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Diagnose

Häufige neuroonkologische Tumoren

Um einen optimalen Behandlungspfad planen zu können, ist es wichtig, möglichst genaue Informationen über den Tumor zu erhalten.

Wir behandeln sämtliche Tumoren im Bereich des Gehirns, der Hirnhäute, des Schädelknochens und der Hirnnerven. Auf die häufigsten neuroonkologischen Tumoren gehen wir nachfolgend im Einzelnen ein.

Die sogenannten „hirneigenen“ Tumoren haben ihren Ursprung in den Stützzellen des Gehirns. Eine vollständige Entfernung ist in der Regel nicht möglich. Dies ist im Wesentlichen auf das infiltrierende Wachstum in das umliegende und zum Teil funktionell wichtige Hirngewebe zurückzuführen. Mit Ausnahme der sehr langsam wachsenden WHO Grad I Tumoren gelten Gliome somit bisher weiterhin als nicht heilbar. Durch die Kombination einer chirurgischen Therapie und nachfolgenden gezielten medikamentösen (Chemotherapie) und strahlentherapeutischen Maßnahmen wird heutzutage jedoch häufig eine langjährige Tumorkontrolle erreicht.

Bis vor kurzem wurden Gliome entsprechend der WHO-Klassifikation in vier verschiedene Tumorgrade (WHO I bis IV) eingeteilt. Hier wurden vor allem spezifische Gewebseigenschaften des Tumors berücksichtigt (zellulärer Ursprung, Zellzusammensetzung, Wachstumsverhalten). 2016 wurden die WHO-Kriterien aktualisiert und um den Aspekt der molekulargenetischen Veränderungen erweitert, da diese eine zunehmend wichtige Rolle in Bezug auf Diagnostik, Therapieplanung und Prognose darstellen.

Eine neue moderne Therapieform zur Behandlung von sehr aggressiven Gliomen ist die Anwendung von sogenannten Tumor-Therapiefeldern (TTF). Hierbei werden über Keramikgelpads, die auf die Kopfhaut aufgeklebt werden, kontinuierlich elektrische Wechselfeldern appliziert. Dies hat sich, ergänzend zur etablierten Strahlen- und Chemotherapie, als wirksame Methode gezeigt um die Teilung von Tumorzellen zur verringern.

Bei Meningeomen handelt es sich in der Regel um langsam – und nicht invasiv wachsende Tumoren, die von einer der drei Hirnhautschichten (Arachnoidea) ausgehen. Probleme entstehen zumeist aufgrund der Verdrängung von gesundem Gehirngewebe oder Nerven. Größere bzw. aggressivere Tumoren wachsen auch in das Hirngewebe ein. Aufgrund des regelhaft langsamen Wachstums können Meningeome eine beträchtliche Größe erreichen, bevor sie Symptome erzeugen.

Die Therapie der Wahl besteht zumeist in der möglichst vollständigen Entfernung des Tumors. Nur in wenigen Fällen ist zusätzlich eine strahlentherapeutische Nachbehandlung notwendig. Bei sehr kleinen Tumoren oder bei einem hohen operativen Risiko werden alternativ zur Operation bildgebende Verlaufskontrollen oder eine gezielte Bestrahlung (z.B. Gamma-Knife) empfohlen.

Es handelt sich hierbei um einen zumeist gutartigen Tumor ausgehend von der Nervenscheide des achten Hirnnerven (N. vestibulocholearis). Ein Teil dieses Nervs ist für den Gleichgewichtssinn, der andere für das Hören verantwortlich. Der siebte Hirnnerv (Nervus fazialis), welcher für die Bewegung der Gesichtsmuskulatur verantwortlich ist, begleitet den N. vestibulocholearis. Die enge Lage zu diesen Nerven einerseits und die Nähe zum Hirnstamm andererseits erklären die Beschwerden, die durch den Tumor entstehen können und den hohen Anspruch an eine operative Therapie begründen. Individuell muss in Anbetracht der genauen Lage, Größe und Symptomatik des Tumors eine Behandlungsstrategie erwogen werden. In Frage kommt neben der Tumorresektion auch die gezielte Strahlentherapie. In einigen Fällen kann unter bildgebenden Verlaufskontrollen auf eine Therapie verzichtet werden.

Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ist eines der wichtigsten Organe für die Produktion und Steuerung von Hormonen. Die häufigste Tumorart in diesem Bereich ist das zumeist gutartige Hypophysenadenom. Ab einer gewissen Größe des Tumors kann es neben hormonellen Störungen auch zur Beeinflussung des Sehens kommen, spätestens dann sollte eine Therapie des Tumors erfolgen.

Bei einigen Hypophysenadenomen, z.B. dem sogenannten Prolaktinom, ist eine medikamentöse Behandlung möglich. Zumeist ist jedoch eine Operation die Therapie der ersten Wahl. Aufgrund der Lage der Hypophyse an der Unterseite des Gehirns und der Nähe zu den Nasennebenhöhlen ist in der Regel eine Tumorentfernung durch die Nase in endoskopischer oder mikrochirurgischer Technik möglich. Nur in seltenen Ausnahmefällen, z.B. bei sehr großen Tumoren, muss eine mikrochirurgische Entfernung über eine Schädeleröffnung erfolgen. Ist eine Operation nicht möglich und liegt keine Möglichkeit für eine medikamentöse Behandlung vor, so kann eine gezielte Bestrahlung des Hypophysenadenoms in Betracht gezogen werden. Auch bei einem wiederkehrenden Tumor oder bei einer Invasion und Ummauerung von wichtigen Gefäßen oder Nerven durch den Tumor kann die Strahlentherapie eingesetzt werden.

Etwa 20 bis 40 Prozent aller Patienten mit einem Krebsleiden entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung eine oder mehrere Metastasen im Gehirn. Bei der Behandlung muss im besonderen Maße neben dem Lokalbefund auch der gesamte gesundheitliche Zustand und der Status des Tumorleidens außerhalb des Gehirns betrachtet werden. Hieraus folgt, dass immer ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt werden sollte. Neben der Möglichkeit der operativen Entfernung von zerebralen Metastasen stehen alternativ oder ergänzend verschiedene strahlentherapeutische Ansätze zur Verfügung. In seltenen Fällen ist auch eine medikamentöse Therapie möglich.

Tumoren des Rückenmarks (z.B. Gliome, Ependymome), der Rückenmarkshäute (Meningeome) und der abgehenden Nerven (z.B. Neurinome, Schwannome) sind komplexe Erkrankungen, die wir in unserer Klinik operativ behandeln.

Dabei kommen modernste Operationsmikroskope einschließlich Fluoreszenzmikroskopie und -angiographie, Mikrodoppler, intraoperatives Neuromonitoring (IONM), Ultraschall und minimal-invasive Zugänge zum Einsatz.

Sollte ein Zugang durch den Mund, den Brustraum oder den Bauchraum notwendig sein, arbeiten wir eng mit den Experten der Kliniken für HNO-Heilkunde, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie zusammen.

Metastasen anderer Organe können die Wirbelsäule befallen und zu Kompression oder Instabilität von Rückenmark oder Nerven führen. Hier ist häufig eine Kombination aus stabilisierender Operation und (Teil-) Entfernung der Metastasen notwendig.

Zu den stabilisierenden Operationen zählen die Kyphoplastie bzw. Vertebroplastie, bei denen wir die instabilen Wirbelkörper durch Zementeinspritzung stabilisieren.

Sollte eine Strahlen- oder Chemotherapie im Anschluss an die Operation erforderlich sein, planen wir im interdisziplinären Tumorboard zusammen mit Onkologen und Strahlentherapeuten die bestmögliche Anschlusstherapie.

Unser Behandlungsangebot

Im interdisziplinären Tumorboard erarbeiten für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept unter Berücksichtigung der anerkannten Leitlinien und internationalen Standards. Auch Alternativen zu einer Operation, wie die Radiochirurgie, werden bei der Entscheidungsfindung und Beratung stets berücksichtigt.