„Wenn es um Menschenleben geht, dann funktioniert man einfach“
Pressemitteilung
Verwaltungsangestellte der Helios Klinik Erlenbach rettet Leben

„Wenn es um Menschenleben geht, dann funktioniert man einfach“

Erlenbach

Am Dienstag, den 12. Januar bricht eine Frau auf einem Bürgersteig in Elsenfeld zusammen. Karoline Becker, Verwaltungsangestellte an der Helios Klinik Erlenbach, ist als Ersthelferin sofort zur Stelle. Dank gezielter Reanimationsmaßnahmen überlebt die Bewusstlose ohne bleibende Hirnschäden. „Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig schnelle Laienreanimation im Notfall ist“, so Michael Weberpals, Chefarzt der Kardiologie an der Helios Klinik Erlenbach.

Es ist Dienstagnachmittag, etwa 16 Uhr, als Karoline Becker und ihre Tochter Lena mit dem Auto durch Elsenfeld fahren. Es herrscht Feierabendverkehr. Lena bemerkt den Tumult am Straßenrand zuerst: Zwei Männer versuchen verzweifelt Autos anzuhalten. Eine Frau liegt bewusstlos am Boden. Karoline Becker fackelt nicht lange. Sie hält sofort an. Drei Ersthelfer sind bereits vor Ort, dennoch ist die Situation chaotisch und unübersichtlich. Als sie die Frau erreicht, findet sie sie mit dem Gesicht zum Boden liegend vor.

Karoline Becker ist gelernte Krankenschwester.

Karoline Becker ist gelernte Krankenschwester, mittlerweile aber seit fast zehn Jahren in der Kodierung der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach tätig. Berufsbedingt kennt sie sich mit Notfällen aus, weiß, wie man im Ernstfall reagiert. Die Bewusstlose hat weder Puls noch Atmung. Becker beginnt sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Der Zustand der Frau ist kritisch, immer wieder bricht ihr Kreislauf zusammen. Becker erinnert sich an die Situation: „Wenn es um Menschenleben geht, dann setzt das Denken aus, dann funktioniert man einfach.“ Während die ehemalige Krankenschwester immer wieder reanimiert, gibt sie ihrer Tochter Anweisungen den Notruf auszulösen. Der Rettungsdienst trifft etwa 10 Minuten später ein. Die 65-Jährige wird in die Helios Klinik Erlenbach gebracht und dort anschließend weiterversorgt.

Das beherzte Eingreifen von Karoline Becker rettet der bewusstlosen Frau am Ende das Leben. Das ganze Ausmaß wird jedoch erst später deutlich: Sie hat nicht nur überlebt, sie wird auch keine bleibenden Hirnschäden davontragen. „Leider haben viele Patienten mit überlebtem Herztod bleibende, häufig schwere Gehirnschäden durch die Unterversorgung mit Sauerstoff. Ein schnelles Handeln entscheidet nicht nur über das Überleben, sondern vor allem auch über das Ausmaß der Hirnschädigung als Folge des Kreislaufstillstandes“, erklärt Weberpals, „Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie wichtig schnelle Laienreanimation im Notfall ist.“

Dass bei ihrem Eintreffen noch keinerlei Notfallmaßnahmen eingeleitet wurden, zeigt Becker, dass die Angst vor Fehlern hier immer noch tief sitzt. „Du kannst nichts falsch machen. Einfach drücken!“, betont die gelernte Krankenschwester, „Den einzigen Fehler, den du machen kannst, ist nichts zu tun.“ Natürlich habe ihr ihre berufliche Vorgeschichte hier geholfen. „Die Personen vor Ort waren alle überfordert. Das war eine Ausnahmesituation. Man kann ihnen fast keinen Vorwurf machen“, so Becker. Dennoch hätte die bewusstlose Frau ohne ihre Hilfe womöglich nicht überlebt.

Die Überlebenschance von Personen, die einen Herz-Kreislaufstillstand erleiden, liegt derzeit nur bei etwa 10 Prozent. Diese Chance würden sich verdreifachen, wenn Ersthelfer vor Ort umgehend mit der Reanimation beginnen würden. Die Helios Klinik Erlenbach hat sich zur Aufgabe gestellt, die Angst vor dem Reanimieren zu reduzieren: Neben den regulären Reanimationskursen für Mitarbeiter werden jährlich öffentliche Reanimationstage veranstaltet. Die Helios Klinik Erlenbach hofft, Reanimationstage für Laien bald wieder stattfinden zu lassen.