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Wenn es zischt und knallt

Wenn es zischt und knallt

Erfurt

Spezialisten des Helios Klinikums Erfurt warnen vor Verletzungen durch Feuerwerkskörper

Foto oben: Der leitende Oberarzt der Hand- und Mikrochirurgie, Dr. Nicky Schettler, behandelt die Handverletzung eines jungen Patienten.

In den nächsten Tagen zischt und knallt es wieder an jeder Ecke. Quer durch das ganze Land fliegen abermals Feuerwerkskörper durch die Lüfte, die das neue Jahr einläuten sollen. Welche Gefahren von den oftmals fahrlässig gezündeten Silvesterknallern ausgehen, weiß Dr. Nicky Schettler nur zu gut. Der 42-Jährige ist leitender Oberarzt der Hand- und Mikrochirurgie im Helios Klinikum Erfurt und kennt die typischen Handverletzungen, die vermehrt zum Jahreswechsel registriert werden. „In den Tagen um Silvester herum, verzeichnen wir ein erhöhtes Aufkommen von Patienten mit Verletzungen an den Händen, welche in diesem Fall durch Feuerwerkskörper verursacht wurden. Das Spektrum reicht dabei von leichten Verbrennungen bis hin zu schweren Sprengverletzungen, bei denen beispielsweise ein oder mehrere Finger abgetrennt sind.“ Alkohol spiele bei den meisten Unfällen eine nicht unerhebliche Rolle. Gerade Jugendliche unterschätzen die Gefahren. „Die Kombination aus Alkohol und Sprengkörpern ist eine explosive Mischung. Wer Alkohol getrunken hat, sollte die Finger weglassen von Böller und Co.“, mahnt Dr. Schettler.

Augen vor den Gefahren nicht verschließen

Auch der Chefarzt der Augenheilkunde, Prof. Marcus Blum, fordert mehr „Weitsichtigkeit“ beim Umgang mit den Feuerwerkskörpern: „Es vergeht leider kein Silvesterfest, an dem wir es mit der Notfallversorgung von Traumata im Augenbereich zu tun haben. Am häufigsten kommt es bei Knallexplosionen zu Verletzungen der Lider und der schmerzempfindlichen Augenoberfläche oder auch stumpfen Augapfelprellungen.“ In weniger als 40 Prozent der Fälle haben die Verletzen den Feuerwerkskörper selber gezündet – häufig sind Zuschauer oder Passanten die Betroffenen. Die Deutsche Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) hat in den vergangenen drei Jahren die Anzahl an Augenverletzungen im Silvesterzeitraum zwischen dem 27.12. und 03.01. erhoben. Deutschlandweit wurden so insgesamt rund 1.400 Patienten mit solchen Verletzungen erfasst. Rund ein Viertel der Patienten musste stationär behandelt, teilweise auch aufwändig chirurgisch versorgt werden. Fast die Hälfte dieser stationär behandelten Patienten erleidet einen dauerhaften Verlust an Sehkraft.

„Es vergeht leider kein Silvesterfest, an dem wir es mit der Notfallversorgung von Traumata im Augenbereich zu tun haben.“

Prof. Dr. Marcus Blum | Chefarzt der Augenheilkunde

Kinder sind besonders gefährdet

Kindern sollte keine Wunderkerzen in die Hand geben werden, sie könnten die Kleidung in Brand setzen.

Aber nicht nur Erwachsene gehen zuweilen leichtsinnig mit Feuerwerkskörpern um, vor allem auch Kinder und Jugendlichen zündeln besonders häufig zwischen den Jahren. Mit schweren Folgen wie Dr. Solveig Weber weiß: „In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder schwere Explosionsverletzungen durch Böller bei Kindern behandelt. Ein Problem sind vor allem speziell Böller, die nicht den deutschen Sicherheitsbedingungen entsprechen.“ Dr. Weber leitet das thüringenweit einzige Versorgungszentrum für brandverletzte Kinder und kennt die Gefahren nur zu gut. „Bei Unfällen mit Raketen und Böllern bilden die Hochrisikogruppe vor allem Jungs zwischen dem achten und 15. Lebensjahr. Häufig betroffen sind nicht nur schwer verletzte Hände, sondern auch Gesicht, Augen, Ohren und Genitalen“. Für Dr. Weber sei es vor allem die Pflicht der Eltern, ihre Kinder aufzuklären. Kinder und Jugendlichen seien sich der dramatischen Folgen für ihr ganzes Leben nicht bewusst.

Ratschläge für den Sicheren Umgang von Kindern mit Feuerwerkskörpern:

  • Lagern Sie Feuerwerkskörper verschlossen und in sicherem Abstand!
  • Knaller niemals in Hosentaschen tragen – durch Reibung können sie sich entzünden!
  • Kinder sollten Feuerwerkskörper an Silvester nur gemeinsam ihren Eltern abbrennen!
  • Kindern keine Wunderkerzen in die Hand geben, sie könnten die Kleidung in Brand setzen!
  • Kaufen Sie Feuerwerkskörper nur im Fachhandel! Lesen Sie die Gebrauchsanweisung sorgfältig und achten Sie auf das CE-Zeichen und die BAM-Prüfnummer (Bundesamt für Materialprüfung)!
  • Am besten nur Feuerwerkskörper verwenden, die nicht in der Hand gezündet werden müssen!
  • Verwenden Sie keine selbst gebastelten oder manipulierten Feuerwerkskörper! Sie sind besonders gefährlich, da sie zu früh oder viel stärker explodieren können als erwartet.
  • Als Eltern mit gutem Beispiel vorangehen!