Skillstraining

Der Begriff Skill bedeutet so viel wie Fertigkeit oder Fähigkeit. Persönlichkeitsstörungen sind gekennzeichnet durch Störungen der Emotionsregulation, des Denkens, der Selbstwahrnehmung, im zwischenmenschlichen Bereich und auf der Verhaltensebene. Vor allem Patienten mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs sollen in diesem Training lernen, in schwierigen Situationen kurzfristig wirksam zu handeln, ohne längerfristig neue Probleme zu entwickeln.

Skillstraining wird durch unser Pflegepersonal angeboten. Die Aufgabe ist es, den Patienten zu helfen, ihre Anspannung, ihre Emotionen und Verhaltensweisen zu erkennen, einzuschätzen, zu kontrollieren und gegebenenfalls zu reduzieren.

Mit dem Skillstraining sollen die Patienten sich ihre bereits vorhandenen Fertigkeiten bewusstmachen, um sie in Krisensituationen anzuwenden und neue Fertigkeiten zu lernen, zu üben und zu automatisieren.

Wir versuchen theoretisches Wissen zu vermitteln, die Skills individuell anzupassen, die Fertigkeiten zu üben und sie als Alternativverhalten zielfördernd einzusetzen. Dabei kommen auch andere Elemente der Standardtherapien bei Persönlichkeitsstörungen zur Anwendung:

- Achtsamkeit

- Stresstoleranz

- Umgang mit Gefühlen

- Zwischenmenschliche Fertigkeiten und

- Selbstwert

Wir arbeiten mit der Diary-Card und Spannungskurve. Die Diary-Card wird täglich zwischen Patient und Pflegepersonal besprochen und aktualisiert. Hier erarbeitet der Patient seine unmittelbaren Ziele im Umgang mit Problemverhalten und generellen Symptomen seiner Erkrankung; in der Spannungskurve schätzt der Patient regelmäßig die Höhe seiner Anspannung ein, aus der daraus entstehenden Kurve können Strategien im Umgang mit seiner Anspannung geplant werden. Eine sehr plötzlich auftretende starke innere Anspannung ist ein Hauptmerkmal der Borderline-Störung. Die Patienten können mit diesen Hilfsmitteln lernen, Problemverhalten zu erkennen, ihre innere Anspannung einzuschätzen und entsprechende wirksame Skills einzusetzen.

Bei sehr hoher, belastender und quälender Anspannung sind für die meisten Patienten sinnesbezogene Skills zielführend und hilfreich. Diese wirken über Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Spüren. So gelingt es den meisten Patienten, zum Beispiel über das Kauen von Chilischoten oder Chiligummibärchen, sauren Bonbons, Riechen von Ammoniak, Lutschen eines Eiswürfels, Arbeit mit Knetmasse oder über Musik ihre Spannung zu reduzieren.

Andererseits werden die Patienten durch Skills für das Annehmen von Realität und Verantwortung dazu angehalten, für belastende Situationen, die nicht verändert werden können, Akzeptanz und Toleranz zu entwickeln.

 

Literatur

Martin Bohus, Martina Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2. Auflage 2012, Schattauer, Stuttgart Marsha M. Linehan: Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, CIP-Medien, 1996