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Evozierte Potentiale (EP)

Als evozierte Potentiale bezeichnet man gezielt ausgelöste, elektrische Phänomene im Rahmen einer neurophysiologischen Untersuchung, mit denen die Leitfähigkeit von Nervenbahnen untersucht werden kann.

Was sind evozierte Potentiale?

Als evozierte Potentiale (lat. evocare „herbeirufen”) wird eine neurologische Untersuchungsmethode bezeichnet, mit deren Hilfe die Leitfähigkeit und damit die Funktionsfähigkeit von Nervenbahnen getestet werden kann. Das Prinzip beruht auf der Reizung eines Sinnesorgans oder peripheren Nervs und der anschließenden Beobachtung des dadurch ausgelösten elektrischen Potentials in verarbeitenden Regionen des Nervensystems.

Was passiert bei der Untersuchung von EPs?

Jeder Sinnesreiz löst in den sensorischen Arealen des Gehirns minimale elektrische Potentialänderungen aus. Um die evozierte Aktivität messen und darstellen zu können, wird eine Mittelungstechnik verwendet, bei der die Reizantworten vieler Reize summiert werden. Durch die wiederholte Darbietung eines Reizes und die Mittelung des nachfolgenden EEG-Signals strebt die reizunabhängige Aktivität gegen Null, während das reizbezogene evozierte Potential aufsummiert und somit auswertbar wird. Bei einem durch Lichtblitze ausgelösten Potential genügen etwa 50 Reize, während zur Messung der frühen akustischen Hirnstammpotentiale etwa 1.000 bis 2.000 Reize dargeboten werden müssen.

Welche Untersuchungsmethoden gibt es?

In der Helios Klinik Erlenbach wenden wir drei verschiedene Untersuchungsmethoden an:

  1. VEP – Visuell evozierte Potentiale ermöglichen eine Beurteilung des Sehnervens und der Sehbahn vor allem in der Verlaufsdiagnostik der Optikusneuritis bei Multipler Sklerose. Bei der Untersuchung betrachtet der Patient ein Schachbrettmuster, das in Sekundenabständen seine Farben umdreht (schwarz wird zu weiß und umgekehrt). Es können beide Augen gleichzeitig oder auch einzeln stimuliert werden. Die dadurch ausgelösten elektrischen Potentiale in der Sehrinde (okzipitaler Kortex) werden aufgezeichnet.
  2. AEP – Akustisch evozierte Potentiale ermöglichen eine Beurteilung der Hörbahn: von der Hörschnecke, über den Hörnerv bis zum Hirnstamm (Frühe AEP (FAEP)), weiter über das Mittelhirn (mittlere AEP (MAEP)), bis zum Hörcortex. Die AEPs werden zum Beispiel zur Diagnostik von Akustikusneurinomen eingesetzt und zur Schwindelabklärung oder in der Hirntoddiagnostik.
  3. SEP – Somatisch evozierte Potentiale: auch SSEP – Somatosensibel evozierte Potentiale (Somatosensorisch evozierte Potentiale) genannt, ermöglichen eine Beurteilung der zentralen somatosensiblen Leitungsbahn und peripherer sensibler Nerven. Über eine Stimulationselektrode in der Nähe eines sensiblen Nervs werden wiederholte elektrische Reize gesetzt. Die Messelektroden werden an der Kopfhaut angebracht. Weitere Messelektroden können entlang des peripheren Nervs und über den Reiz verarbeitende Zentren des Rückenmarks und Gehirns angebracht werden. Dabei werden deren elektrische Reaktion sowie die Laufzeit des Signals gemessen. Durch Vergleiche der Laufzeiten und der Entfernungen kann dann bestimmt werden, in welchem Abschnitt eine etwaige Verzögerung des Signals aufgetreten ist (Etagendiagnostik). Typische Reizorte sind der Nervus tibialis am Bein oder der Nervus medianus an der Hand, aber auch der Gesichtsnerv (Trigeminus). Diese Methode wird sowohl zur Abklärung entzündlichen Krankheiten des zentralen Nervensystems, wie bei der Multiple Sklerose, als auch bei Rückenmarkerkrankungen und in der Hirntoddiagnostik angewendet.