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Behandlungsformen

Behandlungsformen

Unser Tag ist geprägt von der Psychotherapie in Form von Einzeltherapie und Gruppentherapie. Dabei ergänzen sich die beiden Therapieformen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit der Paar- und Familiengespräche, Testdiagnostik und Traumatherapie.

Einzeltherapie

Ein sehr wichtiger Baustein unserer stationären Therapie ist das vertrauensvolle Einzelgespräch zwischen Bezugstherapeut und Patienten. In diesen Gesprächen werden die Behandlungsschritte gemeinsam geplant, die Behandlungsziele festgelegt und jeweils dem Behandlungsverlauf angepasst.

Ihr Bezugstherapeut führt mit Ihnen in der Regel zweimal pro Woche ausführliche Einzelgespräche. Bei Bedarf bieten wir zusätzliche Krisengespräche und fokussierende Gespräche an. Neben der Bearbeitung der zentralen Therapiethemen können hier auch die in den Therapiegruppen aktivierten Themen individuell nachbearbeitet und integriert werden. Oft werden dabei Zusammenhänge mit den zentralen Therapiethemen deutlich. In manchen Fällen ist die Aufnahme in eine unserer Gruppen nicht oder noch nicht möglich, z.B. wenn eine schwerwiegende Traumatisierung vorliegt. Wenn dies der Fall ist, wird die Gruppentherapie durch Einzeltherapie ersetzt.   

Gruppentherapie

Bei Beginn der Behandlung wird auf dem Boden der bis dahin durchgeführten Diagnostik festgelegt, in welcher Bezugsgruppe der Patient am besten aufgehoben ist. Die Bezugsgruppen arbeiten entweder psychodynamisch, strukturbezogen oder traumaspezifisch und sind mit zwei non-verbalen Spezialtherapiegruppen (Kunst- und / oder Körpertherapie) verbunden. Unsere Gruppen bestehen aus maximal 8 Personen, die von einem festen Bezugstherapeuten betreut werden.

Die Bezugsgruppen haben die nachfolgend beschriebenen Schwerpunkte:

Die Psychodynamische Gruppe

Das Beziehungserleben zu mir selbst und zum anderen auf dem Hintergrund der eigenen Biographie ist zentrales Thema dieser Gruppenarbeit. Verhaltensmuster, die vom Patienten in seiner aktuellen Lebensphase als nicht mehr ausreichend hilfreich erlebt werden, werden wertschätzend herausgearbeitet, ihrem biographischen Ursprung zugeordnet und der Patient von der Gruppe bei einem kreativen Wachstumsprozess zu neuen Verhaltens- und Erlebensmustern begleitet. Dabei entwickelt sich die gesamte Gruppe weiter. Neben interaktionellem Vorgehen werden verschiedene strukturierte, erlebnisaktivierende Methoden, unter anderem Psychodrama, Familienaufstellung und Gestalttherapie, genutzt.

Die Ressourcengruppe (Traumatherapie)

Die Ressourcengruppe ist eine stark strukturiert arbeitende Gruppe, die psychoedukativ, ressourcenfördernd und stabilisierend mit vielfältigen, manualisierten Übungsmaterialien arbeitet.

Die Selbstmanagementgruppe (Strukturbezogene Psychotherapie)

In dieser stark strukturiert arbeitenden Gruppe  wird der Schwerpunkt im Bereich des Selbstwerterlebens, der Achtsamkeit sowie dem Selbst- und Beziehungsmanagement gelegt.

Zusätzlich, außerhalb der Bezugsgruppe, können die Patienten weitere Unterstützung in verschiedenen Therapiegruppen finden:

Themenzentrierte Gruppen

In themenzentrierten Gruppen werden störungsspezifische Hintergrundinformationen gegeben und Bewältigungsstrategien reflektiert und bearbeitet. Wir bieten z.B. berufsbezogenen Gruppen für Menschen mit pädagogischen Berufen und Polizei/Feuerwehr/Rettungsdienst, die Abstinenzgruppe, die Imaginationsgruppe, die kognitive Depressionsgruppe und andere.

Gruppen mit übenden Verfahren

Gruppen in denen das Üben von stabilisierenden Imaginationen, Entspannungsverfahren und Meditation im Vordergrund steht, ergänzen das Therapieprogramm.

Begrüßung und Abschied, Forum

In größeren Gruppen werden organisatorische Themen besprochen, die neuen Patienten begrüßt und die abreisenden Patienten verabschiedet. Vorträge und Informationsveranstaltungen werden zu den verschiedensten Gesundheitsthemen angeboten, wie u.a. zum Thema Ernährung, Burn-out, Depression, Schlafstörungen und Kommunikation.

Paar- und Familiengespräche

Diese Gespräche werden in der Regel ein- bis zweimal während eines Aufenthaltes in unserer Klinik angeboten. Sie dienen der Exploration (Erforschung, Untersuchung) des sozialen Kontextes der Erkrankung. Angehörige haben selbst oft viele Fragen, wie sie dem Patienten in seiner Entwicklung  hilfreich begegnen können. Gerne beantworten wir diese Fragen im Rahmen weitere Paar- und Familiengespräche. Dadurch kann ein vertieftes Verständnis im Beziehungsfeld erreicht werden und fakultativ eine ambulante Paar- oder Familientherapie vorbereitet werden.

Manche Angehörige haben eine weite Anreise. Wir bieten deshalb nach Absprache mit dem Bezugstherapeuten die Möglichkeit, im Patientenzimmer zu übernachten oder – wenn die Belegung es zulässt – im allgäu resort, Helios business & health Hotel zu übernachten. Die Kosten für die Übernachtungen erfragen Sie bitte bei unserem Patientenmanagement.

Psychologische Test-Diagnostik

Die Psychologische Diagnostik ist Grundlage jeder Psychotherapie und steht damit zu Beginn der stationären Behandlung im Vordergrund. In vielen eingehenden Gesprächen wird die Krankengeschichte erhoben. Die Chefärztin oder der zuständige Oberarzt, der jeweilige Bezugstherapeut und die Pflege führen diese Einzelgespräche und sammeln aus ihren jeweiligen Blickwinkeln möglichst umfassende Informationen, z.B. zur aktuellen Symptomatik, zur Biographie, den schon vorhandenen Ressourcen, zum Suchtverhalten, den bisherigen Behandlungsversuchen und bisheriger Medikation.
Neben diesen Informationen führen auch unsere computergestützten testpsychologischen Untersuchungen dazu, dass eine genaue Diagnose gestellt werden kann und die ersten Schritte der Therapie festgelegt werden können. Im Laufe der stationären Behandlung wird immer wieder der aktuelle psychische Befund erhoben, oft ergeben sich in den Gesprächen auch – vergessene – Details, die ein kontinuierliches Anpassen der Therapie ermöglichen. Bei Entlassung helfen uns die nochmals durchgeführten computergestützten testpsychologischen Untersuchungen, unsere Behandlungsqualität zu sichern und geben Ihnen Auskunft über Ihren Therapieerfolg.

Traumatherapie

Das vorrangige Ziel am Beginn der Traumatherapie sind die Stabilisierung des Betroffenen und der Wiederaufbau eines Selbstwertgefühls. Die Traumatherapie ist eine Spezialtherapie, die gut strukturiert in vier Phasen verläuft, damit es nicht zu einer Retraumatisierung kommt, sondern das Therapieziel sicher erreicht werden kann. Bei der Therapieplanung ist es wichtig, zwischen Patienten mit einzelnen Traumata (Monotraumata) und Patienten mit langen Phasen von Traumatisierungen (komplexe Traumatisierungen) zu unterscheiden.

Transparenz - ein wichtiger Baustein unserer Therapie

Bereits bei Therapiebeginn bekommen Sie ausführliche Informationen zu Dauer und Inhalt der Therapie. Sie erhalten Gelegenheit, das therapeutische Team kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Risiken und mögliche therapeutische Stolpersteine, wie der Umgang mit Krisen, Suizidalität und Kooperation mit psychiatrischen Fachkrankenhäusern, besprechen wir bereits zu Beginn der Therapie mit Ihnen. Wir erarbeiten gemeinsam mit Ihnen einen Basisvertrag und vereinbaren konkrete Ziele Ihrer Behandlung. Die Verständnisvermittlung, wie es zu einer Traumareaktion kommt, worin die Traumareaktion besteht und wie die Schritte der Therapie verlaufen, ist ein zentraler Bestandteil dieser Therapiephase (Psychoedukation). Zu verstehen, dass die erlebten Symptome „normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse“ sind, ist bereits für viele Patienten sehr entlastend.

Stabilisierung - der erste Schritt in Ihr neues Leben

Vorrangiger Schwerpunkt in der Stabilisierungsphase stellt die Zunahme der Kontroll- und Steuerungsfähigkeit von traumaspezifischen Folgesymptomen dar. Zu diesen Folgesymptomen gehören z.B. Übererregung, Panikattacken, Flashbacks oder Dissoziation. Erreicht wird die Stabilisierung durch Imaginationsübungen, Grounding-Übungen (Aktivierung von Sinneserfahrung) sowie das Erkunden und Kennenlernen verschiedener Ich-Anteile (Ego-States). Die dabei entscheidende Grundhaltung gegenüber sich selber ist wohlwollend-neutral und ressourcenorientiert.

Darüber hinaus erhalten Sie Informationen zum aktuellen Stand der Traumaforschung bzgl. Traumatherapie und werden eine Trauma- und Ressourcenlandkarte erstellen. Ziel der Stabilisierungsphase ist, über die Verbesserung der Kontroll- und Steuerungsfähigkeit von Traumafolgesymptomen, die Stärkung der Beziehungsfähigkeit zu sich selbst und die Überprüfung und ggf. Veränderung der Beziehungsmuster zu anderen.

Traumakonfrontation – erst nach ausreichender Stabilisierung

Entscheidende Voraussetzungen für die Traumakonfrontation sind eine ausreichend lange Stabilisierungsphase und der wohlwollende Umgang mit sich selbst. Erst wenn dies sehr stabil in der Steuerung und im Bewusstsein verankert ist, wird die detaillierte Auseinandersetzung mit Traumaerinnerungen möglich. Deshalb wird die Traumabehandlung häufig in Intervallen durchgeführt. Stationäre Aufenthalte werden durch Phasen der Selbsterprobung außerhalb der Klinik unterbrochen. Ziel der Traumakonfrontation, z.B. mit der Screentechnik, dem EMDR oder anderen Verfahren, ist es, alte Traumaerfahrungen aus sicherer Distanz heute in therapeutischer Begleitung „anzuschauen“, damit in einem mehrschichtigen Prozess zu integrieren und eine wohlwollende Haltung zum eigenen Ich zu entwickeln.

Integration des Erlernten in den Alltag

Alles neu Erlernte muss in das eigene Persönlichkeitserleben und den Alltag integriert werden. Was verändert sich in meinem Alltag und in meinen beruflichen und privaten Beziehungen durch meinen neu erarbeiteten Umgang mit mir selbst und anderen? Wo kann ich Unterstützung erwarten? Aber auch: Wo wird mir Widerstand entgegenkommen? Wie organisiere ich mir meine weitere therapeutische Unterstützung? Diese Dinge werden in der Abschlussphase sehr genau beachtet. Hierzu ist von besonderer Bedeutung, eine ambulante Traumatherapie schon vor Entlassung aus der stationären Behandlung zu organisieren und Adressen für den Notfall zusammen zu stellen. Wir werden Sie auch hier unterstützen und begleiten.

Der Aufenthalt dauert in der Regel 8 bis 10 Wochen, kann aber auch erheblich längere Zeit in Anspruch nehmen. Er umfasst immer die Stadien von Therapiestart, Stabilisierung und Alltagstransfer. Nur bei ausreichender Stabilisierungsfähigkeit kann Traumakonfrontation erfolgen.

Strukturbezogene Psychotherapie

Die Strukturbezogene Psychotherapie ist ein Therapieansatz, der die Förderung der inneren Strukturgebung zum Ziel hat. Hier steht die Förderung der Selbstwahrnehmung durch z.B. Achtsamkeitsübungen und die Förderung der Selbststeuerung durch das Erlernen von Fertigkeiten im Vordergrund. Auch die Verbesserung der Kommunikation und der Wahrnehmung des Gegenübers sind wichtige Bestandteile dieses Therapieansatzes. Von vielen Patienten werden diese Kenntnisse und die Erweiterung dieser Fähigkeiten als sehr hilfreich und zielführend empfunden.

In unserer Therapie hat die Psychoedukation, also die Erweiterung des Wissens um die eigene Krankheit, einen wichtigen Stellenwert. Wir bieten im Laufe der stationären Behandlung Schulungen zu vielen Themen, wie z.B. Depression, Burnout-Prophylaxe, Selbstmanagement und gesunde Ernährung an. Diese Informationen werden Ihnen dabei helfen, Ihre Gesundheit zu erhalten und zu stabilisieren.

Neue Möglichkeiten entdecken – durch Wissen und Verständnis

Informationen über die Erkrankung, deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten erhöhen die eigenen Kontroll- und Gestaltungsmöglichkeiten und eröffnen neue Perspektiven. Eine emotionale Entlastung von Patient und Angehörigen sind die Folge. Durch das Verständnis von Krankheit und Behandlungskonzept wird der gleichberechtigte Austausch zwischen Patient und Therapeut gefördert, das Rückfallrisiko wird deutlich gesenkt.
Unsere Ärzte und Therapeuten bieten auch außerhalb einer stationären Behandlung Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen an. Gerne informieren wir Sie über dieses Angebot, bitte nehmen Sie hierzu Kontakt mit unserem Patientenmanagement auf.