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Mythen und Fakten

Mythen und Fakten

Ob in den Zeitungen, Talkshows oder der Werbung - das Thema (Krankenhaus-) Hygiene begegnet uns mittlerweile fast täglich. Meist ist es dabei allerdings mit negativen Emotionen besetzt, mit der Furcht vor Krankheiten oder tragischen Patientenschicksalen. Dabei verdanken wir der „Lehre von der Verhütung der Krankheiten" (= Hygiene) zahlreiche gerettete Leben.

Unsere hauptamtlichen Mitarbeiter in der Krankenhaushygiene begegnen im Krankenhausalltag bei Patienten und Besuchern immer wieder einer großen Verunsicherung. Darunter sind auch viele Irrtümer oder Verwechslungen zu finden. Grundsätzlich  gehören viele Bakterien zur normalen Flora des Menschen und werden uns nur im Falle eines geschwächten Immunsystems gefährlich. Hier werden die wichtigsten Fragen rund um Bakterien, Infektionen und saubere Hände beantwortet.

Nein. Bakterien gehören zu unserem natürlichen Umfeld, ohne sie wären wir gar nicht überlebensfähig. Ein Organismus etwa, der vollständig ohne bakterielle Besiedlung aufwächst, hätte Einflüssen von außen rein gar nichts entgegenzusetzen und würde schon nach kurzer Zeit verkümmern. Wir alle tragen daher auf und in uns Milliarden unterschiedlicher Bakterien, die bestimmte Aufgaben haben, wie z. B. im Darm, auf der Haut oder im Mund.

Nur sehr wenige davon machen uns tatsächlich krank: Das Risiko einer Erkrankung steigt bei einem geschwächten Immunsystem oder nach einer Operation im Krankenhaus, weil dabei natürliche Schutzbarrieren durchbrochen werden oder Keime an „falsche" Orte des Körpers gelangen können.

Etwa 90 Prozent der Infektionen im Krankenhaus gehen von Bakterien aus, die mit einem Antibiotikum wirksam bekämpft werden können. Schwieriger wird es, wenn Bakterienstämme sogenannte Resistenzen entwickeln. Manche Bakterien geben die Resistenzen zudem an andere Stämme weiter. In einer Umgebung mit hohem Antibiotikaeinsatz wie in Kliniken, haben die resistenten Erreger so einen klaren Überlebensvorteil gegenüber ihren Artgenossen und können sich dann besser vermehren.

Aber: Für jede bakterielle Infektion ist eine Eintrittspforte und eine gewisse Erregermenge notwendig. Erst dann kann daraus unter Umständen eine Lungenentzündung, Wundinfektion oder Blutvergiftung entstehen. Wichtig ist zudem, die Infektion von einer harmlosen Besiedlung (Kolonisation) zu unterscheiden. Besiedlung bedeutet, dass die Erreger auf oder im Körper vorhanden sind ohne eine Krankheit zu verursachen. Eine Behandlung (lokale Sanierung) ist hier in der Regel nicht notwendig, kann aber vor einer Operation sinnvoll sein, um das Infektionsrisiko zu senken.

Grundsätzlich wichtig für den Alltag: Möglichst die Hände aus dem Gesicht lassen. Denn über die Augen oder die Schleimhäute in Mund und Nase können Bakterien viel leichter in den Körper eindringen.

Resistente Erreger können im Falle einer akuten Infektion für alle Patienten gefährlich werden, zusätzlich erhöhen bestimmte Faktoren aber das Risiko:

  • Alter: Besonders junge oder alte Patienten sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem schwächer ist.
  • Schwere Grunderkrankungen: Sind Patienten bereits erkrankt, kann sich ihr Körper kaum noch wehren. So können Infektionen, die für gesunde Menschen kaum ein Problem darstellen, schnell gefährlich werden.
  • Zeitlich lange offene Wunden: Heilen bestimmte Wunden nur schwer, erhöht sich das Risiko, dass über diese "Öffnung" Keime an Stellen gelangen, wo sie nicht hingehören.
  • Mangelhafte Händehygiene in der Klinik: Sowohl von Mitarbeitern als auch von Angehörigen.

Erreger gelangen meist über direkten Körperkontakt, Gegenstände und  seltener durch die Luft von Mensch zu Mensch. Deshalb ist Händedesinfektion dringend erforderlich und nur in wenigen Fällen ein Mundschutz.

  • vor Patientenkontakt
  • vor aseptischen (keimfreien, sauberen) Tätigkeiten (z.B. Anlegen eines Katheters, Gabe von Spritzen oder Infusionen)
  • nach Kontakt mit potenziell infektiösen Materialien (z. B. Ausscheidungen)
  • nach Patientenkontakt
  • nach Kontakt mit Oberflächen in unmittelbarer Umgebung des Patienten

(Quelle: Robert-Koch-Institut / WHO)

Für Besucher ist vor allem wichtig, vor Betreten und nach Verlassen des Patientenzimmers die Hände zu desinfizieren. Darüber hinaus gelten in der Klinik die gleichen hygienischen Grundregeln wie im Alltag auch. Über besondere Schutzmaßnahmen, etwa bei einer Kontakt- oder einer Einzelzimmerisolierung, werden Besucher vorab durch Hinweisschilder oder vom Personal informiert. Auch der Patient selbst kann, sofern möglich, darauf achten, dass diese Richtlinien zur Händehygiene in seiner Umgebung eingehalten werden und sie auch selbst befolgen.

„Sauber" ist natürlich im privaten Umfeld anders definiert als etwa in einer Klinik. Bei der Versorgung von kranken, abwehrgeschwächten Menschen kommt es vor allem darauf an, dass die Anzahl an Erregern auf den Händen deutlich reduziert wird. Das gelingt nur mit einem alkoholhaltigen Händedesinfektionsmittel, Wasser und Seife reichen hier nicht aus. Eine gründliche Händedesinfektion im Gesundheitswesen dauert rund 30 Sekunden.

Gut zu wissen

Wir messen kontinuierlich unsere Händedesinfektionsmittelverbräuche. Außerdem sind die Helios Kliniken Teilnehmer des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) des Nationalen Referenzzentrums. Die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen in unseren Kliniken greifen.

Sprechen Sie uns gern an

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Mitarbeiter auf der Station oder an die Krankenhaushygiene vor Ort.

Dr. med. Karin Schwegmann

Leiterin ZD Krankenhaushygiene
Dr. med. Karin Schwegmann

E-Mail

Telefon

(030) 587 666 195