrich in der renommierten internationalen Fachgesellschaft „Society of pelvic surgeons“, in der Gynäkologen ihre Erfahrungen teilen, oder beteiligt sich an Studien mit der Berliner Charité. „Eine 31-jährige Patientin kam mit der Diagnose Gebärmutterhalskrebs zu mir. Sie war verzweifelt, weil ihr Traum, Mutter zu werden, wie eine Seifenblase zu platzen drohte. In einer anderen Klinik hatte man ihr zur Entfernung der Gebärmutter geraten, doch Größe und Art des Tumors erlaubten eine andere Therapie. So konnten wir die Gebärmutter und die Chance, ein Kind auszutragen, erhalten. Ein halbes Jahr nach dem Eingriff wurde die Patientin tatsächlich schwanger“, lächelt der Gynäkologe. „Während der Schwangerschaft und der Entbindung wurde sie von uns eng betreut, denn das Risiko von Komplikationen oder einer Fehlgeburt ist nach einer solchen Operation signifikant höher. Die Anstrengungen haben sich gelohnt: Heute ist die junge Frau glückliche Mutter von inzwischen zwei gesunden Kindern.“

Eierstockkrebs während der Schwangerschaft

Noch dramatischer ist es, wenn beispielsweise ein Eierstockskrebs während der Schwangerschaft entdeckt wird. Doch auch hier bietet die moderne Medizin neue Chancen. Unter besonderen Voraussetzungen ist die gynäkologische Onkologie in der Lage, das Wachstum des Krebses durch eine Chemotherapie zu bremsen und die Eierstöcke sowie die Gebärmutter für die Dauer der Schwangerschaft zu erhalten. Auch von einem solchen Fall kann Friedrich berichten: „Eine werdende Mutter traf nach der Diagnose ganz bewusst die Entscheidung, lieber vielleicht nur eine kurze Zeit des Mutterseins zu erleben, als ein Leben ohne diese Erfahrung zu führen. Wir behandelten und beobachteten sie während der Schwangerschaft sehr genau und engmaschig. Alles verlief gut: Sie brachte ein gesundes Kind zur Welt, wir führten die stadiengerechte Operation durch. Bis heute ist die junge Frau krebsfrei geblieben“, resümiert der Chefarzt. Es sind solche bewegenden Erfolgserlebnisse, für die sich der unermüdliche Einsatz, jede gemeinsame Anstrengung und die oft zehrenden Stunden im Operationssaal lohnen – für Töchter, Mütter und Großmütter.

Mehr Informationen: Gynäkologisches Krebszentrum