Coronavirus: Hinweise und Besuchsregelung –> alle Infos

Leistung

Schluckstörungen

Schluckstörungen sind häufiger, als Sie glauben. Meistens sind Schlaganfälle, Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, degenerative Erkrankungen oder Unfälle die Ursache. Oder sie verbergen sich hinter Essstörungen, Zahnfehlstellungen, Artikulationsstörungen oder Lispeln. Dabei können sie therapiert werden.

Schluckstörungen vermindern nicht nur Gewicht und Wohlbefinden, sondern auch das soziale Miteinander am Esstisch. Was viele nicht wissen: Durch Mangelernährung, Aspiration oder Lungenentzündung können Schluckstörungen eventuell sogar zum Tode führen.

Falsche Schluckmuster können aber auch eine kieferorthopädische Behandlung zunichte machen oder Ursache dafür sein, dass eine Aussprachstörung therapieresistent ist. Wir unterscheiden zwei Formen der Schluckstörungen:

Ursachen für Schluckstörungen sind neurologische Erkrankungen (Trauma, Schlaganfall, Tumoren, fortschreitende Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson), gut- und bösartige Tumoren und Veränderungen im Kopf-Hals-Bereich, angeborene Erkrankungen (Fehlbildungen, z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, humangenetische Syndrome), Muskelerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen. Bei vielen schweren Erkrankungen sind Schluckstörungen vorhanden: einige sind vorübergehend, viele sind bleibend.

Ernährung ist essentiell. Für die Versorgung unseres Körpers mit Nährstoffen und für unser soziales Miteinander. Einen Kaffee zu trinken, ein Restaurantbesuch bedeutet viel mehr als nur die Nahrungsaufnahme. Umso problematischer ist es, wenn sie misslingt oder nicht adäquat (in Zeit, in Sauberkeit, in Beweglichkeit, in Koordination, in Geräuschlosigkeit usw.) erfolgt.

Wir untersuchen die Nahrungsaufnahme vom Säuglingsalter an bis zum Hochbetagten, von Teller/Tasse über Mund – Rachen – Trennung in Luft- und Speiseweg - Speiseröhre bis in den Magen, ohne und mit zusätzlichen Beeinträchtigungen (z.B. Demenz, gesamtkörperliche Bewegungsstörung…), bei Menschen die selbständig essen oder gefüttert werden.

Bei einer Dysphagie können unterschiedliche Symptome vorkommen: z.B. Verbleiben der Nahrungsreste im Mund oder Rachen, Herauslaufen aus dem Mund oder nach hinten auf den Kehlkopf, unvollständiges Kauen oder Schlucken, reduzierter Schluckreflex, massiv erhöhter Würgreflex, Gefühl des Erstickens, Hustenreiz, Überschlucken in die Lungen etc.

Wir führen eine ausführliche Anamnese mit dem Patient und auch mit der Begleitperson (z.B. fütternde Eltern) durch. Wir schauen uns die Anatomie, die Nahrungsaufnahme und das Schlucken in Realität und mit Hilfe videoendoskopischer Techniken an (FEES: funktionelle endoskopische Schluckdiagnostik) und erläutern die Ergebnisse dem Patienten und ggf. dem Begleiter.

Wir beraten zu:

  • Konsequenzen: Ist eine orale Ernährung überhaupt möglich? Nur unter Therapie? Mit Kanüle? Welche Form der künstlichen Ernährung? 
  • Den Fragen: Ist es eine Schluckstörung, eine Essstörung oder eine Fütterstörung? 
  • Therapie in der Logopädie: Körperhaltung, Nahrungspositionierung, bestimmte Schlucktechniken, bestimmte Nahrungskonsistenzen (z.B. Andicken der Nahrung), welcher therapeutische Schritt kann als nächster unternommen werden?
  • Fortschritten im Schlucken: Dekanülierung möglich? Andere Nahrungskonsistenzen möglich? Normale Ernährung möglich?
  • Zu Schluck-Hilfsmitteln: Gaumenplatte, spezielles Besteck
  • Ggf. Operationen oder künstlicher Ernährung, 
  • Interdisziplinärer Schlucktherapie mit Physiotherapie, Hilfsmittelberatern, optimalen Hilfsmitteln, auch gesamtkörperlicher Haltung im Rollstuhl, Bett, Stehtrainer uvm., Neurologen zur medikamentösen Therapie, HNO-Ärzte zur operativen Therapie, Ergotherapeuten zur Hand-Mund-Koordination, Kieferorthopäden usw.
  • Wir geben Hinweise zu Veränderungen in der Füttersituation
  • Wir kooperieren mit stationären oder ambulanten Abteilungen zur Sondenentwöhnung, mit niedergelassenen Schlucktherapeuten/Logopäden, Atemtherapeuten und Physiotherapeuten zur kontinuierlichen Weiterbehandlung

Unsere Abteilung ist Teil der neurologischen Frührehabilitation, der Stroke Unit, des Weaning-Zentrums (Beatmungs-Entwöhnung) und der geriatrischen Frührehabilitation.

Lispeln Sie oder Ihr Kind? Bleibt das Lispeln trotz logopädischer Therapie? Hat Ihr Zahnarzt oder Ihr Kieferorthopäde Sie mit der Aussage überwiesen, dass die Zahnstellung durch ein falsches Schluckmuster verursacht wird, oder die kieferorthopädische Behandlung mit einer logopädischen Therapie ergänzt werden soll? Drückt die Zunge beim Schlucken gegen die Zähne und nicht gegen den Oberkiefer? Haben Sie Kiefer-/Kopf-/HWS-Schmerzen?

Der Kiefer, die Zunge, die Kopf-Hals-Muskulatur, die Aufrichtung, die Zungenmotorik ist Teil und Ausdruck des ganzen Menschen. Manche Bewegungsmuster sind gelernt oder beibehalten, auch wenn sie nicht optimal sind. An Zunge und Kiefermuskulatur lassen sich oft körperliche Anzeichen von Belastung und Stress sehen (schmerzhafte Kiefermuskulatur, Knirschen, Zahneindrücke an Zunge, schmerzhafte Kiefergelenke, Kopfschmerzen, Zahnersatz passt nicht usw.).

Nasenatmungsstörungen (z.B. bei kindlichen Polypen/Adenoide) verlangen eine Mundatmung. Manchmal wird trotz erfolgter Polypenoperation noch das alte Atem- und somit das alte hypotone Bewegungsmuster mit offenem Mund und Zungendruck nach vorne beibehalten.

Die Zunge und die Mundmuskulatur ist unser stärkstes und immerwährendes kieferorthopädische Instrument. Manche logopädische Maßnahmen zur Artikulationstherapie (z.B. Lispeln) oder kieferorthopädische Maßnahmen bei Zahnfehlstellung (z.B. lutschoffener Biss) sind frustran, therapieresistent oder verändern sich wieder nach Entfernung der Zahnspange, weil das Schluckmuster kontinuierlich dagegen arbeitet.

Wir überprüfen das Schlucken und beraten zu Therapie (myofunktionelle Therapie) zum Abbau des pathologischen Schluckmusters, damit Artikulation und Zahnstellung regelrecht werden oder bleiben. Wir kooperieren mit Logopäden und Kieferorthopäden.

Unsere Abteilung ist Teil der neurologischen Frührehabilitation, der Stroke Unit, des Weaning-Zentrums (Beatmungs-Entwöhnung) und der geriatrischen Frührehabilitation.

Wir kooperieren mit der Klinik für Neurologie (Prof. T. Haarmeier), der Klinik für Neurochirurgie (Prof. M. Stoffel), der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie (Prof. M. Katoh), der Klinik für Pneumlogie, dem HNO-Tumorzentrum, Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Neuropsychologen, Psychoonkologen, Hilfsmittelversorgern, Sozialberatern.

Das könnte Sie auch interessieren: