Wild und wunderbar
Audienz bei Alexia

Wild und wunderbar

Erfurt

Ein dreiviertel Jahr lang wurde Alexia wegen Leukämie auf der Kinderkrebsstation im Helios Klinikum Erfurt behandelt. Wenige Monate später treffen wir das Mädchen wieder. Hausbesuch bei einer Drachenkönigin.

„Ist das für mich?“, fragt Alexia und lugt neugierig hinter den Rücken ihres Besuchs. Die große blaue Schachtel hat sofort ihr Interesse geweckt. Was darin wohl versteckt ist? Die Vierjährige denkt kurz nach und erinnert sich: „Mein Drache! Du hast wirklich an den Drachen gedacht?!“ Ungeduldig reißt das Mädchen das Papier vom Karton und verschwindet kurz darauf mit hochroten Wangen und einem großen, grünen, doppelköpfigen Ungetüm in ihrem Zimmer. Das Kind ist selig. Es ist zuhause. Und arbeitet akribisch eine Wunschliste für die Zeit „danach“ ab.

„Eine Königin hat nämlich Wünsche, die in Erfüllung gehen. Und Drachen. Die sind stark und helfen dabei.“

Alexia, 4 Jahre, aus Erfurt

Werfen wir also einen Blick auf die Wünsche dieser vierjährigen Drachenkönigin.

„Spiiieeelen“ – das hat für Alexia oberste Priorität. Drum stand auch der Besuch ihrer Freunde im Kindergarten ganz oben auf der Wunschliste. Was ursprünglich nur als Stippvisite geplant war, wurde flugs zum grandiosen Wiedersehensfest. Die Rasselbande begrüßte das Mädchen stürmisch und ließ sie am Mittagstisch sogar vergessen, dass Spinat grad nicht zu ihren Lieblingsspeisen gehört. In der Gemeinschaft isst es sich halt doch am besten. In wenigen Wochen wird das Mädchen wieder regelmäßig dabei sein.

„Fahrrad fahren.“

Endlich ohne diese blöden Stützräder. So wie die Großen. Auch das hatte sich Alexia für die Zeit nach dem Krankenhaus vorgenommen. Das Energiebündel übte wie besessen, trat bei Wind und Wetter unermüdlich in die Pedale und hielt damit die Familie ordentlich auf Trab. Und siehe da: Sie fährt. Wie eine Große. Und trällert dabei fröhlich ein Drachenliedchen.

„Ins Kino gehen!“

Ging beinahe schief. „Drachen zähmen leicht gemacht 3“ war erst ab sechs. Mit Tränen in den großen Kulleraugen stand das Mädchen vor der Kasse. Bei Wunsch Nummer drei schon scheitern? Geht gar nicht! Das fanden die Leute in der Schlange hinter ihr auch. Mit ein bisschen Protest und Trickserei erhielt Alexia schließlich das ersehnte Ticket und stürzte sich ins Leinwandabenteuer. „Drachen sind Weltklasse“, betont sie noch mal. Nur für den Fall, dass das der Rest der Welt immer noch nicht verstanden hat.

„Schaukeln!“

Wie sehr hatte sie das während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus vermisst. „Die haben da keine Schaukel“, sagt sie vorwurfsvoll. Ist angekommen. Demnächst rollen die Bagger auf den Krankenhausspielplatz. Zuhause fliegt Alexia derweil den Wolken entgegen. Jetzt erstmal noch mit Kopftuch. Bald auch wieder mit wehenden Haaren. „Guck mal, die wachsen“, sagt sie und verweist stolz auf den ersten strubbeligen Zentimeter. Alles eine Frage der Zeit.

Mmhh.

Das nächste Häkchen auf der Liste ist noch nicht ganz fertig. Da steht: „Schwimmen lernen.“ Immerhin der Badeanzug ist schon gekauft. Bald geht es mit Mama und Papa zur Kur. Vier Wochen lang ausruhen, reiten, ausruhen, reiten … Und schwimmen. „Also so richtig. Mit Schwimmflügeln baden ist doch was für Babys“, findet Alexia. Was sie sich in den Kopf setzt, scheint auch möglich. Alles ist möglich für die Kleine. Was soll da beim Schwimmen lernen schon schief gehen …

Steht noch was auf der Liste?

„Schlittschuh laufen!“ Auch das fiel dem stationären Aufenthalt zum Opfer. Drum plant Alexia halt schon bis Jahresende. Darf sie auch. Es geht ihr richtig gut. Endlich! Das Energiebündel ist inzwischen wieder in seinem Zimmer verschwunden. Wunschlisten sind nämlich eigentlich auch irgendwie langweilig. Drachen sind dann doch spannender. Mama holt tief Luft. „Es ist wunderschön, sie so zu sehen“, sagt sie. „Die Kleine hat endlich wieder rote Wangen, die tiefen Augenringe sind verschwunden, die Haare wachsen wieder.“ Das lässt Mama sogar darüber hinwegsehen, dass der Speiseplan ihres Sprösslings gerade ausschließlich Pommes, Kroketten und Smiley- Wurst vorsieht. „Das geht sicher auch vorbei“, hofft sie. Und wenn alle Stricke reißen – dann bittet sie um eine Audienz bei der Drachenkönigin. Bestimmt erfüllt sie auch Wünsche treuester Gefährten.

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