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Früh erkennen statt spät behandeln: Blitzschnelles Screening für die Leber

Früh erkennen statt spät behandeln: Blitzschnelles Screening für die Leber

Kassel

Funktioniert die Leber einwandfrei? Leiden wir unter einer Fettleber, ohne es zu merken? Besteht das Risiko für eine Zirrhose? Oder gar für Leberzellkrebs? Nach aktuellen Schätzungen ist bei etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland das größte innere Organ erkrankt. Tendenz steigend.

Dabei können Leberschäden repariert werden, wenn diese frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden. Um Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen, kommt in den Helios Kliniken Kassel seit Kurzem die neueste Generation des Fibroscan zum Einsatz. Dazu Fragen und Antworten:

Was leistet das Gerät?

Die Untersuchungstechnik nennt sich transiente Elastografie. Dabei werden Elastizität beziehungsweise Steifigkeit der Leber beurteilt, mögliche Schädigungen und auch das Ausmaß einer Leberverfettung werden so zuverlässig erkannt. „Mit diesem Gerät können wir die Leber blitzschnell untersuchen – also eine Art von Screening“, erklären Prof. Dr. Susanne Beckebaum und Prof. Dr. Vito Cicinnati, Chefärzte der Inneren Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie in den Helios Kliniken Kassel. Überdies könne die Schwere einer Leberfibrose beurteilt werden. Bei einer Fibrose werden Leberzellen durch Narbengewebe verdrängt. Bleibt eine Fibrose unbehandelt, kann sich hieraus eine Leberzirrhose, also eine vollständige Vernarbung der Leber, entwickeln.

Warum ist eine Zirrhose so gefährlich?

Im Stadium der Leberzirrhose kann die Leber ihre Entgiftungs- und Stoffwechselfunktionen nur eingeschränkt ausführen, und es kann zu einem Organversagen kommen. Die beiden Mediziner betonen, dass die Leber lebenswichtig ist und zu den Organen mit der größten Arbeitsbelastung zählt. Dennoch werde der Gesundheit des Organs vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt. Dabei gelte das Motto: Früh erkennen statt spät behandeln. Denn: Die Zahl der Betroffenen wächst, „nicht zuletzt infolge der zunehmenden Fettlebererkrankungen“, sagen Prof. Dr. Beckebaum und Prof. Dr. Cicinnati. Zudem sei der Leberzellkrebs weltweit die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache.

Wie funktioniert also dieses Screening?

Die Leberexperten sprechen von mehreren Vorteilen dieses Diagnoseverfahrens: Das Screening dauert nur wenige Minuten, es ist nicht-invasiv, das heißt, es muss nicht eine Biopsie-Nadel in den Körper eingeführt werden, die Untersuchung verursacht keine Schmerzen oder mögliche Komplikationen wie eine Blutung, und das Ergebnis ist sofort abzulesen. „Darüber hinaus ist dieser hochspezialisierte Apparat ein großer technologischer Fortschritt für jene Patienten, die regelmäßig ihre Leber durchchecken lassen müssen“, wie es Prof. Dr. Beckebaum ausdrückt, schließlich könne auch der Erfolg einer Lebertherapie hiermit überprüft werden.

Was erwartet den Patienten bei der Untersuchung?

Das Vorgehen ist denkbar einfach. Ein spezieller Schallkopf mit integrierter Sonde und Vibrator wird zwischen den Rippen in Leberhöhe aufgesetzt. Die Geschwindigkeit der in Richtung Leber ausgesendeten Impulswelle wird mittels Ultraschall gemessen. Je unelastischer das Gewebe, desto schneller läuft der Impuls durch die Leber und desto höher sind die gemessenen Werte und desto schlechter ist der Zustand des Organs. Während der Untersuchung spürt der Patient nur eine leichte Vibration an der rechten Seite des vorderen unteren Brustkorbs. Direkt im Anschluss kann sofort eine Aussage getroffen werden, wie sehr die Leber geschädigt ist. Das Verfahren kann bei allen Lebererkrankungen zum Einsatz kommen.

Lassen sich mithilfe des Apparats weitere Aussagen treffen?

Die neue Technik bietet die zusätzliche Option, bei Leberzirrhose-Patienten die Steifigkeit der Milz zu messen. Dies dient einer Risikoabschätzung, ob ein erhöhter Druck im Pfortadersystem und möglicherweise Krampfadern an der Speiseröhre vorliegen.

Warum sollte die Leber genauer untersucht werden, auch wenn keine Beschwerden vorliegen?

Prof. Dr. Beckebaum erklärt, dass Leberschäden oft nicht bemerkt werden: „Betroffene spüren häufig keine Beeinträchtigungen oder Schmerzen.“ Normale Blutuntersuchungen würden nicht ausreichen. Selbst bei Vorstadien einer Zirrhose kämen mitunter keine auffälligen Laborwerte heraus. Die Experten sagen: „Die Leber leidet still.“

 

Hintergrund: Die Leber ist der Giftfilter und das Vitaminlager des Körpers. Sie spielt bei allen Stoffwechselprozessen eine zentrale Rolle, erfüllt lebenswichtige Aufgaben und hat ein Gewicht zwischen 1,4 und 1,6 Kilogramm. Sie befindet sich im rechten Oberbauch unmittelbar unterhalb des Zwerchfells. Die drei Hauptfunktionen der Leber sind Entgiftung, Synthese von Nährstoffen sowie Speicherung von Energie.