„OP des Jahrhunderts“: 50 Jahre Hüft-Endoprothetik in Hildesheim
Pressemitteilung

„OP des Jahrhunderts“: 50 Jahre Hüft-Endoprothetik in Hildesheim

Hildesheim

Vor 50 Jahren wurde die erste Hüft-Endoprothese in Hildesheim eingesetzt. Das Helios Klinikum Hildesheim führt ein bundesweit vermutlich einzigartiges Register über jede dieser Hüft-OPs, die in dem vergangenen halben Jahrhundert in der Klinik durchgeführt wurde.

Hildesheim, 11. Oktober 2019 – Er wurde vom Fachmagazin „The Lancet“ als „Operation des Jahrhunderts“ bezeichnet und ist die wahrscheinlich am häufigsten durchgeführte Operation überhaupt: Der prothetische Gelenkersatz der Hüfte. 1958 wurde die weltweit erste Hüftprothese mit Knochenzement von Sir John Charnley in Manchester eingesetzt. Sie ermöglichte erstmals ein weitestgehend schmerzfreies Leben nach Hüftleiden. Bis dahin war es nur möglich, das Hüftgelenk zu versteifen oder zu entfernen, was ein Leben mit Schmerzen im Rollstuhl zur Folge hatte. Ab Mitte der 1960er Jahre hielt die neue Operationstechnik auch in deutschen OP-Sälen Einzug. 1969 setzte Dr. Karl-Gustav Pflugmacher, damaliger Oberarzt der Allgemeinchirurgie des Städtischen Krankenhauses und heutigen Helios Klinikums, die erste Hüft-Endoprothese in Hildesheim ein, womit er eine Vorreiterrolle in der Region einnahm. Von Anfang an führte er eine Kartei über alle Operationen dieser Art und damit einhergehende Komplikationen. Diese Kartei wurde in den vergangenen 50 Jahren immer mehr erweitert und verfeinert. Dr. Dietmar Rohlfing, bis Mitte 2018 noch Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Helios Klinikum, hat das Register maßgeblich fortgeführt und weiterentwickelt. „Ich glaube nicht, dass es das in dieser Umfänglichkeit noch einmal in Deutschland gibt“, sagt der heutige Chefarzt der Klinik, Prof. Dr. Burkhard Wippermann.

Rund 11.300 Patienten wurden in den vergangenen 50 Jahren etwa 15.000 Hüft-Endoprothesen am Hildesheimer Klinikum eingesetzt. Nachvollziehen lässt sich das anhand eines deutschlandweit vermutlich einzigartigen Registers, das seit der ersten Hüftoperation im Jahre 1969 geführt wird. Auf Grundlage von Karteikarten des ersten Operateurs Dr. Karl-Gustav Pflugmacher hat Dr. Dietmar Rohlfing 1985 ein Register angelegt, das mit der Zeit immer umfänglicher und detaillierter wurde. „Bis 1985 wurden die Grundlagen erfasst. Nach meiner Ernennung zum Oberarzt im selben Jahr habe ich es immer ausführlicher gemacht“, erzählt Dr. Rohlfing. Er selbst hat seine erste Hüftprothese 1982 eingesetzt. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2018 waren es rund 2.500 geworden.

Ich glaube nicht, dass es das in dieser Umfänglichkeit noch einmal in Deutschland gibt.

Prof. Dr. Burkhard Wippermann, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Das Material ist entscheidend – nicht der Trend!

In dem Hildesheimer Register wird jeder Patient erfasst, dem eine Hüftprothese eingesetzt wurde. Inklusive Grad der Arthroseerkrankung, funktioneller Beeinträchtigungen, Komplikationen und „Standzeit“ der Prothese. Seit 1993 werden in dem Register außerdem Vor- und Nachuntersuchungen sowie Einbestellungen der operierten Patienten erfasst. „Wir bestellen unsere Patienten alle fünf Jahre ein, um Zustand und Sitz der Prothese zu überprüfen. So können wir beispielsweise sehen, wann eine Prothese wegen Lockerung ausgetauscht werden muss und können so die ‚Standzeiten‘ verschiedener Prothesentypen ermitteln“, erklärt Prof. Dr. Burkhard Wippermann, seit 2001 Chefarzt der Klinik.

Entscheidend für die Lebenserwartung eines Kunstgelenkes sind die Materialen für die sogenannte Gleitpaarung und ihre Abriebeigenschaften. Verwendete man früher Metallköpfe und „normales“ Polyethylen, so hat man heute moderne Keramiken und hochvernetzte Kunststoffe mit besseren Abriebeigenschaften zur Verfügung. Der limitierende Faktor für zementfreie Implantate ist nämlich der Partikelabrieb. Auf Experimente hat sich die Klinik dabei nie eingelassen. „Wir verwenden seit 1985 erfolgreich einen quasi unveränderten zementfreien Schaft. Seit 15 Jahren operieren wir zudem minimal-invasiv mit der sogenannten ‚Schlüsselloch-Technik‘, was zu sehr guter Muskelschonung und weniger Komplikationen geführt hat. Trends wie robotergesteuertes Operieren oder Oberflächenersatzprothesen haben wir nicht mitgemacht. Das hat sich im Nachhinein als sehr positiv erwiesen. Viele Patienten konnten nach Roboter-OPs gar nicht mehr laufen. Wir unterziehen unsere Patienten keinen Operationstechniken, von denen wir nicht absolut überzeugt sind“, betont Wippermann.

Standzeiten von über 20 Jahren mit Materialien von damals

Im Endoprothesenregister des Klinikums sind zurzeit 470 Patientinnen und Patienten erfasst, die ihre Prothese bereits seit über 20 Jahren haben. Die bisher längste „Standzeit“ einer Hüftprothese liegt bei 32 Jahren. „Dabei darf man nicht vergessen, dass wir hier von Materialien sprechen, die wir vor über 20 Jahren verwendet haben. Mit den heutigen Materialien werden wir vermutlich noch längere Zeiten erreichen. Das können wir heute aber natürlich noch nicht belegen“, erläutert Dr. Rohlfing. In vielen Fällen lässt sich die maximale Standzeit einer Prothese aber aus nachvollziehbaren Gründen gar nicht ermitteln, wie Prof. Wippermann erklärt: „Unsere Patienten sind im Durchschnitt etwa 67 Jahre alt, wenn wir Ihnen eine Hüftprothese einsetzen. Unsere Prothesen halten deshalb bei den allermeisten bis zum Lebensende. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir aufgrund von Verschleiß oder Komplikationen ein zweites Mal operieren müssen, liegt nur bei etwa acht Prozent.“

Klinik ist zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung

Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Helios Klinikums Hildesheim ist als Endoprothetikzentrum (EPZ) der Maximalversorgung zertifiziert. Das begehrte endoCert-Zertifikat wird nur an Kliniken überreicht, die über lange Zeit ein Höchstmaß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung auf dem Gebiet der Endoprothetik nachweisen können. Neben dem Helios Klinikum Hildesheim tragen in Südniedersachsen nur noch zwei weitere Kliniken in Braunschweig und Göttingen das Prüfsiegel der höchsten Stufe.

Um als EPZ anerkannt zu werden, müssen an einem Klinikum jährlich mindestens 200 Prothesen eingesetzt werden. „Wir versorgen jedes Jahr 600 bis 650 Patientinnen und Patienten mit neuen künstlichen Gelenken. Das zeigt, dass wir beim Einsatz von künstlichen Gelenken absolut versiert sind und auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen können. Wir erfüllen die Vorgaben also deutlich“, sagt Oberärztin Dr. Verena Marhauer. Sie hat die Leitung des Zentrums von Dr. Dietmar Rohlfing nach dessen Pensionierung übernommen. Die Zahl der Eingriffe ist für die Erfahrung der Chirurgen wichtig, da die Implantation von Endoprothesen oft komplex ist. Alle Patienten werden zudem vorab umfassend über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und die Operation aufgeklärt. Dafür bietet das Klinikum jeden Mittwoch eine mehrstündige Patientenschulung an. In dieser Schulung erklären Fachärzte den Patienten genau, was bei einer Operation passiert und worauf sie nach der OP achten müssen. 

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Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 100.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland und Quirónsalud in Spanien. Rund 19 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2018 erzielte das Unternehmen in beiden Ländern einen Gesamtumsatz von 9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 126 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und 10 Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,3 Millionen Patienten behandelt, davon 4,1 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 66.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von rund 6 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 47 Kliniken, 57 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 13,3 Millionen Patienten behandelt, davon 12,9 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 34.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro. Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

Marc Pingel

Referent Unternehmenskommunikation und Marketing
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