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Ernährungsfrage Zöliakie: Alles Gluten, oder was?

Die Getreideeiweiß-Unverträglichkeit ist eine Volkskrankheit. Oft unerkannt in unserem Land der über 300 Brotsorten, entzündet das Weizenmehl mit einem extrem hohen Eiweiß-Anteil den Dünndarm. Auch Kinder können bereits eine Gluten-Unverträglichkeit entwickeln.

Die Zöliakie oder Getreideeiweiß-Unverträglichkeit ist eine Erkrankung des Dünndarms, die durch eine Reaktion des Immunsystems gegen Getreideeiweiß verursacht wird. Zu Zeiten der Entdeckung der Erkrankung, während des Zweiten Weltkrieges, ging man von einer seltenen Erkrankung aus. 1996 wurde in Italien eine große Studie zum Screening auf Zöliakie bei über 17.000 Schulkindern zwischen 6 und 15 Jahren durchgeführt, die überraschende Ergebnisse zeigte. Eins von 184 Kindern war von der Zöliakie betroffen und das Verhältnis von unbekannter zu bereits diagnostizierter Zöliakie war erstaunlich hoch mit 7:1. Die meisten der bisher nicht diagnostizierten Zöliakie-Kinder hatten nur geringe oder gar keine Symptome. In Deutschland wird von knapp ½ Million Zöliakie kranken Bundesbürgern ausgegangen, konservativ geschätzt. 

Mädchen und Frauen sind häufiger betroffen (1,5:1). Genetische Faktoren scheinen sehr bedeutsam zu sein. Es überrascht nicht, dass Gene, die für das Immunsystem wichtig sind, hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Die sogenannten HLA-Moleküle (Humanes Leukozyten Antigen) HLA-DQ2 und HLA-DQ8 begünstigen die Entstehung der Erkrankung. Das heißt nicht, dass alle Menschen, die diese Gene tragen, auch automatisch Zöliakie bekommen. Andere begünstigende Faktoren scheinen dafür wichtig zu sein.

Häufig bleibt die Zöliakie unerkannt, da ihre Symptome schwer zuzuordnen sind. Bis ein Test auf Antikörper im Blut und eine Magen-Darm-Spiegelung vorgenommen werden, vergehen oft Jahre des Unwohlseins mit Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder scheinbar grundlosen Depressionen.

Um die andauernde Entzündung des Darmes und weitere Folgeerkrankungen zu verhindern hilft der völlige Verzicht auf Gluten. Studien zeigen, dass Malignome, Autoimmunerkrankungen, Mangelernährung und Fertilitätsstörungen unter Diät signifikant seltener sind oder gar nicht auftreten. Wegzulassen sind Lebensmittel, die Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen, Gerste, Kamut, Tritikale, Emmer und Einkorn enthalten. Erlaubt sind Mais, Reis, Hirse, Amaranth und Buchweizen. Auch Hafer ist erlaubt, jedoch ist hier darauf zu achten, dass beim Herstellungsprozess der Hafer nicht mit Weizen, Roggen oder Gerste vermengt wird. In Ernährungsfragen kann es, gerade am Anfang der Umstellung, hilfreich sein, sich einem Ernährungsberater anzuvertrauen. Es gibt außerdem eine ausgezeichnete Selbsthilfegruppe, die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG, www.dzg-online.de). Wird eine strikte Diät eingehalten, so kommt es innerhalb von 3-12 Monaten zu einem Verschwinden der Autoantikörper gegen die Transglutaminase. Für Kinder ist es besonders wichtig, im Familienzusammenhalt die neue Ernährungsform so selbstverständlich wie möglich zu praktizieren.

Wichtige Information

Vor Beginn einer Diät ist es sehr wichtig, die Diagnose zu sichern. In der Regel erfolgt dies durch eine Magenspiegelung mit Dünndarmbiopsie. Nach Beginn einer Diät kann die Diagnose Zöliakie sonst nicht mehr gesichert werden.

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