"Ver.di ist Realitätssinn abhandengekommen"

Herzberg am Harz

Helios geht mit fairen Angeboten in Tarifverhandlungen / Haustarife über Branchenschnitt / Ver.di sorgt mit utopischen Forderungen für ein Scheitern der dritten Verhandlungsrunde

Acht Helios Kliniken in Niedersachsen haben nach dem dritten Verhandlungstag mit ver.di kein neues Angebot auf den Tisch gelegt. „Wir können nicht erkennen, dass ver.di ernsthaft verhandeln will. Die geforderten Tarifanpassungen sind utopisch und lassen jeglichen Realitätssinn vermissen“, sagt Regionalgeschäftsführer Reiner Micholka (Region West), verantwortlich für drei von acht niedersächsischen Helios Kliniken. Ver.di möchte für acht Kliniken des Helios Konzerns in Niedersachsen eine Entgeltsteigerung von 15 Prozent für ein Jahr sowie eine Corona-Prämie von 1.500 Euro erstreiten. Zudem wird eine Anhebung der Jahressonderzahlung auf 100 Prozent gefordert. „Offensichtlich betreibt ver.di durch absurde Gehaltsforderungen aggressive Mitgliederwerbung. Unser Pflegepersonal wird durch die genannten Fantasiebeträge leider völlig in die Irre geführt“, sagt Franzel Simon, Regionalgeschäftsführer Region Nord, der für die anderen fünf der acht Kliniken in Niedersachsen verantwortlich ist. „Unseren Mitarbeiter:innen soll vorgegaukelt werden, dass es hier riesige Spielräume gibt. Das ist schlichtweg falsch.“

Helios ist selbst mit einem fairen Angebot in die Verhandlungen gegangen: 4,6 Prozent mehr Gehalt für die nächsten zwei Jahre. Hinzukommen konkrete Angebote zu einer Corona-Zahlung, der Pflegezulage und im Bereich der Jahressonderzahlung. Für die Klinik in Cuxhaven sieht Helios darüber hinaus n0och weiteren Handlungsbedarf. Daher ist ein standortindividuelles Angebot, zusätzlich zu allen Punkten die im Verhandlungsverbund abgeschlossen werden, eingebracht worden. Trotzdem hat sich Ver.di keinen Millimeter auf das Verhandlungsangebot zubewegt. „Stattdessen wird weiter das Märchen erzählt, dass Pflegekräfte bei uns schlecht verdienen. Nachweislich ist die Situation aber eine ganz andere: Mit unseren Haustarifen liegen wir im und zum Teil sogar über dem Branchenschnitt“, sagt Micholka. Seit 2018 haben die Helios Mitarbeiter:innen in Niedersachsen einen Reallohnzuwachs von 9,7 Prozent. Der Kaufkraftverlust durch die steigende Inflationsrate ist damit bereits eingerechnet. In den vergangenen fünf Jahren lagen die jährlichen Tarifanpassungen zwischen 3,4 und 5,0 Prozent – also deutlich über der Inflationsrate. „Das zeigt eindeutig, wie überzogen und unangemessen die aktuelle Ver.di-Forderung ist, die in dieser Höhe deutschlandweit und über alle Branchen hinweg völlig aus dem Rahmen fällt“, sagt Franzel Simon. „Wir haben durch die Regulierung im Gesundheitssystem keine wesentlichen Möglichkeiten, selbst die Einnahmen zu erhöhen. Daher müssen wir die Balance zur Ausgabenseite halten, um auch weiter in unsere Häuser investieren zu können. Denn nur mit weiteren Investitionen können wir im harten Wettbewerb bestehen und auch in Zukunft qualitativ hochwertige medizinische Leistungen für unsere Patientinnen und Patienten anbieten.“

Ferner monieren die beiden Regionalgeschäftsführer, dass in der Öffentlichkeit mittlerweile ein völlig verzerrtes Bild von der Einkommenssituation von Pflegekräften entstanden ist, das Ver.di auszunutzen versucht, um die überzogenen Forderungen durchzusetzen.

Richtig ist: Der Pflegeberuf ist im Verhältnis zu vergleichbaren Berufen auch finanziell attraktiv. Laut Statistischem Bundesamt verdienten vollzeitbeschäftigte Pflegekräfte in Krankenhäusern im Jahr 2021 brutto durchschnittlich 34 Prozent mehr als 2011. In der Gesamtwirtschaft (Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen) lagen die Steigerungen dagegen bei nur 21,7 Prozent. Daher verdienten laut Statistischem Bundesamt Gesundheits- und Krankenpfleger im Jahr 2021 mit durchschnittlich 3.697 Euro brutto im Monat auch überdurchschnittlich im Vergleich zur Gesamtwirtschaft. Beschäftigte mit vergleichbarer Qualifikation (Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen) bekamen 2021 pro Monat durchschnittlich 3.399 Euro. Damit liegt der monatliche Bruttoverdienst von Krankenpfleger:innen 8,8% über dem der Beschäftigten mit vergleichbarer Qualifikation.

Dennoch betonen beide Helios Regionalgeschäftsführer ihre Bereitschaft, auch in diesem Jahr eine angemessene Lohnsteigerung mitzutragen. „Unser faires Angebot liegt auf dem Tisch. Unter der Maßgabe, dass ver.di zu seriösen Gesprächen bereit ist, haben wir bereits dem nächsten Verhandlungstermin zugestimmt.“ Zudem appellieren Simon und Micholka, die Tarifverhandlungen nicht durch Streiks auf dem Rücken der Patient:innen auszutragen.

Jana Schildknecht

Referentin Unternehmenskommunikation und Marketing

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