Im Notfall nichts dem Zufall überlassen
Notfallpfleger der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach bestehen Fachweiterbildung

Im Notfall nichts dem Zufall überlassen

Die Arbeit in der Notaufnahme stellt Pflegekräfte wie Ärzte vor immer neue Herausforderungen, auf die gezielt reagiert werden müssen. Um den Anforderungen gerecht zu werden, haben Maik Radeck und Inna Gusson von den Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach sich für die Fachweiterbildung Notfallpflege entschlossen - mit großem Erfolg.

Inna Gusson (l.) und Maik Radeck zusammen mit Pflegedirektor Heiko Basch (r.)

Vergangenen Dienstag war es soweit: Nach Wochen der Vorbereitung haben Maik Radeck und Inna Gussonhaben ihre Prüfung zur Fachweiterbildung Notfallpflege mit Bravour bestanden. Ziel und Inhalt der Weiterbildung ist der Ausbau der fachpflegerischen Kompetenzen im Umgang mit zeitkritisch schwerkranken Patienten. Gleichzeitig sollen die Fähigkeiten zur reibungslosen Zusammenarbeit mit hochspezialisierten und multiprofessionellen Teams geschärft werden. In insgesamt drei Modulen lernen die Absolventen unter anderem, wie man Patienten in der Zentralen Notaufnahme richtig einschätzt (Manchester-Triage-System), aufnimmt und begleitet und wie man die Abläufe in der Notaufnahme strukturiert und organisiert. Auch der Umgang mit dementen Patienten sowie mit Gewalt- und Missbrauchsopfer wird geschult.

Die Qualifikation richtete sich an Pflegekräfte, die bereits mindestens 5 Jahre Berufserfahrung in einer Notaufnahme haben. Sowohl Maik Radeck als auch Inna Gusson konnten aufgrund ihrer langjährigen Vorerfahrungen in Notaufnahmen die Teilnahme am Kurs verkürzen. Eine einmalige Chance, denn 2020 endet eine Übergangsfrist, die auch erfahrene Pflegekräfte dazu verpflichtet, eine zweijährige Weiterbildung ohne Verkürzung zu absolvieren. Aktuell arbeiten beide zwar nicht in der Notaufnahme, die Weiterbildung sei aber auch übergreifend sinnvoll. Und zumindest für Inna Gusson steht fest: "Ich würde gerne wieder in der Notaufnahme arbeiten!"

Bis Ende des Jahres haben insgesamt zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach die Fachweiterbildung Notfallpflege abgelegt, angefangen im Herbst 2018. "Dass wir in so kurzer Zeit so viele neue Notfallpfleger ausbilden lassen konnten, ist eine beachtliche Leistung!", so Heiko Basch, Pflegedirektor der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach, "Das hat nicht jede Klinik."

Das Manchester-Triage-System

In der Zentralen Notaufnahme (ZNA) treffen Patienten mit verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen ein. Sie werden mit dem Rettungsdienst gebracht oder kommen selbstständig in unser Krankenhaus. Unmittelbar nach der Ankunft wird jeder Patient von einer erfahrenen Pflegekraft nach den Beschwerden befragt. In dessen Ergebnis werden alle Patienten nach der bestehenden medizinischen Dringlichkeit versorgt. Hier kommt das sogenannte Triage-System zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein System einer klinischen Einschätzung der Erkrankungsschwere, die dem Grundsatz folgt: "Je schwerer die Verletzung oder Erkrankung, desto rascher muss die ärztliche Versorgung erfolgen!" Danach erfolgt die Einordnung in ein Raster, das durch ein Farbschema deutlich gemacht wird.

So gelingt es uns, die Wartezeit an die jeweilige Schwere des Erkrankungsbildes anzupassen und zugleich Verständnis bei den Patienten zu wecken, die ihre Wartezeit nachvollziehen können. Für die Patienten der Notaufnahme ergeben sich durch die Ersteinschätzung folgende Vorteile:

  • Alle Patienten werden zeitnah von einer geschulten Fachkraft gesehen.
  • Die Wartezeit dringlicher Patienten sinkt.
  • Die Sicherheit der Patienten steigt.

Durch diese Ersteinschätzung ist die Reihenfolge des Eintreffens der Patienten nicht unbedingt entscheidend für den Zeitpunkt ihrer Behandlung. So ist es möglich, dass Patienten, die noch nicht so lange warten, zuerst aufgerufen werden. Die Patienten in der Notaufnahme werden zudem, je nach Erkrankung bzw. Verletzung, von Ärzten unterschiedlicher Fachabteilungen behandelt. Auch aus diesem Grund können Patienten in einer anderen Reihenfolge aufgerufen werden, als sie in der ZNA eingetroffen sind.