ATA – alles andere als einschläfernd

ATA – alles andere als einschläfernd

Krefeld

Was macht eigentlich eine Anästhesietechnische Assistentin? Wir haben Anika Ziemes, ATA am Operativen Zentrum unseres Klinikums, einen Tag lang begleitet.

7.45 Uhr: Anika Ziemes empfängt ihre erste Patientin an der OP-Schleuse des Operativen-Zentrums – eine 76-Jährige, die heute ein neues Kniegelenk bekommt. Ihre blonden, zum Pferdeschwanz gebundenen Haare trägt Anika unter einer Haube. Vor der Narkose nimmt sie sich Zeit, um mit der Seniorin ins Gespräch zu kommen. „Ist das Ihre erste Operation?“ Als Anästhesietechnische Assistenten, kurz ATA, weiß sie genau, wie sich die Patientinnen und Patienten durch ein Lächeln oder eine Frage gleich ein wenig besser fühlen. Dafür hat die sympathische Krefelderin auch schon einmal mit einem Patienten vor der Narkoseeinleitung gesungen. „Man merkt in diesen Momenten, wie froh und dankbar die Patienten sind, dass jemand in ihrer Nähe ist. Und ich selbst habe dadurch auch ein gutes Gefühl“, fügt sie hinzu. 

Keine Lust auf ein langes Studium

Für Anika steht schon in der Schule fest, dass sie beruflich etwas mit Medizin und Menschen machen möchte. Biologie, Naturwissenschaften und Anatomie sind ihre Interessenschwerpunkte. Aber auf ein langes Studium hat sie keine Lust. „Im Internet habe ich dann den Beruf der ATA entdeckt und mir gedacht, das wäre etwas für mich“, erklärt die heute 25-Jährige. Um herauszufinden, ob ihre Berufswahl wirklich ihren Vorstellungen entspricht, absolviert sie ein dreiwöchiges Praktikum: „Ich wusste sofort, dass der Anästhesiebereich genau mein Ding ist. Zum Glück hatte ich auch keine Probleme damit, Blut zu sehen, was ich im Vorfeld nicht wirklich einschätzen konnte.“ Im September 2013 startet sie ihre Ausbildung an der ATA-Schule des Helios Bildungszentrum Krefeld.

Rantasten an die Praxis

In Theorie und Praxis werden die Azubis an die einzelnen medizinischen Fachbereiche herangeführt. Danach durchlaufen sie ein festes Einarbeitungskonzept mit Rotationen in den verschiedenen OP- und Außenbereichen. „So tastet man sich langsam an den Beruf heran, immer begleitet von einem Praxisanleiter. Du kannst an einem Tag für einen herzchirurgischen Eingriff zuständig sein und am nächsten Tag bei der Narkose eines Kleinkindes unterstützen.“
Das liegt inzwischen sechs Jahre zurück. Seitdem erklärt Anika Freunden und Bekannten immer wieder, was eine ATA überhaupt macht. „Wir sind für die Koordination und Assistenz der anästhesiologischen Abläufe verantwortlich – hört sich erstmal trocken an, aber der Beruf ist viel interessanter, als man denkt.“

Arbeitstag im OP

Im Einleitungsraum, einem kleinen, geschlossenen Vorraum vor dem eigentlichen OP-Saal, bereitet Anika die Seniorin auf den Eingriff vor, legt geübt EKG und Blutdruckmessung an. Während des gesamten Aufenthalts im Anästhesiebereich wird sie ihre Kniepatientin in den nächsten Stunden begleiten. Narkosearzt und ATA arbeiten dabei immer im Team. „Wir ATAs überprüfen präzise den Narkosebogen und stellen sicher, dass alles von Seiten der Anästhesie vorbereitet und die Geräte einsatzbereit sind. Dabei sind wir diejenigen, die am nächsten am Patienten sind.“ Im Vier-Augenprinzip leitet der Anästhesist dann die Narkose ein. Während die Patientin schläft, überwacht sie Atmung und Kreislauf und ist nach der Ausleitungsphase wieder ihre erste Ansprechpartnerin.

Nach dem knapp zweistündigen Eingriff schiebt Anika das Bett der noch schläfrigen Patientin in den Aufwachraum, verkabelt sie mit den Überwachungsgeräten und streicht ihr über den Arm: „Wie geht es Ihnen? Sie sind jetzt im Aufwachraum. Der Eingriff ist gut verlaufen“, kann sie beruhigen. „Nach einem operativen Eingriff haben die meisten Patienten erstmal Durst. Sobald alle Reflexe zurückgekehrt sind, bieten wir im Aufwachraum auch Wassereis an. Es gibt Tage, da sitzen dann 11 Patienten im Bett und schlecken ein Wassereis“, schmunzelt sie.

Neben hygienischen Aufgaben sind die ATAs dafür verantwortlich, den Bestand an Narkosemittel und anderen Medikamenten regelmäßig zu überblicken und aufzufüllen. Außerdem halten sie die sogenannten externen Bereiche einsatzbereit, wie etwa den Notfall-Sectio-Saal für Kaiserschnitte oder den Schockraum für Schwerstverletzte. Anika trägt dazu ein separates Funkgerät. „Wenn es klingelt, heißt es Rennen. Denn wenn ein schwerverletzter Patient in unser Traumazentrum eingeliefert wird, müssen Narkosewagen, -geräte und die entsprechenden Medikamente hergerichtet sein, um im Notfall keine Minute zu verlieren“, erläutert sie.

Traumjob gefunden

Einfühlungsvermögen und ein gutes Grundverständnis im Umgang mit Technik zählen zu den wichtigsten Voraussetzungen für den Beruf. „Ich habe meinen Traumjob gefunden, der mir Spaß macht und mich jeden Tag aufs Neue fesselt.“ Als nächstes Ziel möchte sie die Weiterbildung zur Praxisanleiterin machen, um ihr Wissen an die ATA-Schüler weiterzugeben. Um 15.40 Uhr ist für Anika Ziemes Dienstschluss. Sie verlässt die Personalschleuse des Operativen-Zentrums – nicht ohne Blick auf den Dienstplan, wo vermerkt ist, für welchen Saal und Fachbereich sie morgen zuständig ist.

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