ERAS – moderne Betreuung rund um die OP

ERAS – moderne Betreuung rund um die OP

Hünfeld

Nach der OP schnell wieder fit sein – das wünscht sich wohl jeder Patient. Natürlich ist die operative Expertise des behandelnden Chirurgen eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Operation, für die Erholung des Patienten spielen aber viele weitere Faktoren eine Rolle. Aus diesem Wissen hat sich ein Konzept entwickelt, welches die Patientenbetreuung vor, während und nach einer Operation am aktuell vorhandenen wissenschaftlichen Kenntnisstand orientiert: ERAS®, was für Enhanced Recovery After Surgery steht und in der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld implementiert ist.

„In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein deutlicher Wandel der Abläufe rund um Operationen gezeigt“, erläutert Dr. Ahmad Oyais, Chefarzt der Allgemein-, Viszeralchirurgie und Proktologie an der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld und ergänzt: „Das Hauptaugenmerk lag viele Jahrzehnte auf der Perfektion der Technik und die Patientenbetreuung wurde darauf ausgerichtet, den Operationserfolg nicht zu gefährden.“ Als Beispiele nennt er die vor OPs oft nötigen Darmspülungen mit vielen Litern Flüssigkeit, da man davon ausging, dass Nahtverbindungen nur an einem „sauberen“ Darm eine Chance auf Heilung besitzen. Außerdem führt er an, dass gerade in der Bauchchirurgie Patienten nach einer Operation Nüchternheitsphasen von mehreren Tagen aushalten mussten, da die Meinung vorherrschte, dadurch könnten neu angelegte Nahtverbindungen zwischen Organen geschont werden und besser heilen. Heute setze man hingegen nur auf minimales Abführen, Patienten dürfen vor der OP noch möglichst lange essen und trinken und auch nach der Operation bald wieder Getränke und Speisen zu sich nehmen. All diese Erkenntnisse sind Teil des ERAS-Konzeptes, welches in der Hünfelder Klinik Anwendung findet.

Weniger Komplikationen, schnellere Heilung

„Enhanced Recovery After Surgery“ meint auf Deutsch so viel wie „raschere Erholung nach Operationen“. In zahlreichen Studien wurde mittlerweile die Wirksamkeit des Konzeptes nachgewiesen, unter anderem konnten Komplikationen wie Lungenentzündungen nahezu halbiert und die Dauer des stationären Aufenthaltes um etwa 2 Tage reduziert werden. „Es ist ein grundsätzlich anderes Herangehen an Patienten. Er wird nicht in die Rolle des „Kranken“ gedrängt, sondern übernimmt eine aktive Rolle im Heilungsprozess. Alle an der Patientenversorgung beteiligten Disziplinen arbeiten in einem koordinierten Behandlungsprozess – das schließt den Patienten selbst mit ein. Die Behandlung beginnt also schon vor der Operation“, verdeutlicht Oyais. Alle Vorteile des Programms fasst die folgende Abbildung zusammen:

Die Maßnahmen im Überblick

Zum ERAS-Konzept gehören prä-, intra- sowie postoperative Maßnahmen, die dafür sorgen, dass der Patient sich schneller von seiner Operation erholt und Komplikationen vermieden werden.

Die präoperativen Maßnahmen zielen darauf ab, den Zustand des Patienten vor der Operation zu verbessern. Zunächst erhält der Patient ein umfassendes Informationsgespräch über ERAS und seinen aktiven Part darin. Er wird darauf hingewiesen, wie wichtig eine Nikotin- und Alkoholkarenz ist und ermutigt, seine körperliche Aktivität bis zur Operation zu steigern. Eine mögliche Blutarmut wird behandelt, zudem wird der Ernährungsstatus erfasst und, falls nötig, eine Ernährungstherapie begonnen. Abführende Maßnahmen im Sinne einer Darmspülung werden nur in Einzelfällen verordnet, die Nüchternheitsphase vor der Operation deutlich verkürzt. Der Patient darf bis sechs Stunden vor dem geplanten Operationsbeginn feste Nahrung zu sich nehmen, das Trinken klarer Flüssigkeiten ist bis zwei Stunden vor Beginn der Operation möglich. Zudem wird der Patient dazu angehalten, am Abend vor der Operation und am Morgen des Operationstages ein Kohlenhydratreiches Getränk zu sich zu nehmen, um die Speicher aufzufüllen. Auf die präoperative Gabe von Beruhigungsmitteln wird verzichtet, da diese zumeist mehrere Stunden wirken und den Beginn der Mobilisation postoperativ verzögern können.

Für das Gelingen der intraoperativen Maßnahmen ist die Zusammenarbeit von Chirurgen und Anästhesisten wesentlich. Durch die Nutzung minimal-invasiver Operationsverfahren oder zumindest sparsamer Hautschnitte werden operative Traumata minimiert. Auf die routinemäßige Einlage von Drainagen oder Blasenkathetern sollte im Rahmen des ERAS-Konzeptes verzichtet werden. Nach Möglichkeit wird die Anästhesie intravenös durchgeführt, sodass der Patent nach der OP rasch wieder reaktionsbereit ist und kooperieren kann. Vorbeugend können sogenannte „Antiemetika“, also Mittel gegen Übelkeit, verabreicht werden. Der Einsatz von Wärmedecken verhindert zudem das Auskühlen des Patienten während der Operation. Eine während der OP zumeist eingelegte Magensonde wird vor Ende des Eingriffs entfernt.

Schon im Aufwachraum wird mit den postoperativen Maßnahmen und damit dem Kostaufbau sowie der Mobilisation begonnen. Sobald der Patient ausreichend wach ist, bekommt er etwas zu trinken beginnt mit dem Kaugummi kauen, welches sich positiv auf die Darmbewegung auswirkt. Bevor der Patient weiter auf Station verlegt wird, steht er in Begleitung des Pflegepersonals im Aufwachraum das erste Mal auf und geht die ersten Schritte. Auf Station beginnt der Patient mit der Einnahme einer hochkalorischen, ballaststoffarmen Trinknahrung, um den Kalorienbedarf zu decken. Am Abend des OP-Tages kann er Joghurt und Suppe essen sowie Kaffee trinken – dieser hat ebenfalls einen positiven Einfluss auf das Wiedereinsetzen der Darmmotilität. Die Gabe von Infusionen wird beendet und die Thromboseprophylaxe beginnt. Ab dem ersten postoperativen Tag wird die Mobilisation durch die Physiotherapie forciert, die täglich mit dem Patienten trainiert. Am Tag nach der Operation wird der Patient dazu angehalten sich mindestens vier Stunden außerhalb des Bettes aufzuhalten, ab dem zweiten Tag sind es mindestens sechs Stunden. Die Kost wird zügig gesteigert. Die Schmerzmedikamente werden rasch reduziert, auf Opioide wird weitestgehend verzichtet. Bei Diabetikern wird der Blutzucker engmaschig kontrolliert und im normalen Bereich gehalten. Die Entlassung erfolgt, sobald der Patient regelmäßig Stuhlgang hat, die Schmerzen gut tolerabel sind, die Mobilisation und der Kostaufbau abgeschlossen sind.

„Mit dem ERAS-Konzept sind unsere Patienten nach Operationen schnell wieder auf den Beinen und können am Leben teilnehmen“, fasst Dr. Oyais zusammen und ergänzt: „Das Konzept ist multimodal und interdisziplinär. Der Therpaieplan ist standardisiert und trägt dank Qualitätssicherungsprozessen zu einer noch höheren Patientensicherheit bei – sowohl bei kleineren, als auch bei größeren OPs.“

Über Helios

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 120.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika. Rund 20 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2020 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,8 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sechs Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,2 Millionen Patienten behandelt, davon 4,1 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland 73.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 52 Kliniken, davon sechs in Lateinamerika, 70 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15 Millionen Patienten behandelt, davon 14,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.

Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.