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Sportverletzungen

Mögliche Therapieoptionen bei einer Kreuzbandverletzung

Kreuzbandverletzungen sind nicht nur schmerzhaft, sie stellen den Verletzten auch vor einige Fragen: Muss ich operiert werden? Welche alternative Behandlungsmethode gibt es? Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Operation?

Veränderte Bewegungsmuster können vor Kreuzbandrissen schützen

In Deutschland reißt im Schnitt alle sechseinhalb Minuten ein Kreuzband, hierbei ist das vordere ca. 10-mal häufiger betroffen als das hintere Kreuzband. Das Risiko für einen Kreuzbandriss des anderen Beines ist nach einer ersten Ruptur deutlich höher. Frauen haben bedingt durch eine leicht vermehrte X-Bein-Stellung sowie eine leichte Verdrehung des Beines beim Laufen und einer Kniestreckung bei Landungsbewegungen ein 8-fach erhöhtes Verletzungsrisiko. Diese Statistiken weisen zum einen auf eine genetische Komponente, zum anderen auf eine starke Beeinflussung durch den Laufstil hin. So ist im Fußball vor einigen Jahren ein spezifisches Kreuzbandschutztraining eingeführt worden.

Der Riss des hinteren Kreuzbandes kann in der Regel zunächst versucht werden konservativ zu behandeln. Eine operative Versorgung ist häufig nur bei komplexen Mehrfachverletzungen sowie bleibendem Instabilitätsgefühl unumgänglich. Das vordere Kreuzband hat primär eine deutlich schlechtere Heilungstendenz und wird daher in der Regel primär operiert. Dennoch berichten immer wieder einzelne Patienten mit operationsfreier Behandlung über eine Zufriedenheit trotz eines nicht verheilten vorderen Kreuzbandrisses. Wie entscheidet man als Patient also, wann man sich operieren lassen sollte, und wann eine Therapie ohne Operation sinnvoll ist? Hierzu beraten wir sie in unseren Sprechzeit der Helios Sportklinik Uerdingen gerne.

Sollte der Verletze ein Unsicherheitsgefühl haben, so ist eine Operation fast unumgänglich.

Dr. Philipp Ehrenstein, Leitender Arzt der Helios Sportklinik Uerdingen

Es gibt unterschiedliche Parameter, die zu der Entscheidung führen, ob man die Verletzung des vorderen Kreuzbandes operieren muss oder nicht. Von einer reinen Zerrung des Bandes erholt sich das Kniegelenk meist mit entsprechender Ruhigstellung von allein. Bei Teilrissen und Anrissen ist dies sehr unterschiedlich. Bei gewissen Verletzungen kann man auch hier einen nicht operativen Therapieansatz verfolgen. Sollte der Verletzte jedoch ein Unsicherheitsgefühl haben oder in der Untersuchung eine Instabilität herausgearbeitet werden können, so ist die Operation fast unumgänglich. Manchmal reicht hier eine reine Naht und Raffung des angerissenen Kreuzbandes aus. Diese führen wir in der Helios Sportklinik Uerdingen regelmäßig durch. Wenn im Rahmen einer durchgeführten Kniegelenksspiegelung jedoch eine vollständige Verletzung des vorderen Kreuzbandes diagnostiziert wird, so ist eine Sehnenimplantation so gut wie unumgänglich. „Das liegt an dem vielfach erhöhten Risiko eines Meniskusverschleißes nach unbehandeltem Kreuzbandriss. Und damit kommt über kurz oder lang die Arthrose in das Kniegelenk. Dies gilt es in jedem Fall zu vermeiden“, so der leitende Arzt der Sportklinik Dr. Philipp Ehrenstein.  So konnte eine große Multicenterstudie, die sogenannte NEJM-Studie, zeigen, dass bei operierten Patienten eine verschleißbedingte Meniskusverletzung deutlich seltener ist, als bei Patienten, die sich gegen eine Kreuzbandoperation entschieden haben und somit mit der Instabilität leben.

Dr. Ehrenstein: „Die Entscheidung für die Operation basiert allerdings auf einem Prozess, den wir Ärzte dem Patienten nicht abnehmen können. Es macht keinen Sinn den Betroffenen von der Notwendigkeit einer Therapie zu überreden. Der Patient muss überzeugt sein, dass der Weg der Operation ein langfristig besserer ist und er deren Risiken in Kauf nehmen möchte. Des Weiteren müssen auch die äußeren Bedingungen wie berufliche und familiäre Situation stimmen. In vielen Lebenssituationen ist eine derartige Operation schlecht durchführbar. Dann sollte man die Operation zu einem späteren Zeitpunkt planen, das eigene Umfeld darauf einstellen und zwischenzeitig nur auf bestimmte Sportarten und Belastungen verzichten.“

Wer 1-6 Wochen nach dem Unfall operiert wird, riskiert schmerzhaft chronische Entzündungen.

Jochen Urban, Leitender Oberarzt

Eine Operation muss nicht zwingend direkt nach Trauma erfolgen. Ganz im Gegenteil: Nach einem Kreuzbandriss muss zunächst die Reizung aus dem Knie abheilen und eine gute Beweglichkeit beübt werden. Wer 1-6 Wochen nach dem Unfall operiert wird, riskiert eine schmerzhafte chronische Entzündung des Kniegelenkes mit bleibender Funktionseinschränkung. „Wir raten unseren Patienten in der Regel zu einer operativen Sanierung sofort nach dem Unfall oder zunächst zu entzündungshemmenden und physiotherapeutischen Maßnahmen. Dann sollte die Operation ca. 6-8 Wochen nach dem Unfall stattfinden“, so der leitende Oberarzt im Helios St. Josefhospital Uerdingen, Jochen Urban. „Das verhindert sehr effektiv postoperative Vernarbungen und Verwachsungen im Kniegelenk, dies haben umfangreiche Studien erwiesen.“ Würde man ein gereiztes Gelenk operieren, läge das Risiko solcher Vernarbungen mit bleibenden Funktionseinschränkungen bei bis zu 20 Prozent.

Semitendinosussehne, Patellasehne oder Quadricepssehne: Die Qual der Wahl?

Im Rahmen der Operationsplanung machen sich die Ärzte der Helios Sportklinik Uerdingen mit ihnen zusammen Gedanken über die beste Transplantatauswahl: Zur Auswahl stehen unterschiedliche körpereigene Sehnen, aus denen wir ein neues vorderes Kreuzband formen. Welche Sehne letztendlich hier für sie individuell die Richtige ist, besprechen wir im Rahmen unserer sportmedizinischen Sprechzeit im Helios St. Josefhospital Uerdingen mit ihnen.

„Die Sehnen haben unterschiedliche Charakteristika und dadurch ist je nach Sportprofil oder beruflicher Belastung durchaus die eine oder andere Sehne von Vorteil“, so der Kniespezialist und leitende Arzt der Helios Sportklinik Uerdingen Dr. Philipp Ehrenstein. Die semitendinosus sehne ist mit ihrer Elastizität sehr ähnlich dem natürlichen Kreuzband und wird daher von uns sehr gerne eingebaut. In der Nachbehandlung ist die anschließende Reha beim Einsatz dieser Sehne etwas einfacher im Vergleich zu den Alternativen. Gleichzeitig sehen wir in den langfristigen Studien aber eine vermehrte Wahrscheinlichkeit für eine erneute Kreuzbandverletzung. In dieser Statistik schneidet die Quadrizepssehne und Patellasehne am besten ab. Bei der Patellasehne finden sich nach Ausheilung des Kniegelenkes häufig ein vorderer Knieschmerz, sodass kniende Belastungen womöglich nur eingeschränkt möglich sind. Daher eignet sich das Transplantat für gewisse Berufsgruppen und Sportarten (zum Beispiel Volleyball) eher nicht. Insofern gilt es im Rahmen ihrer Vorstellung in der Helios Sportklinik Uerdingen hier ein persönliches Belastungsprofil zu erstellen, um das individuell beste Transplantat planen zu können.

Kreuzbandoperation

Sie möchten operiert werden?

Informieren Sie sich, wie eine Kreuzbandoperation funktioniert. Ob und ab wann Sie wieder Sport treiben können. Wie lange die Erholungsphase dauert.