Mit Dampf gegen Keime

Von vielen Patienten kaum bemerkt, führt die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) in den meisten Kliniken ein Schattendasein. Dabei ist sie eigentlich das Herzstück. Alle OP-Instrumente wie Scheren, Klemmen, Nierenschalen müssen nach einer Operation für ihren nächsten Einsatz am Patienten aufbereitet werden. In der Helios ENDO-Klinik Hamburg versorgt das Team der AEMP und dessen Leiter Tim Deponte Tag für Tag sämtliche operative Bereiche mit sterilem Operationsbesteck.

In der AEMP, von den Mitarbeitern auch liebevoll "Steri" genannt, landen alle wiederaufbereitbaren Operationsbestecke aus den OP-Sälen der ENDO-Klinik. Sie werden dort gereinigt und desinfiziert, überprüft und gepflegt, verpackt und sterilisiert. Rund 180.000 sind es jeden Monat. Hinter dieser Zahl verbergen sich in Folie eingeschweißte Einzelinstrumente, Packkombinationen mit wenigen Instrumenten oder OP-Siebe mit bis zu 70 Medizinprodukten. Und für jedes Instrument gibt es genaue Vorgaben, wie es aufbereitet werden muss - entsprechend des Medizinproduktegesetzes und der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention(Krinko) und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Rund 40.000 Medizinprodukte sind in der AEMP der ENDO-Klinik registriert.

Direkt nach dem Eingriff im OP-Saal

werden die benutzten Instrumente in sogenannte Siebe gelegt und an die AEMP geliefert. Diese ist in zwei Bereiche getrennt: die "unreine" und die "reine" Seite. Auf der unreinen Seite kommen alle benutzten Operationsbestecke in Edelstahl-Transportwagen an. Die Siebe werden aus den Transportwagen entnommen und die OP-Bestecke vorsortiert. Einige Instrumente müssen vor der maschinellen Reinigung und Desinfektion noch vorgereinigt werden. Schwer zugängliche Stellen werden mit Kunststoffbürsten vorgereinigt, andere Instrumente werden in Reinigungs- und Desinfektionsmittelbäder mit oder ohne Ultraschall gelegt. Danach werden die gefüllten Siebe in eine der vier Reinigungsmaschinen geschoben. Eine Stunde und zehn Minuten werden die Instrumente gewaschen, auf über 90 Grad desinfiziert und mit Hitze getrocknet.

Nach der Reinigung und Desinfektion

entnehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der reinen Seite die Instrumente, überprüfen sie auf Sauberkeit und Funktion. Die Instrumente werden gepflegt, ggf. montiert und erneut sortiert. Im Packbereich ordnen die Mitarbeiter die einzelnen Instrumente zu und packen die Siebe nach sogenannten Packlisten: Alle OP-Instrumente sind mittels eines Barcodes, der an jedem Sieb befestigt ist, im Computer erfasst. Auf diese Weise kann der Weg von jedem Instrument lückenlos verfolgt werden. Insgesamt 647 verschiedene OP-Siebe hat die ENDO-Klinik im Bestand.

Der letzte Schritt zur Aufbereitung

der Instrumente ist die Sterilisation. Schon jetzt sind auf den desinfizierten Geräten eigentlich kaum noch Erreger zu finden - dem Anspruch "steril" genügen sie damit aber längst noch nicht: Nach den theoretischen Messwerten und der Definition 'steril' dürfte maximal ein Instrument von einer Million sterilisierter Instrumente mit einem Keim belastet sein. Bei der Sterilisation mit Hilfe von Dampf wird also auch der widerstandsfähigste Keim beseitigt. Dafür werden die OP-Siebe in sogenannten 'Chargen' zugeordnet. In den Sterilisatoren wird das OP-Besteck mit einer Höchsttemperatur von 134 Grad Celsius behandelt.

Nach diesem Vorgang

ist der gesamte Inhalt absolut steril. Sauber und steril liegt das OP-Set nun im dafür vorgesehenen Regal der AEMP und wartet auf seinen nächsten Einsatz.