Brustkrebs: Aktion Herzkissen an der HELIOS Klinik Erlenbach –
Pressemitteilung
Frauenselbsthilfegruppe begleitet und unterstützt auf Wunsch Patientinnen

Brustkrebs: Aktion Herzkissen an der HELIOS Klinik Erlenbach –

Erlenbach

Sie sind aus weichem Stoff, grün wie die Hoffnung und lassen sich aufgrund ihrer Form gut unter den Arm klemmen: Die Herzkissen bedeuten für viele Brustkrebspatientinnen eine Erleichterung. „Und zwar für Körper und Seele“, weiß Waltraud Schott, Vorsitzende des Obernburger Vereins „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ aus eigener Erfahrung: „Wenn man sich ein Herzkissen unter die Achselhöhle klemmt, dort, wo womöglich der Abfluss der Lymphflüssigkeit unterbrochen ist, ist das ein sehr angenehmes Gefühl und tut einfach gut.“

Was einst in Amerika seinen Anfang nahm und über Dänemark Europa eroberte, ist jetzt auch in der HELIOS Klinik Erlenbach angekommen: Seit Monaten haben die Frauen Stoffe zugeschnitten, befüllt und zusammengenäht. Gut zwei Dutzend ehrenamtlich geschneiderte Herzkissen hat die Selbsthilfegruppe vergangene Woche an den Chefarzt der Erlenbacher Frauenklinik Jan Kemnitz und sein Team der Gynäkologie überreicht – Nachschub bereits in Produktion.

Die Herzkissen werden auf Wunsch an Patientinnen verschenkt, die eine Brustkrebs-Operation überstanden haben. Die Kissen lindern Druck- und Wundschmerzen sowie Lymphschwellungen in der Achselhöhle und sollen zudem Trost und Hoffnung spenden. „Wir möchten den neuen Patienteninnen die Leidenszeit etwas verkürzen und einfach ein Herz fürs Herz schenken“, so die Erlenbacherin Waltraud Schott. Die Herzkissen sind von den Damen selbst getestet und für „supertoll“ befunden. „Wir haben von dieser Aktion von anderen Gruppen erfahren und fanden die Idee total gut“, so die Leiterin der regionalen Selbsthilfegruppe, die dem bundesweiten Netzwerk „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ angehört, das Betroffenen nicht nur mit Rat und Tat zur Seite steht, sondern sich auch über Neuerungen der Krebstherapie oder etwa soziale Hilfen wie Rehabilitation informiert.

Unter dem Motto „Auffangen. Informieren. Begleiten“ trifft sich die Selbsthilfegruppe seit 35 Jahren regelmäßig in den BRK-Räumen in Obernburg. Einmal im Monat kommen hier Frauen im Alter von Ende 40 bis Anfang 90 zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und der Lebensfreude Raum zu geben. Denn die ist bei allen Betroffenen und Ex-Patientinnen spürbar – vielleicht sogar bewusster als je zuvor. Wie etwa bei Gertrud Ruppert aus Lützelbach: „Ich war schon immer ein fröhlicher Mensch. Jetzt gehört die Krankheit zu meiner Lebenserfahrung. Auch wenn alles gut überstanden ist – jeder Tag ist anders.“

Das Alter der Mitglieder, bis 91 Jahre, zeigt: Krebs ist eine Erkrankung, mit der man leben lernen kann. So wie Elke Ebert. Die 76-Jährige ist seit 22 Jahren in der freundschaftlichen Runde mit dabei – seit sie mit 54 Jahren die Diagnose bekam. „Ich bin erstmal in ein Loch gefallen“, so die vitale Erlenbacherin. OP, Chemo, Reha - wie die meisten hat sie das „volle Programm“ durchgemacht. „Damals gab es noch kaum Information und Austausch, dabei hätte ich dringend Hilfe gebraucht“, erinnert sie sich.

Mittlerweile hat sich in der Gruppe ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Die Frauen wissen aus eigener Erfahrung, dass sich die Diagnose auf alle Lebensbereiche auswirkt. Angesichts der Bedrohung des eigenen Lebens stellt sich bei vielen ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit ein. Auch beim Partner, Angehörigen und Freunden „Wir reden über alles, von sexuellen Themen bis hin zur familiären Belastung“, so Gertrude Ruppert. „Und wir begleiten auf Wunsch auch bei der OP.“

Was einst generell gemacht wurde, ist heute eher die Ausnahme: Dass die Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle in zwei Drittel der Fälle nicht mehr notwendig ist, bezeichnet der Erlenbacher Chefarzt für Frauenheilkunde Jan Kemnitz als „schöne Entwicklung“ der modernen Medizin. „Glücklicherweise sind die Behandlungsmethoden so weit fortgeschritten, dass wir zunehmend gewebeschonend und brustherhaltend operieren können.“

Ob mit oder ohne Lymphknoten – die Herzkissen bezeichnete der Chefarzt als eine schöne Geste von Herz zu Herz: „Wir freuen uns sehr über dieses Geschenk“, betonte Kemnitz, der auch die Bedeutung für die Psyche hervorhob. „Hinter den Herzkissen stehen Menschen, die aus eigener Erfahrung andere begleiten können. Diese seelische Komponente öffnet den Patientinnen und auch uns Ärzten Perspektiven, mit der Krankheit besser umzugehen.“ Denn der Mediziner weiß: „Wenn man sich selbst aufgibt, ist alle ärztliche Kunst vergebens.“