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Scharlach: Was tun bei Milchbart und Himbeerzunge?

Trotz königlichem Namen – der Begriff leitet sich aus dem Italienischen oder dem Persischen ab und bezeichnet einen teuren, roten Stoff – Scharlach möchten wir nicht haben. Glücklicherweise hat die Kinderkrankheit ihren Schrecken verloren und ist gut behandelbar. Alles was Sie brauchen ist Zeit. Und ein wenig Hilfe vom Kinderarzt.

Scharlach wird durch Gifte von Streptokokken verursacht, die zu hohem Fieber führen. Die Gaumenmandeln sind stark gerötet und zeigen häufig weiße bis gelbliche, stippchenförmige Beläge. Der Hautausschlag kommt ein bis zwei Tage nach Beginn des Fiebers und beginnt am Hals. Insbesondere in den Hautfalten der Ellbogen, in den Achselfalten und in der Leiste findet man eine stark gerötete Haut, die sich wie Sandpapier anfühlt. Der Mund bleibt ausgespart mit einem blassen Dreieck, das wie ein Milchbart aussieht. Die Zunge kann wie eine Erdbeere oder Himbeere aussehen. Später fällt das Fieber ab und die Haut kann sich in der zweiten Krankheitswoche schuppen.

Meist hat Ihr Kinderarzt schon beim ersten Ansehen des Kindes den Verdacht auf eine Scharlacherkrankung und wird es mit Penicillin über 10 Tage behandeln. Schon nach dem ersten Tag der Behandlung ist Ihr Kind nicht mehr infektiös und kann wieder in den Kindergarten, wenn es sich gut fühlt. Eine Entfernung der Mandeln ist nicht notwendig.

Sollte Scharlach nicht mit Antibiotika behandelt werden, ist die Gefahr größer, dass eine Folgeerkrankung auftritt. "Der Scharlach beißt das Herz und leckt die Gelenke" heißt es – als Folge von Scharlach können im Abstand von ein bis zwei Wochen sehr schwere entzündliche Veränderungen an Herz (sogenanntes rheumatisches Fieber) und Gelenken (Arthritis), aber auch an den Nieren (Glomerulonephritis) oder am Gehirn (Neuropsychiatrische Symptome, Tics, Zwangsverhalten) auftreten. Dies ist wesentlich seltener, wenn Antibiotika eingesetzt werden.

In Sachen Scharlach danken wir also dem Erfinder des Penicillins nochmal im Stillen und sind dafür beim nächsten Mal etwas kritischer, wenn es um ein Antibiotikum geht.