Mitwachsende Stäbe für einen geraden Kinderrücken

Mitwachsende Stäbe für einen geraden Kinderrücken

Neues Therapieverfahren bei Skoliose erstmals in Thüringen angewendet

Stolze 5.000 Kilometer legte Familie Al-Khaldi aus Kuwait zurück, um ihren Sohn Fahad in der Wirbelsäulenchirurgie des Helios Klinikums Erfurt behandeln zu lassen. Der Sechsjährige leidet seit seiner Geburt unter einer ausgeprägten Skoliose. Eine neue Therapie mit Titanstäben soll nun helfen, seine Wirbelsäulenverkrümmung zu begradigen. Dr. Ali Ezzati und Dr. Ahmed Shawky, Chef- und Oberarzt der Wirbelsäulenchirurgie, setzten dieses Verfahren erstmals in Thüringen ein. Das Helios Klinikum Erfurt gehört damit zu den wenigen Kliniken bundesweit, die diese Behandlungsmethode anbieten.

In einer minimalinvasiven OP implantierten die Wirbelsäulenchirurgen dem Jungen im Bereich von Brust- und Lendenwirbelsäule die so genannten „growing rods“. Die beiden „Wachstumsstäbe“ wurden dabei rechts und links, parallel zur Wirbelsäule platziert und an Rippen und Becken befestigt. Die Implantate bestehen aus Titan und enthalten einen Teleskopmechanismus. „Mit Hilfe eines Elektromagneten, der von außen an den Rücken gehalten wird, lassen sich die Stäbe im Verlauf von Fahads Wachstum verlängern. Fünf bis sieben Zentimeter können die Stäbe mitwachsen, ohne dass dafür eine weitere Operation notwendig ist“, sagt Dr. Ahmed Shawky. Um die Stäbe millimeterweise auseinander zu ziehen, wird Fahad in den nächsten drei bis vier Jahren regelmäßig ins Helios Klinikum nach Erfurt zurückkehren. „Durch das relativ neue Verfahren bleiben Fahad nicht nur mehrere Nachoperationen zur Einstellung der Implantate erspart. Es bietet außerdem den Vorteil, dass die Wirbelsäule nicht versteift werden muss. Denn eine Versteifung hätte zur Folge, dass Fahads Wirbelsäule und sein Brustkorb kaum mehr wachsen würden“, sagt Dr. Ali Ezzati.

Die Methode ist für Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr geeignet, die an einer flexiblen Wirbelsäulenverkrümmung leiden. Fahads Eltern hatten sich für die Operation in Erfurt entschieden, nachdem die Korsetttherapie bei ihrem Sohn nicht den gewünschten Effekt gezeigt hatte. „Fahad selbst störte sich zwar nicht an seiner Wirbelsäulenverkrümmung. Aber wir haben beobachtet, dass Fahad beim Laufen und Spielen immer ein wenig wackelig auf den Beinen war. Durch die Magnetstäbe hoffen wir nun, dass er bald aufrechter gehen kann“, sagt sein Vater Ali Al-Khaldi. Wenn Fahad ausgewachsen ist, werden die Ärzte die Stäbe entfernen und abhängig vom Ergebnis der Behandlung die weitere Therapie mit den Eltern besprechen.