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Thrombektomie erweitert Standard-Behandlung bei großen Schlaganfällen

Thrombektomie erweitert Standard-Behandlung bei großen Schlaganfällen

Bisher war beim Hirninfarkt allein die Therapie mit gerinnselauflösenden Medikamenten die Behandlung der Wahl. Heute gilt: Der Therapieerfolg bei großen Schlaganfällen kann entscheidend verbessert werden, wenn Kathetertechniken zum Einsatz kommen.

Hierbei wird das ursächliche Gerinnsel mechanisch aus dem kranken Gefäß herausgezogen. Das Helios Klinikum Krefeld bietet diese neue Therapiemöglichkeit als einziges Krankenhaus in Krefeld an – rund um die Uhr an 365 Tagen des Jahres.

Die Gabe von Medikamenten über eine Vene zur Gerinnselauflösung galt lange als einzige ausreichend belegte Therapie zur Akutbehandlung des Schlaganfalls. Doch für den Behandlungserfolg der medikamentösen Thrombolyse (kurz Lyse) ist die Größe des gefäßverschließenden Gerinnsels entscheidend. Große Gerinnsel können so oft nicht beseitigt werden. Sie ziehen jedoch die schwersten Schlaganfälle nach sich, nicht selten dauerhafte Pflegeabhängigkeit oder Tod.

Entsprechend ist in spezialisierten Schlaganfallzentren heute die Thrombektomie als neuer Therapiestandard etabliert, sobald ein Thrombus ein großes hirnversorgendes Gefäß vollständig verschließt. In bis zu 90 Prozent kann dann mit dem Katheter das Gefäß wieder eröffnet werden. Voraussetzung dafür ist der Einsatz moderner Kathetermaterialien und die Verfügbarkeit eines interdisziplinären Ärzteteams aus erfahrenen Neurologen, Neuroradiologen und Anästhesisten.

Die Thrombektomie ist der medikamentösen Thrombolyse dann überlegen, wenn ein großes Gerinnsel ein sogenanntes Hauptstammgefäß komplett verschließt. Dies ist besonders schlimm für Betroffene, da diese Verschlüsse zu großen Schlaganfällen mit schwersten Ausfällen führen. Die Länge des aufzulösenden Thrombus ist einfach zu groß. Bisher gab es keine andere zugelassene Therapie als die medikamentöse Thrombolyse. Dennoch wurde auch in der Vergangenheit bereits in Zentren mit Kathetern gearbeitet – bis vor kurzem allerdings ohne erwiesenen Nutzen. Diese Situation hat sich durch die Einführung des sogenannten Stent-Retriever verändert. In wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass deutlich mehr Patienten überleben und ohne wesentliche Defizite den Weg ins normale Leben zurück finden.

Das Wort Thrombektomie stammt aus dem Griechischen und bedeutet mechanische Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem Gefäß. Nach ausführlicher Diagnostik im CT zum Ausschluss einer Blutung und Nachweis eines Hauptstammverschlusses fällt dann die Therapieentscheidung: Die Thrombektomie wird in Kathetertechnik über die Leistenarterie durchgeführt, meist in Narkose unter Röntgenkontrolle im Interventionszentrum. Ein sehr dünner Mikrokatheter mit einem Durchmesser von weniger als einem Millimeter wird zu dem verschlossenen Hirngefäß vor- und durch das Blutgerinnsel hindurchgeschoben. Darin enthalten ist ein elastisches Drahtgeflecht, der Stent-Retriever. Durch Zurückziehen des Mikrokatheters entfaltet sich dieses Drahtgeflecht. Das Blutgerinnsel verfängt sich darin und kann so herausgezogen und der Blutfluss zum Gehirn wieder hergestellt werden.

Da die Behandlung des frischen Hirngefäßverschlusses viel Erfahrung erfordert, gehört sie in die Hand erfahrener Spezialisten: Eine neurovaskuläre Einrichtung, in der Neurologen und Neuroradiologen, die die komplizierten Mikrokathetertechniken beherrschen, eng auf einer zertifizierten Stroke Unit zusammenarbeiten.
Der wesentliche Faktor für eine erfolgreiche Therapie ist die Zeit vom Auftreten der Symptome bis zum Therapiebeginn. Wichtig ist dabei, dass die Patienten unmittelbar nach Symptombeginn in ein neurovaskuläres Zentrum, d.h. in eine Klinik mit entsprechender fachlicher Erfahrung und gerätetechnischer Ausstattung, eingewiesen werden.

An unserem Klinikum ist es uns möglich, die Behandlung von der Ankunft im Krankenhaus bis zum Beginn der Intervention in unter 90 Minuten Gesamtzeit zu realisieren. Bei guten Gefäßverhältnissen kann die Thrombektomie dann innerhalb von Minuten erfolgreich sein -  gemessen von der Punktion der Leiste, in die der Katheter eingeführt wird, bis zur Extraktion des Thrombus. Das ist eine exzellente Leistung verglichen zu den Zeitverzögerungen, die in den Studien noch akzeptiert wurden. Experten gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent der Schlaganfallpatienten für diese Therapie infrage kommen. Auch bei frisch operierten Patienten, die keine Gerinnsel auflösende Medikamente bekommen dürfen, kann die Thrombektomie eingesetzt werden.